Demnächst blitzbereit: die Geräte an der A 8 vor dem Leonberger Dreieck. Foto: factum

Die vierte Blitzeranlage an der A 8 zwischen Flughafen und Leonberg steht kurz vor dem Startschuss. Was bedeutet das für die Autofahrer?

Stuttgart/Leonberg - Die vierte Blitzeranlage an der Autobahn zwischen Stuttgart und Leonberg steht unmittelbar vor dem Startschuss. Die Geräte sollen in der kommenden Woche geeicht und scharf gestellt werden. Wegen des vierspurigen Ausbaus der Autobahn zwischen dem Kreuz Stuttgart und dem Leonberger Dreieck hatte die Anlage zweieinhalb Jahre pausiert. Nun kehrt sie an neuer Stelle zurück – und dürfte ein wahres Blitzgewitter auslösen.

Wann wird es ernst mit den neuen Blitzern vor dem Leonberger Dreieck?

Voraussichtlich nach den Ferien. Die Technik ist dieselbe wie bei den drei anderen Anlagen am Flughafen, bei Stuttgart-Möhringen und Leonberg-Ost. Die Eichung soll die ganze nächste Woche dauern.

Warum sind die Geräte am rechten Fahrbahnrand vom Verkehr abgewandt? Sollen sie das Heck blitzen?

Nein: „Aufnahmen in Richtung Fahrzeugheck sind nicht vorgesehen“, sagt Patricia Meyer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Technik und Logistik. Nach der Eichung „zeigen die Systeme dann alle in eine Richtung“, sagt Meyer. Nämlich nach vorne. Sozusagen Auge in Auge mit dem Temposünder.

Die Messstelle liegt an einer vierspurigen Gefällstrecke – warum wird hier geblitzt?

„Der Streckenabschnitt ist höchst unfallträchtig“, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn, „ein hoch verdichteter Verkehr mit häufigen Fahrstreifenwechseln und Orientierungsproblemen der Autofahrer.“ Zwei Spuren führen zur A 81 nach Heilbronn, zwei Spuren zur A 8 nach Karlsruhe. Hohe und unterschiedliche Geschwindigkeiten sorgen für große Unfallgefahren.

Wie sieht ein typischer Unfall aus?

Ein 62-jähriger Wohnmobilfahrer sieht zu spät, dass vor ihm ein Autotransporter verkehrsbedingt bremsen muss. Er prallt ins Heck des Lkw – wobei noch zwei auf dem Transporter geladene Mercedes demoliert werden. Der Schaden ist immens, etwa 140 000 Euro. Es kommt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. An einem anderen Tag rechnet ein 25-jähriger Motorradfahrer nicht mit Verkehrsstockungen. Er bremst viel zu spät, stürzt, wird schwer verletzt.

Wird die neue Anlage viele Temposünder erwischen?

Das ist zu erwarten. Bis Dezember 2016 war die Anlage ein paar Hundert Meter weiter vorne in Betrieb – ehe der Streckenabschnitt vierspurig ausgebaut wurde. Unter den vier Anlagen hatte der damalige Standort die meisten Treffer.

Was heißt das in Zahlen?

Im ersten Jahr, 2014, wurden dort 334 000 Temposünder geblitzt, statistisch also täglich 915. Im Jahr 2016, dem letzten Betriebsjahr für diese Anlage, waren es immer noch knapp 215 000 Sünder. Zum Vergleich: Am Flughafen gab es in jenem Jahr „nur“ 131 000 Tempoverstöße.

Was haben die vier Anlagen damals an Bußgeldern eingebracht?

Dazu muss man wissen, dass etwa die Hälfte der geblitzten Fälle gar nicht verwertet werden kann. Meist, weil es sich um ausländische Fahrer handelt, mit deren Ländern es kein Ermittlungsabkommen gibt, oder ein Bus fälschlicherweise als Lkw eingestuft wird. So blieben 2016 von 616 000 Fällen nur noch 284 000 Fälle übrig. Bei statistisch 30 Euro pro eingeleitetem Bußgeldverfahren wurden etwa 8,5 Millionen Euro eingenommen.

Mit dann nur noch drei Anlagen gab es sicher weniger Bußgelder?

Im Jahr 2018 waren es nach dieser Rechnung etwa 6,4 Millionen.

Wie sieht der Trend für 2019 aus?

Steigend. Nach Angaben der Zentralen Bußgeldstelle des Landes beim Regierungspräsidium Karlsruhe haben die Stuttgarter Autobahnblitzer im ersten Halbjahr knapp 217 000 Verstöße geblitzt, die in knapp 130 000 Verfahren mündeten. Dies würde 3,9 Millionen Euro Bußgelder bedeuten. Dass die Trefferzahlen über die Jahre unterschiedlich sind, liege nicht nur an den Sündern, sagt Referatsleiter Karl-Heinz Klenk: „Das ist auch damit begründbar, dass einzelne Messanlagen außer Betrieb waren.“

Und was machen die neuen, halb mobilen Blitzeranhänger?

Die sind fernab an der A 81 am Bodensee im Einsatz. Bei über 58 000 Treffern haben sie netto Bußgeldverfahren mit über 1,1 Millionen Euro erblitzt.

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