Vorläufig außer Dienst gestellte Boeing 737 Max auf einem Flugfeld in Kalifornien. Foto: AFP

Ob fehlende staatliche Aufsicht zu Abstürzen von Boeing-Flugzeugen beitrug, ist offen. Doch der US-Trend beunruhigt durchaus, schreibt Andreas Geldner.

Stuttgart - Der Unfallbericht zu den Absturzursachen einer nagelneuen Boeing 737 Max in Äthiopien ist nicht abgeschlossen. Hinter den bisherigen Enthüllungen, die während der Ermittlungen durchgesickert sind, stecken immer auch Interessen. Die äthiopische Regierung betont, dass die Crew im Cockpit alles richtig gemacht habe. Zuvor war in den USA hingegen durchgestochen worden, dass die Piloten das problematische automatische Flugsteuerungssystem mehrfach selber wieder eingeschaltet hätten. Für Schuldzuweisungen ist es also zu früh.

Doch Stück um Stück sind in den vergangenen Wochen Informationen zutage gefördert worden, welche die bisher als globaler Goldstandard geltende Sicherheitskultur im US-Flugverkehr in Zweifel ziehen. Aufgaben, die einst von unbestechlichen, unabhängigen Mitarbeitern der staatlichen Flugsicherheitsbehörde FAA wahrgenommen wurden, sind systematisch in den Einflussbereich von Boeing übergegangen. Das folgte einem einfachen Prinzip: Zu viel Regulierung und Bürokratie sind schlecht. Private Unternehmen können sich auch selber beaufsichtigen.

Deregulierung ist unter Trump eine radikale Ideologie

Daraus entsteht noch keine Kausalkette, was die Boeing-Flugzeugabstürze betrifft. Den Trend zur längeren Leine gab es zudem schon vor dem Amtsantritt von Donald Trump. Aber die augenblickliche US-Regierung verfolgt aus ideologischen Gründen das Prinzip des Laisser-faire mit einer nie da gewesenen Konsequenz und Radikalität.

Die „Washington Post“ konnte vor wenigen Tagen sogar am – vergleichsweise harmlosen – Beispiel eines Kinderwagens mit hohem Verletzungsrisiko demonstrieren, wie dort alle bisherigen Prinzipien des Verbraucherschutzes systematisch ausgehebelt wurden. Dies geschah mit politischer Rückendeckung. Von der Ölförderung bis hin zum Gewässerschutz – überall kennt die Trump-Administration nur eine Richtung: Deregulierung, Deregulierung und noch mal Deregulierung. Die Wirtschaft jubelt, weil dies Kosten spart und die Geschäfte einfacher macht. Doch am Ende zahlt jemand dafür den Preis.

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