Die Übrraschung für ihre Großeltern ist Lisa Haack (links) mehr als geglückt. Foto: Theresa Ritzer

Ein Facebook-Aufruf und seine Folgen: Eine Enkelin wünscht sich für ihre Großeltern zur diamanten Hochzeit Grüße aus aller Welt. Mit einer solchen Resonanz hatte sie aber nicht gerechnet.

Bernhausen - Irgendetwas hat ihre Enkeltochter sich ausgedacht, das hat Resi Bierweiler geahnt. Weil die Enkelin vor der diamantenen Hochzeit der Großeltern so geheimnisvoll tat – und am Hochzeitstag mit drei Männern in die Wohnung kam, von denen jeder große Kartons trug. Ihre Enkelin stellte einen dieser Kartons auf den Tisch und machte ihn auf. Darin lagen Postkarten, Hunderte von Postkarten. Aus den USA und aus Russland, aus Australien und Thailand, aus China und von überall aus Deutschland. Und jede dieser Postkarten war für Resi und Martin Bierweiler.

„Meine Großeltern können nicht mehr großartig verreisen“, sagt die Enkelin Lisa Haack. Deshalb habe sie sich überlegt, wie sie eben nicht ihre Großeltern in die Welt, sondern die Welt zu ihren Großeltern bringen könne. So kam sie auf die Idee mit den Postkarten. Anfang Juli startete sie einen Aufruf auf Facebook: Jeder, der möchte, darf ihren Großeltern zum diamantenen Hochzeitstag eine Postkarte schicken. Für diese Karten hat Haack ein eigenes Postfach eingerichtet. Nach fünf Tagen sei der Aufruf mehr als 10 000 Mal geteilt worden, sagt Haack.

Manche gratulierten auch mit einem Glas Honig

Trotzdem sei da noch nicht abzusehen gewesen, wie sich ihre Idee entwickeln würde. Nach etwa einer Woche habe sie das Postfach zum ersten Mal geleert, sagt Haack: „Da waren es neun Karten.“ Doch je näher der Hochzeitstag ihrer Großeltern rückte, desto mehr Karten kamen. „Später waren es 100 Karten jeden Tag“, sagt Haack. Mittlerweile sind es mehr als 1600 und noch immer landen täglich Karten im dafür eingerichteten Postfach.

„Mit so etwas habe ich nie gerechnet“, sagt Resi Bierweiler mit glänzenden Augen, „Wir wurden sehr reich beschenkt.“ Zumal die Grüße nicht nur aus aller Welt kommen. Geschickt haben die Postkarten irgendwelche Leute, die den Aufruf der Enkelin auf Facebook gesehen haben. „Sie kennen uns nicht und haben uns trotzdem zur diamantenen Hochzeit gratuliert“, sagt Bierweiler. Nicht nur Postkarten kamen an, auch längere Briefe und sogar Päckchen. „Wir haben Bücher bekommen und Honig“, sagt Bierweiler und man hört ihrer Stimme an, dass sie das alles immer noch nicht glauben kann.

Für Resi Bierweiler ist es nicht das erste Mal, dass sie viele Postkarten bekommt. Beim letzten Mal jedoch stammten diese Postkarten alle von ihrem heutigen Ehemann. „Als meine Großeltern sich gerade kennengelernt hatten, wurde meine Großmutter schwer krank“, sagt Haack, „Mein Großvater hat ihr damals jeden Tag eine Postkarte ins Krankenhaus geschickt.“ Die Postkarten von damals haben ihre Großeltern alle aufgehoben. „Es gibt ein Album, in dem alle diese Karten gesammelt sind“, sagt Haack.

Die Eheleute wollen nun allen Schreibern antworten

Auch die Karten, die Resi und Martin Bierweiler jetzt bekommen haben, möchten sie auf jeden Fall aufbewahren. Auch, weil sich die Schreiber mit den Karten viel Mühe gegeben hätten: Manche haben die Karte mit Fotos von sich am Urlaubsort gestaltet oder eine Karte mit einem schönen Spruch ausgesucht, wieder andere wünschen dem Ehepaar, dass es auch noch seine eiserne Hochzeit feiern darf. „Viele Karten kommen von frischvermählten Paaren, die gerade auf Hochzeitsreise sind“, sagt Resi Bierweiler, „Sie schreiben, wir seien für sie ein Vorbild.“

Ganz egal, wie viele Postkarten und Briefe sie noch erreichen, eins möchte das Ehepaar Bierweiler auf jeden Fall tun: sich bei denen bedanken, die ihnen geschrieben haben. „Über Facebook haben wir uns schon bedankt“, sagt Haack. Ihrer Großmutter reicht das aber nicht. „All denen, von denen wir die Adresse haben, möchten wir eine Karte zurückschreiben“, sagt sie, „und uns persönlich bei ihnen bedanken.“ Auch, wenn dieses Vorhaben eine ganze Weile dauern wird, wie Resi Bierweiler lachend vermutet: „Vielleicht haben wir es in einem Jahr geschafft.“ An ihrem nächsten Hochzeitstag.

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