Noch wird in Ludwigsburg zu wenig gebaut: Am Rand von Grünbühl-Sonnenberg entsteht preisgünstiger Wohnraum. Foto: factum/Weise

In den nächsten Jahren soll in Ludwigsburg deutlich mehr gebaut werden. Außerdem möchte die Verwaltung Eigentümern, die Grundstücke brach liegen lassen, die Daumenschrauben anlegen.

Ludwigsburg - Ludwigsburg hat in den beiden Jahren 2011 und 2012 insgesamt mehr als 1000 neue Wohnungen fertiggestellt. In den Folgejahren aber blieben die Anstrengungen hinter den Erwartungen – und noch mehr hinter dem Tempo des Zuzugs zurück. Am Mittwoch nun verkündete die Rathausspitze die Trendwende: 1000 Wohneinheiten seien in der Umsetzung, heißt es nun, mehr als ein Viertel davon preisgünstig. Doch bis Mieter und Häuslebauer davon profitieren, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern.

Die größten Hoffnungen verbindet der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried, der auch als Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH Ludwigsburg (WBL) tätig ist, mit den Baugebieten Schauinsland und Fuchshof. Im ersten sind 174 und im zweiten 500 Wohneinheiten geplant. Während die Bauarbeiten im Neckarweihinger Schauinsland schon Ende 2019 beginnen könnten, fehlen für die große Fläche in der Oststadt noch wichtig Beschlüsse. Hinzu kommen weitere kleinere Bauprojekte etwa im Gebiet Muldenäcker am Römerhügel oder an der Lauffenstraße in Poppenweiler.

Spekulation mit Baugrund

„97 Prozent der vom Gemeinderat beschlossenen Baulandpotenziale sind in der Umsetzung“, sagte Thomas Hugger, der Leiter des Fachbereichs Liegenschaften. Selbstverständlich könne man sich damit nicht zufrieden geben, ergänzte Oberbürgermeister Werner Spec: „Wir müssen weitere Baugebiete entwickeln.“

Doch dem sind Grenzen gesetzt – nicht nur durch die relativ kleine Markung Ludwigsburgs. Sehr viel stärker wird der Wohnungsbau durch Grundbesitzer ausgebremst, die partout nicht verkaufen wollen – so geschehen an der Reichertshalde und an der Wilhelm-Nagel-Straße in Hoheneck, wo die Stadt Reserven gesehen hatte. „Das mussten wir leider aufgeben, weil die Eigentümer nicht bereit sind zu verkaufen“, sagte Hugger.

Daneben gebe es viele bereits baureife Flächen in der Stadt, auf denen aber nichts passiere. Ludwigsburg könne da wenig bewegen, sagte Seigfried, aber möglicherweise führe der Wohnungsdruck zu einer Gesetzesänderung des Bundes. Stichwort: Grundsteuer C, die im Berliner Koalitionsvertrag ins Spiel gebracht wurde. Gesucht wird ein Mittel, mit dem Eigentümer dazu gedrängt werden könnten, Grundstücke zu bebauen oder zu verkaufen. „Etwa indem man ihnen eine Frist setzt“, sagte Seigfried.

Topthema Wohnen

Die jetzt ausgegebene Trendumkehr beim Wohnungsbau sei vor allem der neuen Förderpolitik des Landes zu verdanken, sagt der Erste Bürgermeister: „Bisher hatten wir in Ludwigsburg praktisch nur das Mittel Fair wohnen, um preisgünstigen Wohnraum zu schaffen.“ Den könne man nun leicht zurückfahren. Denn es gebe jetzt Zuschüsse für den Bau von Sozialwohnungen und die Möglichkeit, die Bindung von sozialem Wohnraum zu verlängern. Das mache den Bau preisgünstiger Wohnungen auch für Privatunternehmen attraktiv.

„Wir werden das Thema Wohnen innerhalb der Stadtverwaltung organisatorisch und personell stärken“, kündigte der Oberbürgermeister an. Man müsse mit allen Mitteln verhindern, dass noch mehr Menschen in das Umland abwanderten, weil sie in Ludwigsburg weder eine Mietwohnung noch Bauland fänden. Die beiden Topthemen der nächsten Jahre hießen Integration und Wohnen, ergänzte Seigfried.

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