Legenden ranken sich um die schwäbische Kehrwoche. Wichtig ist nicht nur, dass man sie macht, sondern auch, dass man dabei gesehen wird. Foto: Michael Steinert

Das Freilichtmuseum in Beuren startet mit der Ausstellung „Typisch schwäbisch!?“ in die neue Saison. Es geht ums Image und um die schwäbische Identität.

Beuren - Beuren ist schon bei deutlich widrigeren Bedingungen in die Saison gestartet. Als am Sonntag das Freilichtmuseum aus seinem Winterschlaf erwacht ist, hat die Sonne derart hell vom strahlend blauen Himmel geschienen, dass einem glatt eine bayrische Assoziation eingefallen ist: Kaiserwetter.

Dabei dreht sich doch in diesem Jahr vieles um die Frage, wie die Menschen, die rund um Beuren leben, mit ihrem Image und ihrer Identität umgehen. Nach zweijähriger Vorbereitung ist in der Scheuer aus Gärtringen die große Ausstellung „Typisch schwäbisch!?“ eröffnet worden, die sich der Frage widmet, wie viel dessen, was landläufig an Klischees über die Schwaben verbreitet wird, der Realität entspricht. Sind sie wirklich äußerst sparsam und geizig, fleißig und geschäftstüchtig, Tüftler und Denker und darüber hinaus die wahren Weltmeister der Kehrwoche? Woher kommen diese Beschreibungen – und was gehört unverzichtbar zur schwäbischen Identität?

Schwäbisch ist nur ein Identitätspartikel

„Wir wollen keine abschließenden Antworten geben“, betont Werner Unseld, der als Sachgebietsleiter Forschung und Vermittlung des Freilichtmuseums die Ausstellung konzipiert hat. „Wir wollen die Besucher vielmehr anregen, die eigenen Ansichten zu überprüfen.“ In einem Punkt ist sich Unseld aber sicher: Eine Eigenschaft, die wirklich nur den Schwaben zugeordnet werden kann, gibt es nicht. Viele der Charakterzüge und Eigenheiten, die man bundesweit mit dem südlichen Landstrich und seinen Menschen verbinde, könne unter anderer Begrifflichkeit auch in anderen Regionen Deutschlands angetroffen werden. Für die Menschen bedeute das: Das Schwäbische sei nur ein Identitätspartikel von vielen, das die Menschen hier präge.

Diesem „Partikel“ widmet die Ausstellung im Freilichtmuseum jede Menge Aufmerksamkeit: Von Spätzle und Maultaschen über Ständerling und Hocketse sowie der Neigung, sich den Wunsch vom eigenen Heim zu erfüllen bis zu Bastlern, Tüftlern, Denkern und Unternehmern reicht das Spektrum. Kinder dürfen auf Entdeckerrunde gehen und zwölf schwäbische Begriffe suchen. Die Erwachsenen sind aufgefordert, in den kommenden zwei Jahren die Schau mit eigenen typisch schwäbischen Gegenständen zu bereichern. In einer Vitrine im Obergeschoss ist noch Platz für die von den Museumsmachern gewünschte Erweiterung.

Wer kennt noch den begriff Heierles?

„Typisch schwäbisch?!“ gewährt nicht nur einen tiefen Einblick in die schwäbische Seele, sondern holt auch einige fast in Vergessenheit geratene Begriffe wieder ans Tageslicht. Denn selbst viele Schwaben erklärten am Eröffnungstag, dass sie noch nie den Begriff Heierles gehört haben: dabei handelt es sich um ein zufälliges Treffen auf der Straße, bei dem die wichtigsten Neuigkeiten austauscht werden.

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