Freuen sich auf die neue Saison, in der viele Herausforderungen warten: Die Stuttgarter Beachvolleyballerinnen Britta Büthe (li.) und Karla Borger Foto: Getty

Neue Saison, neue Partner, altbewährtes Team: Die Stuttgarterinnen Karla Borger und Britta Büthe bereiten sich derzeit auf das wichtigste Jahr ihrer Karriere vor. Und dabei geht es Schlag auf Schlag.

Stuttgart - Wer professionell Beachvolleyball spielt, der weiß genau, was er braucht, um voranzukommen: Sonne, Sand – und starke Sparringspartner. In Stuttgart ist das nicht immer zu finden, deshalb gehen Karla Borger (26) und Britta Büthe (26) schon vor der Saison auf große Reise. Nachdem sie im Februar auf Fuerteventura ihr erstes Trainingslager absolviert haben, befinden sie sich nun im März für drei Wochen in Los Angeles.

Dort arbeiten sie gemeinsam mit Beachvolleyball-Legende Kerri Walsh (Olympiasiegerin 2004, 2008, 2012 sowie Weltmeisterin 2003, 2005, 2007) und deren aktueller Partnerin April Ross an ihrer Form. „Man kann einfach besser trainieren, wenn die Sonne scheint. Dann ist die Lust auf Bewegung noch größer“, sagt Karla Borger. Und Britta Büthe meint: „Kerri Walsh und April Ross sind der optimale Gradmesser, um zu sehen, wie weit wir in der Vorbereitung sind.“

Vor dem Abflug in die USA hatten die beiden Stuttgarterinnen ein gutes Gefühl – weil bis dahin alles bestens gelaufen war. Die Kraft- und Lauf-Einheiten, mit denen sie schon im Oktober begonnen hatten, aber auch das Balltraining ab Dezember in der Halle des Olympiastützpunkts. Und auch das Management der Vize-Weltmeisterinnen von 2013 hat gut gearbeitet. Sehr gut sogar.

Red Bulls einzige deutsche Beachvolleyballerinnen

Karla Borger und Britta Büthe haben zwei Sponsoren gefunden, die ihnen ganz neue Perspektiven eröffnen. Zum einen gehören sie nun, nachdem sie vier Tage im Trainingszentrum des Getränkeherstellers und Sportmarketing-Giganten im österreichischen Fuschl physisch und psychisch durchgecheckt worden sind, als einzige deutsche Beachvolleyballerinnen zur Sport-Familie von Red Bull. Und zweiter neuer Exklusivpartner ist Adidas. Der Sportartikelhersteller rüstet die Stuttgarterinnen ab sofort aus.

„Wenn wir jemandem vor ein paar Jahren gesagt hätten, dass wir einmal von solchen Unternehmen unterstützt werden“, sagt Britta Büthe, „dann wären wir ausgelacht worden. Jetzt sind wir richtig stolz.“ Und froh über die verbesserten Möglichkeiten.

Borger und Büthe können nicht nur jederzeit das Red-Bull-Trainingszentrum nutzen, es bieten sich ihnen dank des Getränkeherstellers auch ganz neue PR-Chancen. Zudem verfügen sie plötzlich über ein großes Netzwerk – weil die beiden Firmen die Athleten, die sie unterstützen, auch zusammenbringen wollen. Und natürlich machen sich die beiden Partnerschaften auch auf dem Konto bemerkbar. „Wir haben schon jetzt die Sicherheit, dass wir gut durch die Saison kommen werden“, erklärt Karla Borger, „und wir sind sogar in der Lage, gezielt in unser Umfeld zu investieren.“

"Keine Alternative zum Vollzeit-Trainer"

Das gilt in erster Linie für Srdjan Veckov. Borger/Büthe haben den Serben als Vollzeit-Trainer engagiert, nebenher betreut er noch die zweite und dritte Männer-Mannschaft des SV Fellbach (Regional- und Landesliga). Aus Sicht der beiden Beachvolleyballerinnen, die früher von Guillermo Naranjo Hernandez (jetzt Bundesliga-Coach der Stuttgarter Hallen-Volleyballerinnen) trainiert wurden, gibt es zu einem hauptamtlichen Coach keine Alternative. „Wer sich heute in der Weltspitze des Beachvolleyballs behaupten will“, sagt Britta Büthe, „der braucht einen eigenen Vollzeit-Trainer. Alles andere wäre ein zu großes Risiko.“

Schließlich stehen Blockspielerin Büthe und Abwehrspezialistin Borger, die als beste Aufschlägerin der World-Tour 2014 ausgezeichnet wurde, vor dem wichtigsten Jahr ihrer Karriere. 2013 haben sie überraschend bei der WM in Polen Silber gewonnen, seither ist es ihnen gelungen, ihr Niveau und ihre Konstanz noch weiter nach oben zu schrauben.

Das Ziel: eine Medaille aus Rio

Doch auch die Erwartungshaltung ist nun größer. Im Umfeld, bei den Sponsoren – aber vor allem bei den Athletinnen selbst. Ihr Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro eine Medaille zu holen. Das ist zwar noch weit weg, der Weg nach Brasilien beginnt allerdings schon jetzt.

In dieser Saison, die für Borger/Büthe vom 12. bis zum 17. Mai in Luzern beginnt, stehen neben den Turnieren der World-Tour auch die WM (im Juli in den Niederlanden), die EM (im August in Klagenfurt) und die DM (im September in Timmendorfer Strand) an. Die besten zwölf Ergebnisse jedes Teams bis zum Juni 2016 zählen zur Olympia-Qualifikation. Der Modus ist klar: Die 16 besten Duos der Welt sind in Rio dabei, höchstens zwei können aus Deutschland kommen – aber es gibt drei Anwärter.

Karla Borger und Britta Büthe beendeten das Jahr 2014 als Weltranglisten-Siebte, sie waren die besten Deutschen. Außerdem gehören Katrin Holtwick und Ilka Semmler sowie Laura Ludwig und Kira Walkenhorst zum Nationalkader. „Die Konkurrenz in Deutschland ist groß, jedes dieser drei Paare hat es selbst in der Hand, das Rio-Ticket zu lösen“, sagen die Stuttgarterinnen, die für dieses Jahr einen klaren Fahrplan haben: „Wir wollen zumindest ein Turnier gewinnen, aber eigentlich kann nicht ein einzelnes Turnier unser Ziel sein, sondern die ganze Saison.“ In der es ab dem ersten Ballwechsel um Olympia geht. Schlag für Schlag.

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