Vier Biotechnologieunternehmen sind zurzeit im Life Science Center in der Schelztorstraße 54 tätig. Foto: Horst Rudel/Archiv

Die Stadt sucht einen privaten Investor, der am bisherigen Konzept in der Schelztorstraße festhält. Was mit dem Geld geschehen soll, ist schon klar.

Esslingen - Die Entwicklung hat die Mieter überrascht: Wenn der Gemeinderat im Dezember endgültig grünes Licht gibt, wird die Stadt Esslingen auf die Suche nach einem privaten Investor gehen, der das Life Science Center in der Schelztorstraße 54 übernimmt. Weil CDU, SPD, Freie Wähler und FDP dieses Vorgehen befürworten, ist der Beschluss nur noch eine Formsache.

Damit geht ein Stück Wirtschaftsförderungsgeschichte in Esslingen zu Ende, die sich die Initiatoren vor 18 Jahren ein wenig anders vorgestellt hatten. Das Life Science Center, im Jahr 2000 als Gründerzentrum für Biotechnologieunternehmen geschaffen, sollte mithelfen, die damals vom Strukturwandel geschwächte Wirtschaft zu stärken und neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.

Erste Gehversuche im Bereich der Biotechnologie

Die Idee war es, dass Biotechnologieunternehmen in der Schelztorstraße, subventioniert mit günstigen Mieten und finanziell unterstützt durch einen Life Science Fonds, ihre ersten Gehversuche machen – und sich nach einer ersten Konsolidierungsphase neue Räume in der Stadt suchen sollten, um Nachfolgern Platz zu machen. Was man damals noch nicht wissen konnte: Bis Biotechnologieunternehmen tatsächlich die Gewinnzone erreichen, können wegen langwieriger Testreihen viele Jahre vergehen. Und auch der Wechsel ist nicht unproblematisch, weil viele Labore ein komplexes Zertifizierungsverfahren durchlaufen müssen und deswegen nicht einfach umziehen können.

Die Konsequenz: zwei der vier im Life Science Center beheimateten Unternehmen, BioTask und Bio Tesys, sind seit der Eröffnung Mieter. Und auch die beiden anderen, Micro Biolytics und Meidrix Biomedicals, sind seit rund einem Jahrzehnt dabei. Weil damit die ursprüngliche Gründeridee in Frage gestellt ist, hat der Esslinger Wirtschaftsförderer Marc Grün zwei Modelle erarbeitet.

Gewerbeimmobilie zu marktüblichen Preisen

Man könne entweder das Life Science Center als städtische Gewerbeimmobilie, dann aber zu den marktüblichen Mietpreisen, weiterführen – oder es an einen privaten Investor weiterverkaufen. Der soll, so ist es der ausdrückliche Wunsch der Mehrheit im Esslinger Gemeinderat, verpflichtet werden, den dort tätigen Biotechnologieunternehmen eine langfristige Entwicklungsperspektive zu geben.

Die Einnahmen aus diesem Immobilienverkauf könnten dazu benutzt werden, die neue Idee des Wirtschaftsförderers zu verwirklichen: Grün plant bekanntlich, die Küferstraße zur Gründermeile umzufunktionieren. Die Schaufenster sollen die Jungunternehmer nutzen, um ihre Ideen zu präsentieren. Dazu soll die Stadt leer stehende Flächen anmieten und diese Studienabgängern, die mit der Selbstständigkeit liebäugeln, kostengünstig zur Verfügung stellen.

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