Der Goldhamster aus Norwegen: Marte Olsbu Röiseland sammelte in Antholz Medaillen wie andere Leute Anstecker – die 29-Jährige nahm fünf goldene und zwei bronzene Plaketten mit. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Von der deutschen Mannschaft schnappte sich niemand einen WM-Titel in Antholz, dafür gab es zwei Frauen und einen Mann, die die Biathlon-WM zu ihrer Bühne machten. Klicken Sie sich durch die Fotos.

Antholz - Die Weltmeisterschaft in Antholz ist zu Ende, elf Titel wurden vergeben, die Fans haben die Sportler euphorisch gefeiert – und nun stellt sich die Frage: Wer hat diese WM geprägt? Drei Biathleten haben sich aus der Masse deutlich hervorgehoben.

Marte Olsbu Röiseland: Die Norwegerin hat Geschichte geschrieben und bei sieben Starts sieben Medaillen abgegriffen – fünfmal Gold und zweimal Bronze. „Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas gelingt“, freute sich die 29-Jährige, „Antholz war schon davor mein absoluter Lieblingsort – jetzt ist er es erst recht.“ Die Frau aus Arendal, die seit 2018 mit ihrer Jugendliebe Sverre Röiseland (einem Biathlon-Trainer) verheiratet ist, zählt nicht zu denen, die Scheinwerferlicht für ihr Ego benötigen, weshalb sie meist im Schatten von Teamkollegin Tiril Eckhoff stand. Die stets freundliche, aber stille Biathletin muss sich nun allerdings daran gewöhnen, die Gejagte zu sein – von ihren Konkurrentinnen und den Medienvertretern. Röiseland dürfte damit gut zurechtkommen.

Dorothea Wierer: Es war ihre WM, die Dramaturgie ist auf die gebürtige Antholzerin zugeschnitten gewesen. Silber mit der Mixed-Staffel als Aperitif, gefolgt von Gold in der Verfolgung und Gold im Einzel als Hauptgericht sowie Silber im Massenstart als Dessert – und das bei der WM vor der einstigen Haustüre, mittlerweile lebt sie ja in Castello-Molina im Fleimstal. „Das ist traumhaft, dass es so wunderbar geklappt hat“, freute sich die 29-Jährige. Italien war in Doro-Fieber, Blätter quollen über vor Fotos, selbst die „Gazzetta dello sport“, sonst auf Fußball fixiert, setzte sie auf den Titel, Wortspiele mit „oro“ (Gold) waren so beliebt wie ein Foto mit der Lokalmatadorin. Die Fans befanden sich stets auf der Jagd nach einem Selfie, was sie meist lächelnd gestattete, Medientermine jagten Treffen mit Organisationen wie der Freiwilligen Feuerwehr Innichen. Es galt: Wir wollen Wierer. Die Biathletin weckte gar Wintersport-Interesse auf Sizilien, betuchte Italiener fanden es schick, sich schnell in Antholz blicken zu lassen. Sieht so aus, als sei Biathlon in Italien angekommen – dank Doro Wierer.

Martin Fourcade: In der vergangenen Saison schien der gealterte Franzose abgeschrieben, Johannes Thingnes Bö hatte ihm nach sieben Jahren der erdrückenden Dominanz den Gesamtweltcup entrissen und ihn in zahlreichen Rennen, darunter bei der WM 2019 in Östersund, heftig düpiert. Totgesagte leben länger, heißt es – und das trifft auch auf den 31-Jährigen zu. In Antholz holte sich Fourcade nach Bronze im Sprint Gold im Einzel und mit der Staffel. Besonders der Titel im Einzel machte ihn stolz, damit zog er nach WM-Goldmedaillen (ohne Staffeln) mit der Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen gleich. „Es ist eine große Ehre für mich, mit ihm auf einer Stufe zu stehen“, sagte der Mann, der spätestens bei der WM 2020 ebenfalls Legenden-Status erworben hat.

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