Der BR-Intendant Ulrich Wilhelm verteidigt die Entscheidung, auf Bayern 1 keine Volksmusik mehr zu spielen. Foto: dpa

Keine Volksmusik mehr auf Bayern 1 - mit dieser Ankündigung hat der Bayerische Rundfunk Fans von Zither, Quetsche und Blasinstrumenten in Rage gebracht. Intendant Wilhelm betonte, dass der BR die Volksmusik nicht abschaffe, sondern ausbaue.

München - Nach dem Wirbel um das Aus von Volks- und Blasmusik auf der Hörfunkwelle Bayern 1 hat der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, die neue Strategie verteidigt. Mit dem Digitalradio BR Heimat habe der Bayerische Rundfunk (BR) zusätzlich Platz für Volksmusik geschaffen. „Mich schmerzt es, wenn es in Zuschriften nun heißt, wir würden uns aus der Volksmusik zurückziehen“, sagte Wilhelm während der Sitzung des Rundfunkrates am Donnerstag in München. Der BR investiere im Gegenteil sogar mehr Geld in die Volksmusik. „Wir sind uns bewusst, dass Volks- und Blasmusik Teil unserer Identität ist. Wir sind nicht abgehoben.“

„Ab Pfingsten ziehen die Volksmusiksendungen, die bisher auf Bayern 1 laufen, dann komplett zu „BR Heimat““, hatte der Bayerische Rundfunk (BR) am Dienstag in München mitgeteilt. „Das Gleiche gilt für die BR-Blasmusik.“ Wer künftig im BR noch Volksmusik hören will, muss also künftig auf die Digitalwelle „BR Heimat“ ausweichen. Dies hatte zuvor der „Münchner Merkur“ berichtet. Mit dem Schritt will der Sender „die vorhandenen Formatbrüche (Volksmusik neben Pop- und Rockmusik) auf Bayern 1“ beseitigen. „BR Heimat“ ist nach Angaben des Senders mit rund 110 000 Hörern in Bayern die erfolgreichste Digitalwelle des Bayerischen Rundfunks. Erst kürzlich hatten die ARD sowie die Partnersender aus der Schweiz und Österreich beschlossen, die „Stadlshow“ im TV auf Silvesterausgaben zu beschränken. Federführend für die ARD ist in diesem Fall der BR.

Senioren haben Scheu vor dem Digitalradio

Wichtig sei nun, älteren Menschen die Scheu vor dem Digitalradio zu nehmen. „Dafür braucht man keine vertieften Internetkenntnisse.“ Die Geräte seien einfach zu bedienen, weil sich die Sender selbst einstellten. Bei Geräten mancher Hersteller sei gar eine Taste speziell für BR Heimat markiert. Zudem sei es vielfach möglich, über das Fernsehen Digitalradio zu hören.

Die Umstellung solle zum 15. Mai vonstattengehen, und zwar nicht heimlich, sondern begleitet von einer großen Veranstaltung, sagte Wilhelm. Dass der BR zur Volksmusik steht, zeige sich auch daran, dass beispielsweise künftig die Panoramabilder nicht mehr 40, sondern 75 Minuten lang von Volksmusik untermalt werden sollen.

Rundfunkratsmitglieder Inge Aures, SPD-Landtagsabgeordnete, und Thomas Goppel (CSU), Präsident des Bayerischen Musikrates, betonten, dass gerade das Tempo der Umstellung eine wichtige Rolle spiele. Die Menschen dürften nicht überrumpelt werden. Viele Volksmusik-Hörer hätten sich noch kein Digitalradio angeschafft.

Kritik von Heino und Hansi Hinterseer

Der Präsident des Landesvereins für Heimatpflege, Martin Wölzmüller, betonte, BR Heimat habe seine Probezeit „fulminant bestanden“. Der BR tue jetzt gut daran, diese Veränderung durchzuführen. „Wenn bei Bayern 1 die Hörerzahlen in den Keller rutschen, ist der Volksmusik auch nicht gedient.“

Der BR hatte angekündigt, Volksmusik künftig nur noch auf BR Heimat zu bringen, um Formatbrüche zwischen Volksmusik sowie Pop und Rock auf Bayern 1 zu beenden. Unter anderem kritisierten Heimatminister Markus Söder (CSU) und Volksmusik-Stars wie Hansi Hinterseer die Entscheidung. „Es ist wichtig, dass auch unsere Kinder dieses Kulturgut in einem normal empfangbaren Sender vermittelt bekommen“, sagte auch Heino der „Bild“.

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