Das Benefizkonzert das Arbeitskreises Asyl findet in der Leonhardskirche statt. Foto: Lg/Max Kovalenko

Der Arbeitskreis Asyl feiert am Samstag sein 30-jähriges Jubiläum mit einem Benefizkonzert in der Leonhardskirche. Vor allem in letzter Zeit waren die Flüchtlingshelfer gefordert – und sehen das Mammutprojekt Integration noch lange nicht bewältigt.

Stuttgart - Wegen ihm, so sagt der evangelische Asylpfarrer Joachim Schlecht, seien manche aus der Kirche ausgetreten. „Es waren nicht viele, aber einige Stuttgarter scheinen nicht einverstanden mit dem zu sein, was wir machen“, erzählt er. Ans Aufhören denkt er deswegen nicht. Denn am Samstag feiert der Arbeitskreis Asyl Stuttgart sein 30-jähriges Bestehen mit einem Benefizkonzert in der Leonhardskirche. Und Schlecht ist stolz darauf, was seine Mitstreiter und er geleistet haben, wie er bei einem Pressegespräch am Dienstag sagte.

Wenige Hauptamtliche und viele Ehrenamtliche sahen sich vor allem vergangenes Jahr wegen des Flüchtlingszustroms gefordert. „Ohne die Helfer aus den örtlichen Freundeskreisen, die mittlerweile häufig autonom organisiert sind, hätten wir den Andrang nie bewältig“, sagt Asylpfarrer Schlecht. Der Arbeitskreis Asyl ist die älteste Hilfseinrichtung ihrer Art in Stuttgart, 2000 bis 3000 Menschen werden hier im Jahr etwa betreut – in rechtlichen Fragen wie in Alltagsangelegenheiten.

Doch trotz der Bemühungen und obwohl, oder vielleicht sogar gerade weil der Flüchtlingsstrom in diesem Jahr nachgelassen hat und damit in den Medien an Präsenz verliert, bangen die Flüchtlingshelfer etwas um Unterstützung. „Was die Ehrenamtlichen geleistet haben, ist so was wie erste Hilfe“, sagt Diakoniedekan Klaus Kepplinger. Einerseits sieht er für die kommenden Jahre die Herausforderung, die Motivation der Helfer aufrechtzuerhalten, anderseits fordert er auch, dass sich Politik und Behörden stärker in die Pflicht genommen fühlen. „Unsere Lobbyarbeit in diesem Bereich muss verbessert werden“, so Kepplinger weiter.

Motivationshilfe der Ehrenamtlichen können Konzerte wie das am Samstag in der Leonhardskirche leisten. Dieses wird von vielen Stuttgarter Künstlern unterstützt, die aktuell ihre Werke dort ausstellen und die auch Stücke für den kleinen Geldbeutel im Angebot haben. Der gesamte Erlös kommt dem Arbeitskreis Asyl Stuttgart zugute.

Hilfe zur Selbsthilfe

Davon sollen vor allem Projekte finanziert werden, die öffentliche Einrichtungen so nicht leisten. „Wir haben beispielsweise einem Tschetschenen 750 Euro zur Verfügung gestellt, damit er einen Führerschein machen kann. Heute fährt er für einen Paketdienst und kann seine Familie nun selbst ernähren“, sagt Asylpfarrer Schlecht. Mehr Hilfe zur Selbsthilfe hält auch Dekan Kepplinger für die beste Art der Unterstützung. „Und nur so bleiben Helfer auch motiviert, wenn sie sehen, dass das Engagement auch etwas bewegt“, fügt er hinzu.

Der Kern des Arbeitskreises Asyl Stuttgart besteht aus sieben ehrenamtlichen aus Helferkreisen und sieben ehrenamtlichen Geflüchteten. Darum versammeln sich viele weitere Helfer aus beiden Gruppen. 2015 hat der Verein mehr als 18 000 Euro an Einzelhilfen an Flüchtlinge weitergegeben, um ihnen somit ein besseres Leben in Deutschland zu ermöglichen.

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