Alles im Blick hatte am Freitagabend die Polizei am Böblinger Bahnhof: 30 Beamte kontrollierten das Geschehen. Foto: factum/Simon Granville

Bei einem groß angelegten Sicherheitstag kontrolliert die Polizei mit mehr als 400 Beamten Bahnhöfe und Autobahnen, Restaurants und Kneipen in den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg. Dabei gehen ihnen auch Straftäter ins Netz.

Böblingen/Sindelfingen - D er junge Wirt ist wenig begeistert, als am Freitag kurz vor 21 Uhr ein Trupp von Polizeibeamten sein Lokal im Sindelfinger Norden betritt. Begleitet werden die Beamten von Mitarbeitern der Lebensmittelaufsicht, des Zolls und der Finanzbehörden. Das Restaurant mit angeschlossener Shisha-Bar ist ist gut besucht. Überwiegend junge Leute, schick gekleidet, treffen sich hier.

Mitten im Gästebetrieb beginnen die Beamten ihre Kontrollen: Sind die Fluchtwege frei? Wie ist der Hygienestandard in der Küche? Ist die Shisha-Bar ausreichend belüftet?

Der junge Inhaber, der das Lokal gemeinsam mit einem Bruder betreibt, gibt sich gelassen. „Ich habe nichts zu befürchten. Wir arbeiten korrekt.“ Doch die Prüfer sind akribisch. Untersucht werden auch die Pässe der Mitarbeiter, um mögliche Schwarzarbeiter zu entdecken. Ein Beamter kontrolliert sogar Gläser. Sind diese vorschriftsmäßig geeicht? Nichts entgeht dem strengen Blick der Polizisten.

22 Kneipen und Bars werden in Sindelfingen kontrolliert

„Wir finden bei solchen Kontrollen eigentlich immer etwas“, sagt der Polizeihauptkommissar Andreas Dreher, der den Einsatz in Sindelfingen leitet. 22 Gaststätten und Bars stehen an diesem Abend auf der Liste, die das örtliche Polizeirevier gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt erstellt hat. Kriterien dabei: Wann wurde das Lokal das letzte Mal in Augenschein genommen? Oder werden Unregelmäßigkeiten vermutet?

Und natürlich geht es darum zu schauen, wie die Corona-Regeln eingehalten werden. „Da gibt es in fast jedem Lokal etwas zu beanstanden“, sagt Dreher. Gefordert ist, dass sich jeder Gast mit Name, Adresse und Telefonnummer einträgt. Viele handhaben das lässig. Zwei Gäste, die auf dem Weg zu ihrem Tisch sind, werden von einem Beamten angehalten. „Wo ist Ihre Maske?“ – „Entschuldigung, vergessen“, antwortet die junge Frau und zieht einen Mundschutz aus der Tasche.

Eine dreiviertel Stunde später macht sich der Kontrolltrupp auf den Weg ins nächste Lokal, wenige Fußmeter entfernt, eine Kneipe mit Spielautomaten. Als Erstes kontrolliert Angelika Rumm vom Ordnungsamt der Stadt, ob in jedem Raum, in dem Geldspielautomaten stehen, eine Aufsicht ist. Und sie stellt dabei gleich den ersten Mangel fest. „Warum ist im Raum nebenan kein Personal“, will sie vom Betreiber hinter dem Tresen wissen. „Das war nur kurz“, versichert er. „Auch kurz geht nicht“, belehrt ihn Rumm.

Insgesamt 61 Lokale in Sindelfingen, Herrenberg, Leonberg und Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) wurden am Freitagabend kontrolliert. Dabei stellten die Beamten 24 Verstöße gegen die Gaststättenordnung fest und zwölf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz. Shisha-Bars wurden etwa geschlossen, weil der CO2-Wert im Raum über den erlaubten Werten lag. Die Betreiber bekommen eine Frist zur Nachbesserung – dann kontrolliert das Ordnungsamt erneut.

40 Personen werden festgenommen

Auch in Böblingen war die Polizei am groß angelegten Sicherheitstag unterwegs. 30 Beamte – in Uniform und zivil – kontrollierten in den frühen Abendstunden das Geschehen rund um den Bahnhof. „Ist was passiert?“, will eine älterer Mann mit Regenschirm von Yvonne Schächtele wissen. Sie ist Mitarbeiterin der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg und beruhigt: „Nein, wir kontrollieren und wollen so Sicherheit vermitteln.“ Im Fokus steht auch hier die Einhaltung der Corona-Verordnung. „Wenn die Leute ohne Maske zu dicht beieinander stehen, sprechen wir sie an“, erklärt der Einsatzleiter Jochen Klamerek. Am Bahnhof selbst besteht durchgehende Maskenpflicht. Aber nicht alle halten sich daran. Die Bundespolizei hält Leute ohne Mund-Nasen-Schutz an. Hat einer keine dabei oder outet sich gar als Maskenverweigerer, wird er angezeigt. Aber auch das erleben die Beamten: Ein junger Mann, der sagt, er habe seinen Mundschutz vergessen und wolle sich am Automaten am Bahnhof einen kaufen. Zwei Beamte begleiten ihn daraufhin. Sicher ist sicher.

Erfolgreich war die Kontrollaktion der Polizei auf jeden Fall an der Autobahn: Auf der A 8 bei Rutesheim fanden Beamte bereits am Nachmittag im Auto eines 24-Jährigen rund 20 Kilogramm Marihuana. 13 zur Fahndung ausgeschriebene Personen gingen der Polizei am Freitag ins Netz. Insgesamt 40 Personen wurden vorläufig festgenommen.

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