Die Polizei warnt vor einer großen Welle von betrügerischen Anrufen. Foto: dpa (Symbolfoto)

Wieder sind zwei Stuttgarterinnen und eine Frau in Weinstadt Opfer falscher Polizisten geworden. Sie haben viel Schmuck und Geld verloren. Die Täter haben ihre Methode leicht verändert. Das erschwert der Polizei die Arbeit.

Stuttgart - Die Polizei hatte Anfang der Woche noch gehofft, dass die aktuelle Welle der Betrugsmasche mit falschen Polizisten ohne Opfer bleiben würde. Doch nun ist es den Tätern gelungen, zwei Frauen hereinzulegen. Die Betrüger erbeuteten am Montagabend und am Dienstagvormittag Schmuck und Bargeld im Wert von mehreren Zehntausend Euro von einer 81 Jahre alten Frau in Botnang und einer 85-Jährigen im Stuttgarter Westen. Seit Anfang der Woche haben Betroffene bei der Polizei schon mehr als 150 Anrufe gemeldet. „Das ist eine besonders heftige Welle“, sagt dazu der Pressesprecher Stephan Widmann von der Stuttgarter Polizei.

Bei der Betrugsmasche rufen Betrüger vorwiegend ältere Menschen an und geben sich als Polizeibeamte aus. Sie behaupten, Einbrecher seien in der Gegend und hätten geplant, in das Haus des oder der Angerufenen einzusteigen. Daher seien Wertsachen zuhause nicht sicher. Die Täter überreden die Opfer, Geld und Schmuck an Boten zu übergeben, die sie angeblich in Sicherheit bringen.

Die Täter haben ihre Methode geändert

Eine 81 Jahre alte Frau in Botnang wurde am Montag gegen 22.40 Uhr von solchen Tätern angerufen, die es durch ihre geschickte Gesprächsführung schafften, dem Opfer Angst zu machen, die Bedrohung sei echt. Sie behaupteten, der Einbruch in ihre Wohnung stehe unmittelbar bevor. Sie machten dabei so viel Druck, dass die Frau schließlich Schmuck und Geld vor dem Haus deponierte. Dort holten es die Täter dann ab – ohne beobachtet zu werden. „Das ist neu, und das bringt natürlich ein Problem mit sich: Wir haben nun nicht mal mehr eine Personenbeschreibung der Täter“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Bei früheren Fällen kam meist ein Abholer vorbei. Mit der gleichen Methode überredeten Anrufer eine 85-Jährige im Westen, Wertsachen in eine Tüte zu packen und diese an die Türklinke zu hängen, wo sie später abgeholt wurde. Wieder konnte der Abholer unbeobachtet entkommen. Dennoch hofft die Polizei in beiden Fällen auf Zeugen, die etwas beobachtet haben. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Stuttgart unter der Telefonnummer 0711/89905778 entgegen.

Ob es sich aufgrund der ähnlichen Vorgehensweise um ein und dieselbe Tätergruppe handelt, könne man noch nicht sagen, so der Polizeisprecher. Auch wisse man nicht, ob immer die gleiche Gruppe hinter den mehr als 150 Anrufen in Stuttgart stecke. Noch ist kein Ende der Welle in Sicht: „Wir bekommen immer noch weitere Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern, die die Masche durchschaut haben und sich bei uns melden“, sagt Stephan Widmann.

Auch in der Region werden neue Fälle gemeldet

Auch in den umliegenden Landkreisen verzeichnet die Polizei aktuell etliche Anrufe. Im Rems-Murr-Kreis meldet die Polizei ebenfalls einen Fall, bei dem die Täter hohe Beute machten. Sie nahmen einer Frau in Weinstadt Wertsachen und Geld im Wert von rund 30 000 Euro ab. Die Täter hatten die Frau davon überzeugt, dass sie auch ihrer Bank nicht mehr trauen könne. Sie holte von dort Geld und deponierte Wertsachen. Als die Täter hofften, noch mehr Beute ergaunern zu können, konnte die Frau geschützt werden: Die Anrufer hatten von ihrem Opfer erfahren, dass sie bei zwei Banken Kundin ist. Nun wollten sie auch das zweite Konto plündern. Eine Mitarbeiterin der Bank reagierte aber richtig und wies die Seniorin auf die Betrugsmasche hin, die Polizei wurde eingeschaltet.

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