Kopf hoch: Tim Holler fliegt nach einer schwierigen Saison in Timmendorfer Strand zum deutschen Meistertitel. Foto: Harald Hofheinz Foto:  

Der 26-Jährige, früher in Fellbach, siegt mit Clemens Wickler, sieht aber einer ungewissen Zukunft entgegen. Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms erreichen Platz drei.

Timmendorfer Strand - Ein Blick in die noch vage Zukunft: Wer könnte denn fortan der beste Partner für Clemens Wickler sein? „Tim Holler“, sagte Jonas Reckermann mit anarchischem Schalk an dieser Stelle. Der 38-Jährige, Olympiasieger 2012, ist Moderator des übertragenden Bezahlsenders Sky, fast so etwas wie der Boris Becker der Beachvolleyballer; seine Stimme hat Gewicht. Jener Tim Holler allerdings ist jüngst vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) aussortiert worden, er darf nach nur wenigen Monaten nicht mehr am zentralen Stützpunkt in Hamburg trainieren. Nach allem, was man weiß, ist der 26-Jährige, vor seinem Umzug in den Norden noch beim SV Fellbach zu Hause, am Sonntag letztmals an der Seite von Clemens Wickler aufgetreten. Die beiden haben bei den deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand ihre gemeinsame Zeit aber krachend beendet – mit dem nationalen Titel. Tim Holler hat an der Ostsee wie Clemens Wickler, der sein Engagement in Hamburg verlängern darf, eine starke Vorstellung an die andere gereiht. Das Doppel, das nun keines mehr sein soll, blieb ohne jede Niederlage und bezwang am Sonntagnachmittag im Finale Sebastian Fuchs und Eric Stadie in drei Sätzen (14:21, 21:15, 17:15).

Die Verbandsmächtigen mögen seine Perspektiven

Wenn Tim Holler in die Hocke geht und sich zum Block nach oben stemmt, ist er, eh schon 2,03 Meter groß, dem Himmel ganz schön nah. Die Verbandsmächtigen mögen seine Perspektiven – und jene von Max Betzien oder Jonathan Erdmann – auf internationalem Niveau infrage stellen; der Himmel ist da bei den Männern derzeit ja ganz schön weit weg. Die nationale Konkurrenz hat der gewaltige Kerl auf der anderen Seite des Netzes am Wochenende aber schon beeindrucken können. Tim Holler hat mit Clemens Wickler, im Halbfinale, auch die Titelchancen von Philipp Arne Bergmann und Yannick Harms beendet. Den späteren Meistern gelang dabei am Sonntagmittag eine nahezu fehlerfreie Darbietung und ein ungefährdeter Erfolg (21:14, 21:16). „In der Verfassung sind sie zu stark für uns“, sagte Yannick Harms, der mit seinem Nebenmann Philipp Arne Bergmann im Anschluss noch die Energie aufbrachte, diesen Titelkämpfen Bronze abzuringen. Das Duo, das unter Hallendächern für das Zweitliga-Team des SV Fellbach schmettert, bezwang Lorenz Schümann und Julius Thole nach ausgiebigem Kräftemessen mit dem zehnten Matchball (21:19, 27:29, 19:17). „Wir wollten diese Medaille unbedingt“, sagte Philipp Arne Bergmann. Es war die erste für ihn und seinen Gefährten an der Seebrücke in Timmendorfer Strand.

Das Semifinale nur ganz knapp verpasst hat Lars Lückemeier vom SV Fellbach

Die zwei aus dem Stützpunkt in Bad Cannstatt hatten die deutschen Meisterschaften am Freitag mit Erfolgen gegen Niklas Rudolf und Santeri Sirén (21:18, 21:19) sowie gegen Max Betzien und Nils Ehlers (21:19, 21:18) begonnen. Am Samstagnachmittag unterlagen sie Sebastian Fuchs und Eric Stadie (18:21, 10:21), kamen früh am Sonntagmorgen mit dem Sieg über Markus Böckermann und Lukas Pfretzschner (21:19, 10:21, 15:9) ins Halbfinale. Ein paar Stunden später, nach Philipp Arne Bergmanns finalem Block im Spiel um den dritten Platz, lagen sie platt im Sand. Geschlaucht zwar, aber glücklich, der eine klopfte dem anderen auf den Rücken.

Das Semifinale nur ganz knapp verpasst hat Lars Lückemeier vom SV Fellbach. Der 22-Jährige hat als Vertreter des schulterverletzten Sven Winter mit Alexander Walkenhorst (früher SV Fellbach) ein starkes Interimsteam gebildet – in den vergangenen Wochen und an diesem Wochenende zum Abschluss der nationalen Tour. Die beiden blieben bei den deutschen Meisterschaften nach der Auftaktniederlage gegen Kay Matysik und Marcus Popp (16:21, 18:21) mit drei Siegen nacheinander im Geschehen. Am Sonntagmorgen allerdings vergaben sie gegen Lorenz Schümann und Julius Thole den Einzug ins Halbfinale (21:19, 16:21, 13:15) – sie hatten im dritten Durchgang bereits mit 10:6 geführt. Lars Lückemeier erholt sich jetzt erst einmal im Urlaub in Dänemark. Wie und mit wem es danach auf den Beachplätzen der Republik weitergehen wird, weiß er im Moment noch nicht. Da geht es ihm nicht anders als dem neuen deutschen Meister Tim Holler.

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