Gute Perspektive: Karla Borger (rechts) und Margareta Kozuch Foto: Getty

Monatelang tobte ein Streit um den Status des Beachvolleyball-Duos Karla Borger/Margareta Kozuch. Nun gibt es eine Einigung.

Hamburg - Die Saison im Beachvolleyball ist schon ein paar Wochen vorbei, den wichtigsten Sieg des Jahres aber haben Karla Borger (28/Stuttgart) und Margareta Kozuch (31/Mailand) erst jetzt eingefahren: Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) beendet den Streit mit dem Duo, verleiht den WM-Teilnehmerinnen offiziell den Status eines Nationalteams – und eröffnet Borger/Kozuch damit für die Saison 2018 eine ganz neue Perspektive.

Vor einem Jahr haben Borger (eine der weltbesten Abwehrspielerinnen) und Kozuch (mit 336 Hallen-Länderspielen Rekordhalterin) ein höchst interessantes Projekt gestartet – als neues Beach-Duo. Sie bereiteten sich auf Teneriffa intensiv vor, zeigten schnell, dass mit ihnen zu rechnen sein wird. Doch dann kam alles anders als erhofft: Der DVV beharrte darauf, dass Borger/Kozuch am neuen Stützpunkt in Hamburg trainieren. Die Athletinnen wollten lieber selbstständig bleiben, mit eigenem Coach, eigenem Umfeld, eigener Wahl der Trainingsorte – so wie die Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, denen der Verband eine Insellösung genehmigt hat. Bei den beiden Neulingen aber blieben die Verantwortlichen hart, verweigerten ihnen den Nationalteam-Status. Und schlimmer noch: Der DVV strich die beiden Athletinnen mehrfach von der Startliste hochkarätiger Turniere, nominierte stattdessen lieber Nachwuchsteams.

Karla Borger findet die Lösung „sensationell“

Borger und Kozuch haderten, kritisierten den Verband für seine miserable Kommunikation, verzweifelten fast an der Situation. Und zeigten doch, wann immer es ihnen möglich war, im Sand ihr Potenzial – an dem nun auch der DVV nicht mehr vorbeikam. „Das ist sensationell. Wir haben positive Gespräche geführt, werden nun bei der Nominierung für internationale Turniere gleichberechtigt behandelt“, sagt Borger, „jetzt muss nur noch etwas am Feintuning gearbeitet werden.“

Verabredet wurde der Kompromiss, der auch für das dritte deutsche Topteam Chantal Laboureur und Julia Sude aus Stuttgart gilt: Borger/Kozuch dürfen weiterhin ihre eigenen Wege gehen, werden aber wohl hin und wieder für ein paar Lehrgangstage in Hamburg weilen. Und die eine oder andere Einheit mit Bundestrainer Imornefe Bowes durchziehen, wenn man mal zeitgleich auf Teneriffa sein sollte. „Wir haben eine gemeinsame Lösung gefunden“, sagt DVV-Präsident Thomas Krohne, der die Streitereien und Prinzipienreitereien der Vergangenheit schnell abhaken will: „Wir blicken jetzt nur noch nach vorne.“ Dort warten schließlich genügend Herausforderungen auf den Verband.

Für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sind die Aussichten dank Ludwig/Walkenhorst, Laboureur/Sude und Borger/Kozuch gut, zumal es ohnehin höchstens zwei Startplätze für Deutschland geben wird. Danach aber droht bei den Frauen ein Leistungsloch. Der DVV könnte sich nun intensiv um den Nachwuchs kümmern – Ressourcen müssten nach dem beigelegten Streit mit Borger/Kozuch ja frei sein.

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