Der elf Jahre alte Jacob Saylors läuft durch die Trümmer seines Zuhauses in Kalifornien. Foto: AFP

Verkohlte Ruinen, kahlgebrannte Landschaften, viele Tote und noch viel mehr Vermisste: Das Ausmaß der Brände in Kalifornien ist furchterregend. Auch Präsident Trump zeigte sich bei einem Besuch erschüttert.

Los Angeles - Bei den schweren Waldbränden im US-Bundesstaat Kalifornien ist die bestätigte Zahl der Toten auf fast 80 gestiegen. Weit mehr als 1000 Menschen galten am Wochenende noch als vermisst. US-Präsident Trump besuchte am Samstag die Gegend um den am schwersten betroffenen Ort Paradise nördlich von Sacramento, dankte den Rettungskräften und sagte Kalifornien Unterstützung zu. Seine skeptische Haltung zum Klimawandel hat sich nach seinen Worten nicht geändert.

Das zerstörte Paradies

Das „Camp Fire“ rund um Paradise gilt schon jetzt als das tödlichste und zerstörerischste in der Geschichte des Westküstenstaates. Die Zahl der Todesopfer stieg nach Angaben des Sheriffs von Butte County, Kory Honea, bis Samstag auf 76. Das Feuer konnte sich auf etwa 600 Quadratkilometer Fläche ausbreiten, das entspricht zwei Dritteln der Fläche Berlins. 55 Prozent des Feuers wurden nach Angaben von Kaliforniens Feuerschutzbehörde inzwischen eingedämmt. Im „Woolsey“-Feuer im Süden Kaliforniens kamen nach US-Medienberichten insgesamt drei Menschen ums Leben.

„Das ist sehr traurig mit anzusehen“, sagte Trump zum Ausmaß der Schäden. Paradise wurde durch das Feuer zu großen Teilen zerstört. Trump besuchte dort einen Wohnwagenpark, von dem nur noch Trümmer übrig waren. Aufnahmen zeigten ausgebrannte Autos, verkohlte Öfen und ein Haus, von dem nur noch der Schornstein stand. Laut einem BBC-Bericht gab es auch Proteste gegen den Präsidenten. Ein Demonstrant bezeichnete ihn auf einem Transparent als „Dummkopf“.

Trump-Besuch stößt auf geteiltes Echo

Trump hat für die schlimme Lage das Forstmanagement verantwortlich gemacht. Auf die Frage, ob der Klimawandel eine Ursache sei, sagte er am Samstag, es gebe mehrere Faktoren. Derzeit scheine aber das Forstmanagement ein „sehr großes Problem“ zu sein. Gefragt, ob sich etwas an seiner Haltung zum Klimawandel geändert habe, verneinte er dies. Trump hatte einen von Menschen verursachten Klimawandel in der Vergangenheit immer wieder angezweifelt.

Kaliforniens Feuerwehrverband hatte zu Trumps Vorwürfen in den vergangenen Tagen erklärt, die Brände entstünden und verbreiteten sich nicht nur in Forstgebieten. Zudem seien fast 60 Prozent der kalifornischen Wälder unter Bundeskontrolle und rund ein Drittel in privater Hand. Experten hatten eine lange Dürre, verdorrte Vegetation und extreme Winde als Mitursachen für das Ausmaß der Brände genannt.

Glück im Unglück

Die Zahl der Vermissten im Norden Kaliforniens bezifferte Sheriff Honea am Samstag auf 1276 - das waren 265 mehr als am Vortag. Er sagte, der Anstieg komme daher, dass die Behörden nach wie vor Informationen auswerteten. Er rief die Menschen dazu auf, sich zu melden, wenn sie in Sicherheit seien. Nach Angaben der Behörden waren viele Menschen wegen ausgefallener Mobilfunknetze nicht zu erreichen. „Wir stellen fest, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass wir nach ihnen suchen“, sagte Honea laut CNN.

Nach seinem Besuch im Norden Kaliforniens reiste Trump weiter in den Süden, wo er sich in Malibu ein Bild der Schäden machte. In der als Heimat vieler Filmstars bekannten Stadt am Westrand von Los Angeles haben auch etliche Prominente ihre Häuser verloren, unter ihnen Entertainer Thomas Gottschalk.

Glück im Unglück hatte laut einem CNN-Bericht eine 93-jährige Frau in Magalia nördlich von Paradise. Sie erfuhr aus den Nachrichten, dass sich das Feuer ihrem Wohnviertel näherte. Als sie um Hilfe rufen wollte, funktionierte das Telefon nicht mehr. Sie versuchte, sich zu Fuß in Sicherheit zu bringen, als plötzlich ein großer Müllwagen vorbeikam und sie mitnahm.

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