Besonderes Koordinationstraining für Schüler Schnelle Beine und schnelle Köpfchen

Von Isabelle Butschek 

Ein Fangspiel gehört genauso zum Balori-Koordinationstraining wie das gute alte Seilspringen. Foto: Gottfried Stoppel
Ein Fangspiel gehört genauso zum Balori-Koordinationstraining wie das gute alte Seilspringen. Foto: Gottfried Stoppel

Zwei Tennisbälle hochwerfen und über Kreuz fangen ist ein Kinderspiel? Mit acht vermeintlich einfachen Übungen werden beim Balori-Koordinationstraining Konzentration und Gleichgewicht geschult. Wir haben in einer Schorndorfer Grundschule dabei zugeschaut.

Schorndorf - Eine Koordinationsleiter, Tennisbälle, Seile und ein paar bunte Hütchen – mehr Material braucht es nicht für den besonderen Sportunterricht, der an diesem Vormittag in der Bronnbachhalle in Schorndorf-Weiler stattfindet. Und trotzdem sind die acht Übungen, die die Zweitklässler der Reinhold-Maier-Schule absolvieren, ganz schön komplex. Wie sich wohl Erwachsene bei einem „Balori-Koordinationstraining“ anstellen würden?

Balance und Orientierung werden geschult

Felix und Damian werfen zwei Tennisbälle hoch und versuchen, diese über Kreuz wieder aufzufangen. Nikolai und Ömer balancieren auf ihrer ausgestreckten Handfläche einen speziellen Holzstab. Langsam bewegen sie den angewinkelten Arm vor ihrem Körper nach außen und wieder nach innen, dabei muss der rechte Fuß vor dem linken stehen. Das Ziel: der Stab soll nicht umfallen. Auf der anderen Seite der Halle zeigen derweil zwei Mädchen, wie sie mit überkreuzten Armen Seilspringen können. „So, jetzt zur nächsten Übung wechseln“, ruft Eleni Wilhelm nach zwei Minuten.

Die 32-Jährige ist Mitarbeiterin der deutschen Kindersportakademie (DKSA) und insgesamt acht Mal zu Gast bei den Grundschülern, um mit ihnen das Balori-Koordinationstraining durchzuführen. Balance und Orientierung, diese zwei Wörter stecken hinter Balori. Ziel des Trainingssystems ist, Koordination und Gleichgewicht zu verbessern, aber auch zum Beispiel die Konzentrationsfähigkeit zu schulen. Ursprünglich wurde es für Erwachsene und als Bestandteil von Reha- oder Physiotherapiemaßnahmen entwickelt.

Kinder bewegen sich immer weniger

Seit einigen Jahren hat die DKSA den Kurs für Kinder im Angebot – und das aus gutem Grund: „Die Digitalisierung ist auch bei den Kindern angekommen. Sie bewegen sich weniger“, erläutert Eleni Wilhelm. Zudem habe sich die Art des Bewegens verändert: Früher seien Kinder einfach mit dem Fahrrad oder dem Ball draußen gewesen, heute würde Bewegung meist im Sportverein und damit teilweise nur sehr einseitig stattfinden.

Deswegen mag man sich zwar wundern, dass so etwas Grundlegendes wie Seilspringen Teil eines speziellen Trainingsprogramms ist, aber „ich war schon in Klassen, in denen nur ein oder zwei Kinder überhaupt Seilspringen konnten“, berichtet Eleni Wilhelm. Die acht Übungen des Programms werden Stunde für Stunde in Schwierigkeit oder Geschwindigkeit gesteigert, „zudem soll die Ausführung sauber sein“, sagt Eleni Wilhelm.

Dazu braucht es jede Menge Konzentration. Der Spaß kommt aber trotzdem nicht zu kurz, was schon daran zu sehen ist, dass die Kinder mit Eifer dabei sind. „Sie sind total stolz, wenn sie eine schwierige Übung hinbekommen. Und auch eigentlich sehr sportliche Kinder finden immer etwas, was sie noch nicht kennen oder können.“ Und auf der anderen Seite seien es manchmal die vermeintlich unsportlichen, die komplizierte Bewegungsabfolgen besonders gut umsetzen könnten.

Kosten für den Präventionskurs werden übernommen

Begeistert ist auch die Sportlehrerin Christine Koproch: „Für mich ist es so etwas wie eine Fortbildung direkt im Haus“, sagt sie. Die Reinhold-Maier-Schule probiert das Balori-Koordinationstraining zum ersten Mal aus, mit den zweiten und vierten Klassen. „Und wir möchten das im nächsten Schuljahr wieder machen. Mit wenig Material erreicht man unheimlich viel Wirkung“, sagt Christine Koproch.

Zumal von diesem Angebot alle Kinder profitieren können, auch jene, die an anderen Sportangeboten aus finanziellen Gründen nicht teilnehmen können. Weil Balori offiziell als Präventionskurs zertifiziert ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die acht Einheiten.

Die Kinder sind derweil beim Abschlussspiel angelangt: Aufgeteilt in zwei Mannschaften müssen sie Tennisbälle auf die andere Seite bringen. Je nachdem, ob Zahlen oder Buchstaben genannt werden, müssen unterschiedlich farbige Hütchen berührt werden. Da sind nicht nur schnelle Beine, sondern auch schnelle Köpfchen gefragt. Eleni Wilhelm entscheidet auf Unentschieden. Gewonnen hat bei dieser Sportstunde eh jedes Kind.

Lesen Sie jetzt