Und weg mit der Bombe: Die Feuerwerker Rasehorn und Peterle räumen auf. Foto: SDMG

Am Mittwoch um 0.35 Uhr war das 500-Kilo-Monster entschärft: Direkt an der B 10 und am Rosensteinpark in Bad Cannstatt war an der Tunnelbaustelle eine amerikanische Fliegerbombe gefunden worden.

Stuttgart - So flapsig kann man es auch sehen: „Kann sein, dass es scheiße wird“, so lautet das Tourneemotto der Berliner Rapperinnen SXTN bei ihrem Konzert im Wizemann am späten Dienstagabend. Da wussten sie wohl nicht, dass nur 467 Meter Luftlinie entfernt eine 500-Kilo-Bombe im Boden steckte. Die über 70 Jahre alte Fliegerbombe lag bedrohlich da und musste entschärft werden. Immerhin durften die Rapperinnen Nura und Juju ihr freches Programm vor vollem Haus noch zu Ende bringen – doch dann war Evakuierung angesagt.

Kann sein, dass es – wie – wird? Nein, die Feuerwerker Mathias Peterle und Sven Rasehorn vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hatten konzentriert und schnell geschraubt. Um 0.18 Uhr hatten sie sich an die beiden mechanischen Zünder der amerikanischen Fliegerbombe gemacht, die an der Rampe des künftigen Straßentunnels der B 10 unterm Rosensteinpark gefunden wurde. Dabei stießen sie „auf die normalen Probleme, die alten Gewinde wieder in die Gänge zu bringen“, so Peterle. Um 0.37 Uhr war der Krieg für diese Bombe endgültig zu Ende.

Die Baggerschaufel beschädigte einen Zünder

Mehr als sieben Stunden hatte das Relikt noch einmal für Aufregung gesorgt. Wenn auch nicht mit den massiven Folgen einer Absperrung, wie sie bei einer 500-Kilo-Bombe im Januar 2016 in der Rosensteinstraße im Nordbahnhofviertel notwendig waren. Mitten im Feierabendverkehr mussten Fernzüge und S-Bahnen ruhen, Hunderte Bewohner wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Diesmal ließ man sich bis Mitternacht Zeit, da ging es dann ruhiger zu. Zahlreiche Stadtbahnlinien konnten nach einem Brand im Bereich der Haltestelle Hauptbahnhof am späten Abend ohnehin nicht mehr fahren.

Der jüngste Bombenfund war am Dienstag gegen 17.15 Uhr gemacht worden. Auf Höhe der Pragstraße 138, gleich an der Haltestelle Rosensteinpark, stieß bei Bauarbeiten für den künftigen Rosensteintunnel eine Baggerschaufel gegen das brisante Metall. Dabei wurde einer der beiden Zünder deformiert. Zum Glück ohne Folgen.

Den ganzen Abend über folgte ein groß angelegtes Evakuierungsprogramm. „Betroffen waren zahlreiche Wohnungen bis hinüber zur Mannheimer Straße“, sagt Polizeisprecher Thomas Ulmer, „auch ein Flüchtlingsheim, die Konzerthalle vom Wizemann sowie der Rosensteinpark zwischen Naturkundemuseum und Schaubauernhof.“ Der Park musste menschenleer sein, deshalb überflog ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera das Areal. Für einen Teil der Einwohner wurden Busse der Stuttgarter Straßenbahnen geordert, auch die Kantine des Polizeipräsidiums an der Hahnemannstraße diente als Unterschlupf.

Alles geht gut – wie schon in den Fällen davor

Laut Polizei wurden etwa 200 Personen von 30 Rettungsdienstmitarbeitern betreut. Viele machten sich auch in die Stadt auf, um die Stunden des Wartens zu überbrücken. Im gefährdeten Gebiet liegen auch die Dienststelle der Verkehrspolizei sowie das Polizeiareal Pragstraße 136. Beide Gebäude waren aber nur mit einem Nachtdienst besetzt. Die Einsatzhundertschaft hatte ohnehin nichts im Gebäude zu tun – sie musste Wohnung für Wohnung räumen und Straßen absperren. Ein zeitaufwendiges Geschäft: 100 Beamte waren damit mehrere Stunden beschäftigt – bis nach Mitternacht.

Die Feuerwerker Rasehorn und Peterle machten mit der Bombe schließlich kurzen Prozess. Wie auch schon vor einem Monat auf dem Trainingsplatz des VfB Stuttgart an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt. Die eigentliche Entschärfung dauerte nur wenige Minuten. Mitte August hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst eine 250-Kilo-Bombe an der Ulmer Straße in Wangen unschädlich machen müssen. Der Juli bescherte den Feuerwerkern eine Stabbrandbombe an der Hedwig-Dohm-Straße im Stuttgarter Norden. Freilich: Nicht immer ist der Einsatz brenzlig. Als man im Mai eine Bombe am Hauptfriedhof in Steinhaldenfeld entschärfen wollte, stieß man lediglich auf harmlosen Metallschrott.

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