Neues Projekt zur besseren Integration von Migrantenkindern nimmt Gestalt an - Goll kämpft um Anschubfinanzierung

Stuttgart. Wohin die Reise gehen soll, ist klar. Auf mehr als 20 Seiten haben Fachleute in den vergangenen Monaten aufgelistet, wie man Eltern von Migrantenkinder als Partner gewinnt. Das Ziel: Sie sollen aktiv am Bildungsgeschehen ihrer Kinder teilnehmen. Dass dies oft nicht der Fall ist, wird nicht nur mit Sprachbarrieren und Unkenntnis erklärt, sondern auch mit einem unterschiedlichen Verständnis von Bildungseinrichtungen.

Hier wollen die Autoren des Konzepts - rund 70 Vertreter aus fast allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen - Brücken bauen. "Um Eltern zu erreichen, sollte eine gezielte und persönliche Ansprache, wenn sinnvoll und nötig auch in der Erst- bzw. Herkunftssprache erfolgen", heißt es in dem Papier. Hier kommen auch die sogenannten Bildungslotsen ins Spiel, die das Gespräch mit Eltern suchen.

Doch dieses Beratungsangebot muss zuerst auf lokaler Ebene aufgebaut werden. Und nicht überall ist die Situation gleich. Deshalb ist es zunächst sinnvoll, alle Beteiligten - einschließlich der Migrantenvertreter - erst einmal an einen Runden Tisch zu bringen.

Dies alles geht nicht ohne professionelle Anleitung. Das Konzept, an dem auch der Integrationsbeauftragte des Landes, Justizminister Ulrich Goll, mitgearbeitet hat, sieht deshalb einen Pool von hauptamtlichen Beratern vor.

Wer diese bezahlt, stand lange Zeit in den Sternen. Doch allmählich zeichnet sich das Fundament des Integrationsprojektes ab. "Wir beteiligen uns finanziell, das hängt aber davon ab, dass das Land mitzieht", sagt Dieter Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert-Bosch-Stiftung. Den genauen Betrag nennt Berg zwar noch nicht öffentlich, doch den entsprechenden Beschluss hat das Kuratorium gefasst.

Nun liegt der Ball also bei Minister Goll, und der versucht, noch jeweils eine halbe Million Euro für die Jahre 2010 und 2011 im nächsten Haushalt unterzubringen. Dessen Eckpunkte sind zwar schon festgezurrt, doch haben die beiden Regierungsfraktionen noch einen gewissen Spielraum. Erst wenn dieser Betrag steht, hat das Projekt auch eine Chance, einen weiteren Topf anzuzapfen: Der nennt sich Impulsprogramm und dient der sogenannten Nachhaltigkeitsstrategie des Landes.

Die Autoren des Konzepts hoffen, aus diesem Topf im Frühjahr noch einmal eine halbe Million Euro zu erhalten, so dass mit der Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung sowie der Breuninger-Stiftung bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass das zustande kommt", sagt Berg. Auch aus Kreisen der Landesregierung heißt es, das bundesweit bisher einmalige Integrationsprojekt sei auf gutem Weg.

Mit dem Geld sollen nicht nur in jedem der vier Regierungasbezirke vier bis sechs Berater eingestellt werden, es soll auch der Finanzierung von konkrete Projekten in den Kommunen dienen. Dort begrüßt man das Projekt. "Der Städtetag sieht es als Teil einer Gesamtstrategie, mit der die Bildungschancen von Migrantenkindern durch die stärkere Einbeziehung ihrer Eltern verbessert werden sollte", sagt etwa der Sprecher des Städtetags, Manfred Stehle.

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