Von März an sollen die Sicherheitsleute nur noch von 16 Uhr bis 2 Uhr morgens im Flüchtlingszelt auf dem Bernhausener Festplatz vor Ort sein. Foto: dpa

In etwa drei Monaten ziehen die Flüchtlinge aus dem Zelt auf dem Bernhäuser Festplatz in Filderstadt in Systembauten. Der Landkreis reduziert jetzt schon die Arbeitszeiten des Sicherheitspersonals. Der Arbeitskreis Asyl hält bis dahin dagegen die Dauerpräsenz der Ordnungskräfte für unumgänglich.

Bernhausen - Zwischen dem Arbeitskreis Asyl in Filderstadt und dem Landkreis hängt der Haussegen schief. Stein des Anstoßes sind Änderungen bei der Bewachung des Flüchtlingszelts auf dem Festplatz in Bernhausen. Das Wachpersonal ist bisher rund um die Uhr dort gewesen, jetzt ist es bis Ende Februar montags bis freitags von 16 bis 4 Uhr und nur an den Wochenenden 24 Stunden im Einsatz. Die nächsten Änderungen drohen vom 1. März an: Quasi zum Pferdemarkt auf dem Festplatz ist dann die ganze Woche – inklusive der Wochenenden – nur noch von 16 bis 2 Uhr Wachpersonal im Zelt.

Sicherheitsleute helfen mit Rat und Tat

Am 10. Januar hatte Jens Fischer vom Arbeitskreis Asyl, der sich als Elternsprecher auch um die Sicherheit der Schüler der benachbarten Schulen sorgt, Vera Morlock-Gommel, die Sachgebietsleiterin Unterkünfte im Amt für Flüchtlinge des Landratsamts, um eine Begründung gebeten. Er hatte geltend gemacht, dass die geringere Belegung durch 40 statt wie früher etwa 80 Asylbewerber, kein Anlass für die Reduzierung des Wachpersonals sei. „Die Mannschaft des Sicherheitsdienstes steht mit Rat, vor allem aber mit Tat zur Verfügung, auch wenn kein Ehrenamtlicher oder Sozialarbeiter vor Ort ist“, schrieb er.

Es habe im Zelt schon lebensbedrohliche Krankheitsfälle gegeben, bei denen der Dienst Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst gerufen habe. In einigen Fällen hätten Mitarbeiter Patienten zum Arzt oder ins Krankenhaus gefahren. Außerdem hätten gut Deutsch sprechende Flüchtlinge das Zelt schon verlassen, und es seien Problemfälle unter Flüchtlingen neu dazugekommen. Dabei verwies er auf einen Vorfall, bei dem Schüler auf dem Festplatz von einem Flüchtling angeschrien worden seien. Die Kinder seien ins Zelt geflüchtet und hätten dort Hilfe vom Sicherheitsdienst erhalten.

Der Kreis schaut auch auf die Kosten

In ihrer Antwort verwies Vera Morlock-Gommel auf die Position des Landkreises. Auf diese habe man sich „nach reiflicher Überlegung“ festgelegt. Gründe seien die sinkende Zahl an Bewohnern und die Kosten. Außerdem werde das Zelt bald zu Gunsten von Systembauten aufgegeben. Ein weiteres ausführliches Schreiben von Jens Fischer ist bisher unbeantwortet. Unserer Zeitung gegenüber bekräftigt Peter Keck, der Sprecher des Landkreises, Vera Morlock-Gommels Position: „In drei Monaten wird die neue Unterkunft bezogen. Die Zahl der Bewohner sinkt, und wir müssen auf die Kosten schauen.“ Auch der Erste Bürgermeister Andreas Koch wurde von Jens Fischer informiert. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt sagte dieser: „Man hat uns gesagt, dass es in letzter Zeit im Zelt ruhig zugegangen ist. Dennoch werden wir uns am Runden Tisch zum Thema Sicherheit mit der Polizei unterhalten.“ Mehr könne die Stadt nicht tun, denn der Kreis sei für die Unterkunft zuständig.“

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