In einem Jahr macht Binninger in Berlin Schluss: Die CDU verliere einen exzellenten Parlamentarier, sagen nicht nur Parteifreunde. Foto: dpa

Nach der Ankündigung von Clemens Binninger, bei der Bundestagswahl nicht mehr anzutreten, hat die Stuttgarter Stadträtin und Bundestagsabgeordnete Interesse angemeldet. „Wir brauchen keine fremde Hilfe“, heißt es bei den Christdemokraten.

Böblingen - Kaum hat Clemens Binninger seinen Rückzug von der politischen Bühne angekündigt, bringen sich potenzielle Kandidaten für die Bundestagswahl ins Gespräch. Als erstes hat Iris Ripsam ihren Hut in den Ring geworfen. Die Stuttgarter CDU-Stadträtin und Bundestagsabgeordnete, die für den

Innenminister Thomas Strobl in das Berliner Gremium nachrückte, rief am vergangenen Freitag bei der Kreis-CDU an, um ihr Interesse an einer Nominierung für die Bundestagswahl zu signalisieren. „Ich möchte gerne meine Aufgabe im Deutschen Bundestag fortsetzen. Sie gefällt mir gut“, erklärte die 57-Jährige. Sie wolle in Böblingen kandidieren, um in Stuttgart ihren Parteikollegen nicht in die Quere zu kommen.

„Ich kenne vier Mitglieder der Kreis-CDU, die ebenfalls den Finger strecken könnten“, erklärte Wolfgang Heubach, der Ehrenvorsitzende der Christdemokraten im Landkreis. „Wir brauchen keine fremde Hilfe, um mit einem geeigneten Mann oder einer fähigen Frau ins Rennen zu gehen“, betonte der 76-Jährige, ein langjähriger Weggefährte und Mentor des CDU-Bundestagsabgeordneten Binninger, für den nach der vierten Legislaturperiode in Berlin Schluss sein wird.

Großes Bedauern in der Kreis-CDU

„Wir bedauern diese Entscheidung sehr, respektieren sie aber selbstverständlich“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des CDU-Kreischefs Matthias Kauffmann sowie der CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz und Paul Nemeth, die beide ebenfalls dem CDU-Kreisvorstand angehören. In dem Gremium hatte Binninger am Donnerstagabend seine Parteikollegen über seinen Entschluss unterrichtet. Dessen Erklärung sei nur einer von vielen Tagesordnungspunkten in der Sitzung gewesen, zu einer Aussprache sei es nicht gekommen, berichtete Nemeth. Letztlich sei an der Entscheidung Binningers ja auch nicht mehr zu rütteln gewesen. Zumal er seinen Rückzug gemeinsam mit seiner Frau Ulrike plant, die Ende des kommenden Jahres nicht mehr als Bürgermeisterin von Nufringen kandidiert.

Beide wollen in ihrem Leben „noch einmal etwa anderes machen“, hatten sie verlauten lassen. „Er hat von sich aus nie nach Posten gestrebt“, erklärte Heubach, der mit ihm im Kreis vier Bundestagswahlen deutlich gewonnen hat. Leider habe man ihm keinen Posten in der Exekutive angeboten. Für Binninger stehe die Arbeit im Vordergrund, etwa im parlamentarischen Kontrollgremium und im NSU-Untersuchungsausschuss. Überall habe er hervorragende Arbeit geleistet, in Berlin allerdings auch unbequeme Fragen gestellt und Kritik geübt. Zum Beispiel an der Arbeit der Ermittler. „Er hat sich damit nicht nur Freunde gemacht“, sagte Heubach. Die CDU verliere einen exzellenten Fachmann, „den ich für ministrabel halte, sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene.“

OB Vöhringer hat sich zur OB-Wahl noch nicht geäußert

„Mit den beiden gehen zwei Schwergewichte in der politischen Landschaft verloren“, sagte der Landrat Roland Bernhard. Ulrike Binninger habe als erste Frau auf einem Bürgermeisterposten im Kreis für Nufringen Enormes geleistet, ihr Mann etwa den Ausbau der Autobahn 81 vorangebracht. „Oder auch die Ansiedlung der Firma Bosch in Renningen“, sagte der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer. Dessen Name kursiert ebenfalls unter den möglichen CDU-Bundestagskandidaten. Im kommenden Mai sind in Sindelfingen OB-Wahlen. Noch unklar ist, ob er Amtschef bleiben will. „Die Arbeit als Bundestagsabgeordneter ist eine interessante Aufgabe“, sagte er, „ich engagiere mich aber lieber mit den Menschen und für die Menschen in meiner Heimatstadt.“

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