Ein Kurzschluss mit Folgen: links die durchgeschmorte Muffe der Niederspannungsleitung, rechts die neuen Kabel aus Aluminium. Foto: Jürgen Brand

Am vergangenen Sonntag sind in der Schurwaldstraße etliche Gaisburger morgens aufgewacht und mussten feststellen: Nichts geht! Keine Kaffeemaschine, kein Wasserkocher, kein Licht, kein Radio, einfach nichts. Der Strom war weg, und das über Stunden. Grund war ein Kurzschluss in einer Niederspannungsleitung unter einem Gehweg. Der Notdienst der Netze BW funktionierte, wenige Stunden später war der Gehweg aufgebaggert und die Leitung repariert.

S-Ost - Am frühen Sonntagmorgen, als die meisten Menschen in der Schurwaldstraße in Gaisburg noch schliefen, ging in etlichen Wohnungen plötzlich nichts mehr. Kein Kühlschrank, kein Licht, kein WLAN-Router, nichts. Die meisten Häuser an der Schurwaldstraße im Abschnitt zwischen Krauchenweg und Welzheimer Straße hatten von jetzt auf nachher keinen Strom mehr.

Ein Kurzschluss unter der Erde kann laut sein

Angekündigt hatte sich der Stromausfall mit einem merkwürdig durchdringenden Geräusch. In etwa so, wie wenn jemand (sonntagmorgens um halb sieben) versucht, mit einem Schlagbohrer Löcher in dicke Betonwände zu bohren, aber immer wieder ab- und neu ansetzt. Die Fachleute der Netze-BW waren später dankbar für die Beschreibung – und identifizierten sie als Geräusch der unterirdisch überschlagenden Funken.

Zwei Stunden später waren dann auch die länger ausschlafenden Gaisburger wach, durch laute Stimmen auf der Straße und anfahrende Baufahrzeuge. Der Notdienst der Netze BW für solche Fälle funktionierte. In der Leitstelle war die Unregelmäßigkeit im Stromnetz um 6.25 Uhr angezeigt worden, daraufhin war der Bereitschaftsdienst in Gang gesetzt worden. Das ist beinahe schon Routine, bei 70 000 Hausanschlüssen in Stuttgart kommt das fast jeden Tag vor, allerdings fällt nicht immer auch gleich der Strom in einem ganzen Straßenabschnitt aus. In der Schurwaldstraße war der Gehwegbereich, unter dem das Stromkabel, von dem die Hausanschlüsse abzweigen, durchgeschmort war, mit Hilfe von Sonden schnell gefunden und markiert. Dort setzten die Bauarbeiter ihren ohrenbetäubend kreischenden Asphaltschneider an. Wenig später hob ein Bagger Schicht für Schicht Erdreich aus, bis das kaputte Kabel gefunden war. Die Erde direkt um das geschmolzene Kabel strahlte die beim Kurzschluss entstandene Hitze auch drei Stunden später noch aus.

Immer mehr Leitungen sind aus Aluminium

Der Kurzschluss war in einer Verbindungsmuffe entstanden, in der das von weiter oben in der Straße kommende neuere Alukabel mit dem alten Kupferkabel verbunden war. Etwa 30 Prozent der Niederspannungsleitungen in der Erde sind nach Angaben der Netze BW noch Kupferkabel, alle neuen Leitungen sind aber grundsätzlich aus Alu. Alu leitet zwar schlechter als Kupfer, ist aber billiger und leichter.

Über den Grund für den Kurzschluss in Gaisburg könne man nach Angaben der Netze-BW-Fachleute vor Ort nur spekulieren: „Alter, Feuchtigkeit, da ist vieles möglich.“ Während die Elektriker den geschmolzenen Kabelabschnitt austauschten, erzählten sich die Anwohner rund um die Baugrube ihre Stromlos-Geschichten. Der eine vermisste vor allem das Internet, beim anderen war das warme Wasser verbraucht. Wieder andere beschäftigte vor allem die Frage, wie lange der Kühlschrank auch ohne Strom kühl bleibt. Einen richtigen Schreck hatte die Betreiberin des Kiosks an der nächsten Straßenecke bekommen. Sie hatte frühmorgens per Internet die Nachricht bekommen, dass die Alarmanlage im Kiosk abgeschaltet worden sei. Deswegen fuhr sie extra aus einem anderen Teil Stuttgarts nach Gaisburg, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung war.

Gegen 15 Uhr hatten alle Haushalte wieder Strom. Die Grube wird noch ein paar Tage offen bleiben. Zunächst muss ein Geometer die GPS-Koordinaten der Muffen ermitteln. Erst dann kann die Grube zugeschüttet, der Gehweg asphaltiert werden. Dafür braucht man eine Baufirma – die seien zurzeit aber ausgebucht, war zu hören.

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