Oberhalb von Rudersberg liegt Burg Waldenstein – sie steht derzeit zum Verkauf. Foto: Gottfried Stoppel

Die Burg Waldenstein bei Rudersberg steht zum Verkauf. Der Besitzer spricht mit uns über den Grund des Verkaufs, darüber, wie es sich in einer Burg lebt – und, welche Aufgaben den neuen Burgherrn erwarten.

Rudersberg - Der Blick von Reinhard Göppel schweift über die Burgmauer hinweg ins Wieslauftal. Dort unten steigt Rauch auf – vermutlich ein Reisigfeuer. Die Zeiten, in denen eine Rauchsäule am Horizont einen Raubritterüberfall oder anderes Unheil ankündigte, sind vorbei. Statt finsterem Mittelalter herrscht auf Burg Waldenstein Idylle. Es ist Montag, Ruhetag.

Momente wie diesen wird Göppel vermissen, wenn die Burg Waldenstein nicht mehr ihm gehört. „Aber ich habe keinen Nachfolger – und ich habe mir immer gesagt, wenn das mit 50 noch so ist, solltest du nochmal was anderes machen“, sagt der 47-Jährige. Für 2,2 Millionen Euro steht die Burg zum Verkauf, inklusive aller Gebäude des 6000 Quadratmeter großen Burggeländes – darunter ein historisches Wohnhaus, der Biergarten, eine Scheune, ein Gästehaus und nicht zuletzt die gewaltige Burgmauer und das Hauptgebäude mit Restaurant, Rittersaal, Gästezimmern und einer 100 Quadratmeter großen Wohnung.

Tagungshotel, Therapiezentrum, weiter wie bisher – der Käufer hat viele Möglichkeiten

Unterhalb der Burgmauer blöken Schafe. Die Tiere sind willkommene Helfer bei der Landschaftspflege, denn gut 40 000 Quadratmeter Wald und Wiese gehören zur Burg dazu. Leibeigene oder Bauern, bei denen man einen Zehnt eintreiben könnte, gibt es hier keine. Außer Reinhard Göppel arbeiten hier sein Bruder, drei Festangestellte und einige Aushilfskräfte. Unter der Woche kommen vor allem Geschäftsreisende, an den Wochenenden von Frühjahr bis Spätsommer finden viele Hochzeiten hier statt. Zudem stemmt das Team Aktionen wie Krimi- oder Candlelight-Dinner.

Zu tun haben alle genug. Zumal es auf dem Burggelände noch Ecken gibt, deren Potenzial im Moment brach liegt. Etwa den großen Gewölbekeller, der als Partylocation sicher besser zur Geltung käme denn als Abstellraum. Einen Bauplatz für einen Neu- oder Anbau gibt es auch; und zwei der Nebengebäude fristen derzeit ein Dasein als Rumpelkammer.

Der künftige Besitzer sollte allerdings beachten, dass die Burg unter Denkmalschutz steht. „Wichtig ist daher, dass die Außenansicht nicht beeinträchtigt wird“, erklärt Thomas Herb. Er ist nicht nur Reinhard Göppels Cousin und kennt die Burg wie seine Westentasche, sondern begleitet auch den Verkauf als Rechtsanwalt. „Der neue Besitzer sollte Liebe zur Immobilie mitbringen“, findet er. Und Tilo Barth von der Stuttgarter Maklerfirma Königskinder Immobilien meint: „Der Käufer muss schon ein Stück weit ein Visionär sein, der es schafft, den Charme der alten Mauern zu erhalten, und gleichzeitig hier etwas Neues zu etablieren.“ Vorstellen könne er sich auf der Burg vieles: Ein Tagungshotel, ein Therapiezentrum, Veranstaltungen auf der Freilichtbühne bis hin zu Kammerkonzerten in der Burg.

Angeblich gibt es auf Burg Waldenstein sogar ein Gespenst

Die Hellebarden und Morgensterne, die im Rittersaal des Burgrestaurants an der Wand hängen, haben schon lange keine Rüstung mehr durchbohrt. Aufgespießt wird hier nur noch der Rostbraten – die schwäbisch-gutbürgerliche Küche auf der Burg genießt in der Region einen guten Ruf. Wenn der neue Besitzer Lust darauf hätte, könnte das Personal weitermachen, betont Reinhard Göppel.

Das gilt auch für das Burggespenst, das – so die Überlieferung – in den Mauern sein Unwesen treibt. Irgendwann soll eine junge Frau die Burg Waldenstein aufgesucht haben, um dort Heilung von der Pest zu finden. Der damalige Burgherr ließ sie nicht ein, sondern draußen am Brunnen verenden. Seitdem soll ihr Geist durch die Burg spuken. „Wobei ich ihn in all den Jahren nie gesehen habe“, sagt Göppel mit einem Augenzwinkern.

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