Britta Buethe (rechts) und Karla Borger freuen sich über ihren Sieg. Foto: AP

Die Stuttgarter Beachvolleyballerinnen Karla Borger und Britta Büthe sind mit ihrem Sieg über die Niederländerinnen bei Olympia angekommen. Gerade noch rechtzeitig.

Rio de Janeiro - Schon der erste spektakuläre Ballwechsel gab die Richtung vor: Karla Borger wehrte einen Angriff mit der Schulter ab, Britta Büthe stellte, ihre Teamkollegin machte den 4:4-Ausgleich – und beide spielten mit den Emotionen. Ihren eigenen und denen des Publikums. Am Ende gab es für die Stuttgarter Beachvolleyballerinnen ein klares 2:0 (21:19, 21:14) gegen die Niederländerinnen Sophie van Gestel und Jantine van der Vlist, strahlende Gesichter und die Erkenntnis: „Wir sind bei den Olympischen Spielen angekommen.“ Gerade noch rechtzeitig.

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Den Auftakt gegen die Schweizerinnen Zumkehr/Heidrich hatten die Stuttgarterinnen bekanntlich in den Sand gesetzt. Hinterher gab es deutliche Worte. Von Trainer Srjan Veckov, von den Medien – aber auch untereinander. „Unsere große Stärke ist, dass wir ganz gut über unsere Gefühle und Gedanken sprechen können“, erklärte Büthe, „wir wissen, was uns gut tut, und wie wir es schaffen, nach Niederlagen zurückzukommen.“ Wie? „Mit Caipirinha.“ Eine Antwort, die zeigte, dass Borger und Büthe nicht nur einen Sieg gelandet, sondern auch ihre Lockerheit zurückgewonnen haben.

Das Stuttgarter Team musste erst in die Rolle hinein finden

Die war im ersten Spiel verloren gegangen. Auch, weil keiner im Stuttgarter Team wusste, wie man denn eine Olympia-Premiere vorzubereiten hat, schließlich war noch niemand in dieser Rolle. „Hinterher hatte ich das Gefühl, gar nicht auf dem Feld gestanden zu haben“, meinte Karla Borger, „jetzt sind wir wieder geerdet.“ Und voll drin im Turnier.

Denn klar war: Um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben, musste ein Sieg her gegen die Niederländerinnen. Und nun braucht es noch einen. In der Nacht zum Freitag (3 Uhr/MEZS) geht es gegen die starken Kanadierinnen Sarah Pavan und Heather Bansley. Noch immer könnte es bei einer weiteren Niederlage eng werden. Befassen will sich Karla Borger damit nicht: „Wir schlagen sie – und fertig!“

Dabei gibt es durchaus noch Luft nach oben. Die Leistung gegen van Gestel/van der Vlist war gut, aber es geht noch besser. „Wir haben mit Hand und Köpfchen gespielt“, meinte Karla Borger, deren Namen vom Stadionsprecher stets mit dem Zusatz „The Beautiful“ versehen wurde, „aber wir können noch mehr Druck machen, vor allem im Aufschlag. Da ist noch was möglich.“ Das sah auch Büthe so, sie meinte aber auch: „Unsere Situation nach der Auftaktniederlage war nicht einfach. Ich bin stolz, wie wir damit umgegangen sind.“

Das Eis ist gebrochen

Erst einmal, in dem nichts anderes gemacht worden war als sonst. Ganz bewusst. „Ich bin kein Trainer, der nach einer Niederlage gleich alles ändert“, meinte Veckov und atmete tief durch, „Karla und Britta haben reagiert, wie es sich für Olympia-Starter gehört. Jetzt ist das Eis gebrochen – und es wird einfacher.“ Auch bei der Wahl der Rituale. Nach Niederlagen werfen Borger/Büthe stets alles über den Haufen – von der Wahl des Nagellacks über die Farbe des Haarbandes bis zur Frage, wer das Feld zuerst betritt. Solche Gedanken müssen sie sich nach ihrem ersten Sieg bei Olympischen Spielen nichtmehr machen. Sondern einfach nur rausgehen und Kanada schlagen. Dann stehen sie im Achtelfinale. Dann beginnt die heiße Phase des Turniers.

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