Variante mit falschen Polizisten: Hinter den Schockanrufen mit angeblichen Unfällen steckt eine anderer Täterkreis. Foto: dpa

Die Masche der Schockanrufe mit angeblichen Unfällen von Familienangehörigen ist über zehn Jahre alt – jetzt lebt sie wieder auf. Die Täterkreise sind offenbar alte Bekannte.

Stuttgart - Der Anruf wirkt wie ein Schock: Es gab einen Unfall im Ausland, Familienangehörige sind die Schuldigen, und jetzt droht ihnen Haft, wenn sie keine Sicherheitsleistung von mehreren Zehntausend Euro hinterlegen. Neben der Betrugsmasche der falschen Polizisten lebt nun ein älterer Trick wieder auf: der Unfallschockanruf. Bei den Betrügern handelt es sich allerdings um andere Täterkreise.

Allein am Montag sind der Stuttgarter Polizei zwölf neue Schockanrufe bekannt geworden. „Zum Glück ist in keinem der Fälle jemand darauf hereingefallen“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Alarm gibt es auch im Polizeipräsidium Ludwigsburg, wo es einen deutlichen Anstieg von solchen betrügerischen Anrufen gibt. „Am Montag versuchten es die Täter in Ludwigsburg, am Dienstag bevorzugt in Kornwestheim“, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Peter Widenhorn.

Stets geht es um mehrere Zehntausend Euro

Erst letzte Woche hat eine 78-Jährige 40 000 Euro an einen Betrüger übergeben, nachdem ihr vorgegaukelt worden war, dass ihrer Tochter wegen eines fehlenden Versicherungsschutzes Gefängnis drohe. Vor zwei Wochen hätte eine 84-Jährige in Bad Cannstatt um ein Haar mehrere Zehntausend Euro verloren, wenn nicht eine Bankmitarbeiterin aufmerksam reagiert hätte. „Dabei war die Familie der 84-Jährigen zufälligerweise tatsächlich auf einer Urlaubsreise“, so Ackermann.

Die Polizei hat bereits eine Fährte zu den Täterkreisen aufgenommen. Dabei handelt es sich nicht um jene falschen Polizisten, die aus Callcentern in der Türkei anrufen. „Das geht eher in Richtung Osteuropa“, sagt Monika Ackermann. Auch bayerische Ermittler haben die Anrufe vor allem in Polen geortet – offenbar handelt es sich um jene kriminellen Familienclans, die seit fast 20 Jahren mit dem Enkeltrick erfolgreich sind. Die ersten Unfallschockanrufe gab es in Stuttgart 2008. Damals waren aber ausschließlich russisch sprechende Opfer im Visier. Die Polizei nahm in den FolgejahrenTatverdächtige aus Polen und Litauenfest.

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