Östlich der Esslinger Straße in Echterdingen sind bereits 1,1 Kilometer Schienen und Gleise fertig gebaut. Insgesamt ist die Neubaustrecke gut drei Kilometer lang. Foto: Pressefoto Horst Rudel

Bis Ende 2021 soll die Stadtbahnlinie U 6 vom Fasanenhof in Stuttgart bis zum Flughafen und zur Messe fahren. Damit alles rechtzeitig fertig wird, müssen die Bauarbeiter auch bei 35 Grad und mehr schaffen.

Filder - Ihr T-Shirt haben viele Bauarbeiter längst ausgezogen. Und diejenigen, die nicht sowieso einen Helm tragen müssen, haben sich ein Tuch um den Kopf geschlungen oder eine Mütze aufgesetzt, um sich vor der gleißenden Hitze zu schützen. Denn zwar gibt es Sonnencreme und Wasser bei den Bauarbeitern der Firma Leonhard Weiss umsonst, hitzefrei wird den Mitarbeitern unterdessen auch bei 35 Grad und mehr nicht gewährt. „Wir fangen zur Zeit immer um 5 Uhr morgens an, damit wir gegen 13 oder 13.30 Uhr aufhören können und so wenig wie möglich der extremen Hitze ausgesetzt sind“, berichtet Jens Fischer, Bauleiter von Leonhard Weiss.

Dass die Bauarbeiter auch bei den derzeit hohen Temperaturen durchschaffen, ist mit ein Grund, warum die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) mit ihren Planungen zur U-6-Verlängerung bis zum Flughafen und der Messe bisher komplett im Zeitplan liegen. Ende 2021 soll die Stadtbahn Flughafen- und Messegäste sowie Mitarbeiter bis an ihr finales Ziel bringen. Bisher müssen die letzten Kilometer entweder mit dem Bus oder der S-Bahn zurückgelegt werden. Ursprünglich waren für die Verlängerung Kosten von 100 Millionen Euro kalkuliert worden, nun könnten es auch 120 Millionen Euro oder mehr werden.

Stadtbahn fährt künftig über die Autobahn

Gebaut wird bereits seit einem guten Jahr. „Wir haben etwa ein Drittel geschafft“, erläutert der SSB-Projektleiter Steffen Schäfer. „In diesem und dem kommenden Jahr haben wir noch einige Großbaustellen vor uns, 2021 geht es dann vor allem um Kabelarbeiten, welche für den Laien kaum mehr erkennbar sein werden.“ Derzeit sind die Arbeiten noch deutlich sichtbar. Zwischen 250 und 300 Bauarbeiter sind im Einsatz, außerdem fahren etliche Baustellenfahrzeuge zwischen dem Fasanenhof und Leinfelden-Echterdingen hin und her.

Wer derzeit an der U-6-Endhaltestelle Fasanenhof Schelmenwasen aussteigt, erkennt auch bereits, wo die Schienen künftig weiterverlaufen. Die Gleistrasse ist fertig gebaut. Auch das Betriebsgebäude, von wo die SSB künftig Strom für die Strecke beziehen werden, steht. Zudem haben die Vorarbeiten für die 120 Meter lange Stadtbahnbrücke, die künftig über die A 8 führen soll, begonnen. Die Brücke ist eine der größten Herausforderungen bei dem Projekt, schließlich soll der Verkehr auf der sowieso schon staugeplagten A 8 so wenig wie möglich behindert werden.

A 8 wird für 12 Stunden vollgesperrt

Um dies zu gewährleisten, wird der 80 Meter lange Mittelteil der Brücke vorgefertigt. „Voraussichtlich in einer Nacht von Samstag auf Sonntag im Mai 2020 wird die A 8 dann für zwölf Stunden voll gesperrt“, sagt Schäfer. In dieser Zeit wird der Mittelteil auf Hilfsstützen gesetzt und anschließend die jeweils 20 Meter langen Seitenstücke angebracht. Ab dann wird die 120 Meter lange Bogenbrücke 4,70 Meter über der Fahrbahn schweben.

Auf der anderen Seite der Autobahn, östlich der Esslinger Straße in Echterdingen, sind bereits 1,1 Kilometer Schienen und Gleise fertig gebaut. Insgesamt ist die Verlängerung gut drei Kilometer lang und beinhaltet drei neue Haltestellen: Stadionstraße, Messe West sowie die künftig neue Endhaltestelle der U 6 Flughafen/Messe. Obwohl der letzte Teil der Stadtbahnverlängerung unterirdisch verläuft, wird zumindest die Endhaltestelle nach oben hin offen bleiben. „Das hat auch mit dem Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu tun“, sagt die SSB-Sprecherin Birte Schaper. Die Untertunnelung entlang des letzten Stücks sei aber eine Vorgabe gewesen, weil auf dem Areal an der Messepiazza Immobilien für Firmen gebaut werden sollen – Stichwort: Airport City.

Bei Hitze wird der Beton nicht fest

Und wie ist das nun mit der Hitze, verzögern die hohen Temperaturen die Bauarbeiten? „Wenn es zu heiß ist, bekommen wir irgendwann Probleme, weil der frisch gegossene Beton nicht fest wird“, sagt Schäfer. Zwar könne man den Beton kühlen, jedoch bedeute dies immense Mehrkosten. „Da müssen wir immer prüfen, ob das noch wirtschaftlich ist.“ Unterdessen können die Bauarbeiter von kühlenden Westen – so wie sie seit Kurzem die Müllmänner der Stadt Stuttgart testen – nur träumen. Schlechte Stimmung herrscht bei ihnen trotzdem nicht: „Andere Menschen bezahlen für Sonne, wir bekommen sie umsonst“, sagt der Bauleiter Fischer.

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