Karla Borger (links) und Britta Büthe klatschen ab nach einem Punktgewinn im Stuttgart Beach Open Foto: Pressefoto Baumann

Karla Borger und Britta Büthe haben sich mächtig gefreut auf ihr erstes Turnier vor heimischem Publikum. Doch dann war zum Auftakt kein Publikum da. Gewonnen haben die Beachvolleyballerinnen ihre ersten zwei Spiele dennoch. Nun hoffen sie auf besseres Wetter.

Stuttgart - Thomas Grimminger hat fest vor, sich die gute Laune nicht verderben zu lassen. Der Leiter des Olympiastützpunkts trägt einen Sonnenhut, der ihn vor dem Regen schützt, und sagt, er werde jeden Zuschauer der 1. Stuttgart Beach Open per Handschlag begrüßen. Es ist Freitag, 9.30 Uhr – und Grimminger hat nicht viel zu tun. Oder besser: gar nichts. Trotz freien Eintritts ist die Tribüne leer. Gähnend leer.

Dabei haben soeben zwei echte Größen der Beachvolleyball-Szene ihr erstes Spiel absolviert. Karla Borger und Britta Büthe, amtierende Vizeweltmeisterinnen und deutsche Meisterinnen, wollen nach dem rasanten 3:0 (15:8, 15:11, 15:9) im Eröffnungsspiel des Turniers gegen die Lettinnen Tina Graudina und Marta Ozolina nur eines: schnell ins Trockene. „So ein Mistwetter, das ist total schade für die Organisatoren“, sagt Britta Büthe, während der Sprecher verkündet, dass es am Verpflegungsstand nun auch Glühwein zu kaufen gibt, „es ist richtig cool, was sie hier auf die Beine gestellt haben.“

Für Borger und Büthe war von Anfang an klar, dass sie beim ersten großen Beachturnier in ihrer Heimatstadt dabei sein werden, viele Freunde und Bekannte hatten ihr Kommen fest zugesagt. Bis Freitagmorgen. Da gingen zahlreiche SMS ein mit der Frage, ob die beiden auch im Regen spielen würden. Sie spielen. Die Freunde und Bekannten haben ihren Besuch trotzdem vertagt. „Dabei hat dieses Wetter doch einen großen Vorteil“, sagt Britta Büthe nach dem zweiten klaren 3:0-Sieg (15:6, 15:8, 15:10) gegen die Französinnen Laura Longuet/Melinda Adelin und lacht, „man braucht keine Sonnencreme.“

Für die beiden Stars des Turniers hat sich durch den Regen nichts verändert. Sie sind die Favoritinnen – und wollen zeigen, was sie draufhaben. „Es kommt nur auf uns an“, sagen die Weltranglisten-Neunten, „wenn wir gut spielen, dann werden wir das Turnier auch gewinnen.“

Und wenn nicht? Ist wenig verloren. Denn wichtig ist für Borger und Büthe, worauf ein Schild hinweist, an dem sie im Neckarpark vorbeikommen, wenn sie zum Centre-Court laufen: „Rio 2016“ steht darauf zu lesen – und dort wollen die Stuttgarterinnen hin.

In Brasilien finden in zwei Jahren die Olympischen Spiele statt, die Qualifikation beginnt aber schon mit dem ersten Turnier 2015. Entsprechend wichtig ist die Vorbereitung. Nach den Stuttgart Beach Open spielen Borger und Büthe noch ein Grand-Slam-Turnier in São Paulo (9. bis 13. Oktober), dann machen sie eine Woche Urlaub voneinander – ehe nach einem Volleyball-Camp in einem Club in der Türkei bereits wieder das Training für die nächste Saison beginnt. „Bisher haben wir uns von Jahr zu Jahr gesteigert“, sagt Borger, die mit ihrer Partnerin seit 2009 zusammenspielt, „deshalb werden wir die Vorbereitung auf einem höheren Level beginnen. Aber wir haben unsere Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft.“

Dabei müssen Borger und Büthe sicher ihr Maximum zeigen, wenn sie 2015 bei den Höhepunkten WM, EM und DM erfolgreich sein wollen – und auch, um im Duell mit den beiden anderen deutschen Topteams Katrin Holtwick/Ilka Semmler und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst eines der beiden Tickets nach Rio zu ergattern. „Wir werden alles dafür tun, um dieses Ziel zu erreichen“, sagt Karla Borger, „ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden. Doch letztlich sind die drei deutschen Teams von den Typen, der Erfahrung und der Spielweise derart unterschiedlich, dass jeder jeden schlagen kann.“

Für das Turnier in Stuttgart gilt dieser Satz nicht. Hier sind Borger und Büthe klar favorisiert. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.

Alle Ergebnisse und den genauen Zeitplan gibt es im Internet unter der Adresse www.stuttgart-beach-open.de

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