Fast 90 Prozent der Blütenpflanzen sind zur Vermehrung auf Bestäuber wie Honigbiene, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge angewiesen. Die Ernteerträge würden massiv einbrechen, würden Bienen nicht mehr auf der Suche nach Nektar und Pollen die Blüten bestäuben. Foto: dpa

Die Honigbiene ist eines der wichtigsten Nutztiere. Viele ihrer wilden Verwandten sind vom Aussterben bedroht. Um mehr über diese faszinierenden Lebewesen und ihre Überlebensstrategien zu erfahren, ergründen Forscher das Geheimnis ihres Erbgutes.

Stuttgart - Jeder kennt Strich- und Barcodes im Supermarkt. Mit Hilfe eines Scanners kann man damit schnell und unkompliziert den Preis einer Ware ermitteln. Hinter den verschieden Strichen verbirgt sich eine elektronisch lesbare Symbolschrift, die mit Lesegeräten eingelesen und elek­tronisch verarbeitet werden kann.

Ein ähnliches Verfahren wird auch in der Biologie angewendet, um Lebewesen in verschiedene Arten, Kategorien und Gruppen zu unterteilen. Hierbei wird die genetische Signatur – also die Aufeinanderfolge der Gene einer bestimmten Tierart – durch einen sogenannten „Barecode of Life“, also einem Strichcode des Lebens, erfasst. Basis hierfür ist ein bestimmter Abschnitt der sogenannten Gensequenz, die typisch und unverwechselbar für jede Lebensform ist.

Das Erbgut der Bienen

Ein besonders wichtiges Lebewesen ist die Biene. In Deutschland sind 571 Wildbienenarten bekannt – und es könnten noch mehr sein. Forscher der Zoologischen Staatssammlung München haben im Rahmen des „DNA-Barcoding-Projekts“ insgesamt 503 von ihnen und weiteren 58 Arten benachbarter Länder genetisch untersucht, die Ergebnisse in eine Gendatenbank eingespeist und katalogisiert. „Mit diesen Daten lassen sich künftig fast alle deutschen Wildbienenarten auf einfache Weise bis zur Art bestimmen“, sagt der Koordinator des deutschen Projekts, Christian Schmid-Egger. Das sei bisher nur Fachleuten möglich gewesen.

Es genügt künftig schon ein kleiner Teil eines toten Exemplars, um die Zugehörigkeit zu einer Art zuverlässig zu bestimmen. Und nicht nur das: Von den Daten erhoffen sich die Wissenschaftler auch Hinweise auf bislang unentdeckte Wildbienenarten.

Bienen und Artenvielfalt

Bienen haben für das weltweite Ökosystem und der Artenvielfalt in der Natur eine unschätzbare Bedeutung.

Die meisten Wildbienenarten hierzulande stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. „Die fast vollständige genetische Durchforstung des Artenbestands in ganz Deutschland versetzt uns in die Lage, Arten völlig neu zu bewerten oder gar problematische Artenpaare zu identifizieren“, erklärt Projektleiter Stefan Schmidt.

Barcode of Life

Die beiden Projekte „German Barcode of Life“ und „Barcoding Fauna Bavarica“ sind Teil eines internationalen Projekts, das 2003 von dem Wissenschaftler Paul Herbert von der University of Guelph in Kanada ins Leben gerufen wurde. 2009 startete es auch in Deutschland. Gerade Bayern ist eine biologische Schatztruhe und beherbergt mit rund 35 000 Arten fast 85 Prozent der hiesigen Fauna. Bisher konnten die Gendaten von mehr als 14 000 Tierarten erfasst werden.

Das Ziel des Projekts ist es, den Gencode aller Tiere in Deutschland zu knacken und in einer zentralen Datenbank zu erfassen, zu der Forscher und interessierte Laien via Internet jederzeit Zugriff haben. Für die Insektengruppe der Biene ist es die weltweit erste umfassende Katalogisierung – ein weiterer Meilenstein in der Genforschung.

Um die Jahrtausendwende hatten Forscher bereits das vollständige Erbgut des heutigen Menschen entziffert. Inzwischen kann aus Knochenresten sogar das Erbgut von Urmenschen wie des Neandertalers entschlüsselt werden.

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