17 fehlerhafte Bohrlöcher sind saniert – jetzt geht es um die Entschädigung. Foto: factum/Archiv

Fehlerhafte Geothermiebohrungen haben an 200 Häusern Schäden verursacht. Zunächst sollen nur die Eigentümer bei der Allianz ihre Ansprüche geltend machen. Die Versicherungssumme reiche aber nicht, sagen Kritiker.

Böblingen - Bernd Hommel von der Interessengemeinschaft Erdhebungen Böblingen (IGE-BB) zeigt sich erleichtert über die Nachricht aus der Böblinger Kreisbehörde. Der Landrat Roland Bernhard verkündete nun, dass das Land, die Stadt Böblingen und der Zweckverband Bodenseewasserversorgung zugunsten der von fehlerhaften Geothermiebohrungen betroffenen Hausbesitzer auf Geld von der Allianz-Versicherung verzichten. „Jetzt sind wir ein gutes Stück weiter“, erklärte Hommel. Doch nicht alle geschädigten Hauseigentümer sind glücklich. Der Böblinger Hans-Peter Braun etwa sagt nüchtern: „Die versprochene Versicherungssumme wird ohnehin nicht reichen.“

Gesamtschaden: 6,7 Millionen im nördlichen Hebungsgebiet

Dennoch findet es Hommel „sehr erfreulich“, dass die öffentliche Hand zusammen mit der Allianz eine Absichtserklärung für das nördliche Hebungsgebiet unterzeichnet hat. Demnach sollen dort zunächst allein die Grundstückseigentümer aus dem Versicherungstopf entschädigt werden. Eine kleine Unsicherheit gibt es allerdings noch. Für die Rücktrittsvereinbarung ist noch ein Posten in den Nachtragshaushalten des Landes und der Stadt nötig, über den die Gremien entscheiden.

Die Sanierung von zwei schadhaften Erwärmesonden im Norden Böblingens hatte 1,6 Millionen Euro gekostet. Dieses Geld möchte das Land laut dem grünen Umweltminister Franz Untersteller nicht bei der Allianz einfordern, „damit die Privatleute die größtmögliche Entschädigung erhalten“. Dort summieren sich die Reparaturkosten auf 6,7 Millionen Euro, wie die Gutachter der Allianz bisher ermittelten. Der Betrag beruhe weitgehend auf Schätzungen, hatte ein Allianz-Sprecher kürzlich erläutert. Viele der Häuser müssten zusätzlich von Geologen und Statikern unter die Lupe genommen werden. Manche Schäden gingen möglicherweise auch gar nicht auf die fehlerhaften Geothermiebohrungen zurück. Die Allianz zahlt für das nördliche Hebungsgebiet fünf Millionen Euro. Eine genaue Anzahl der Hausbesitzer im Norden Böblingens, die in den Genuss einer Entschädigung kommen sollen, ist der IGE-BB bisher nicht bekannt. Hommel schätzt, dass es 70 bis 80 sein könnten. Die Allianz hat bisher keine Angaben gemacht.

Fünf Millionen Euro pro Hebungsgebiet

Das Geld werde auch deshalb nicht reichen, weil die Schadenssumme nicht die Wertminderung der Häuser enthalte, kritisiert Brauns Mitstreiter Fritz Ott. Auch die Schäden an Wasserleitungen seien nicht berücksichtigt worden. Zudem dauere die Schadensregulierung viel zu lange. „Manche der betagten Eigentümer werden das wohl nicht mehr erleben“, sagt Ott.

Das gilt möglicherweise auch für Hausbesitzer im Süden Böblingens, wo sich ebenfalls nach 15 Bohrungen die Erde hob. Im Norden sind die Hebungen fast zum Stillstand gekommen, im Süden verursachen sie laut Braun nach wie vor weitere Schäden. Auch dort will die Allianz voraussichtlich fünf Millionen Euro zahlen – vorausgesetzt, es ist ein Hebungsgebiet. Wenn die Gutachter zu dem Schluss kommen, dass es im Süden zwei Hebungsgebiete sind, könnte die Allianz zu einer Zahlung von weiteren fünf Millionen Euro bereit sein, hofft Bernd Hommel. Pauschal gibt es für den Gesamtschaden zusätzlich zwei Millionen Euro. Nun sei das Gutachten vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau abzuwarten, das die Allianz für weitere Untersuchungen zugrunde lege, heißt es bei der IGE-BB.

Bürger fordern Hilfsfonds des Landes

Und der Minister Untersteller lässt verlauten, dass man erst sehen müsse, ob die 15 schadhaften Sonden im Süden erfolgreich saniert worden seien und die Erde zum Stillstand komme. Erst dann könne eine Schätzung der Schäden erfolgen und das weitere Vorgehen besprochen werden.

Insgesamt sind 200 Hausbesitzer betroffen. Das Land hat auch die Sanierungskosten im Süden von 5,2 Millionen Euro übernommen. Um wenigstens die gröbsten Schäden reparieren zu können, fordern Braun und seine Mitstreiter einen Hilfsfonds des Landes.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: