Eine Basketball-Legende tritt ab: Kobe BryantSeine Zeit ist abgelaufen: Kobe Bryant Foto: EPA

Über Jahre bestimmte Kobe Bryant das Geschehen bei NBA-Club LA Lakers auf und neben dem Parkett. Doch nun ist seine Zeit endgültig abgelaufen.

Los Angeles - Es wird sicherlich einige Tränen geben, wenn Kobe Bryant an diesem Mittwochabend zum letzten Mal im Staples Center in Los Angeles aufläuft, schließlich war Bryant 20 Jahre lang das Gesicht der LA Lakers, die hier ihre Heimat haben. Fünf Titel hat Bryant den Fans beschert und maßgeblich dazu beigetragen, die Lakers zum erfolgreichsten Team in der NBA-Geschichte zu machen.

Doch in die Standing Ovations und in die Nostalgie wird sich auch ein wenig Erleichterung mischen, Erleichterung darüber, dass es endlich vorbei ist. Die Lakers sind derzeit die schlechteste Mannschaft im Westen, Anfang der Woche verloren sie mit 33 Punkten gegen Oklahoma. Und auch wenn niemand es sich so recht auszusprechen traut, weiß doch jeder, dass die Schuld für das Debakel bei Bryant liegt.

Bryant ist schon lange nicht mehr der Alte, er selbst gibt zu, dass er sich nur noch mit Schmerzen durch ein Spiel quälen kann. Der letzte Titel der Lakers liegt sechs Jahre zurück. Seit 2013 humpelt Bryant seinen großen Zeiten hinterher, nur in seltenen Augenblicken kann er noch jenen Zauber aufblitzen lassen, der ihn zu einem der größten Spieler in der Geschichte des Spiels gemacht hat. Das alles wäre vermeidbar gewesen – die Lakers hätten dem alternden Star für die letzten zwei Jahre seiner Laufbahn keinen Vertrag über 48 Millionen Dollar anbieten müssen, so war kein Geld für einen zweiten Top-Spieler übrig. Und Bryant selbst hätte, wie Dirk Nowitzki in Dallas, am Umbau mitwirken können, indem er eine Gehaltskürzung in Kauf nimmt.

Er ist ein Superstar der alten Schule

Doch das ist nicht der Stil von Kobe Bryant. Er ist ein Superstar der alten Schule. Bryant hat Zeit seiner Karriere immer gefordert, dass sich die Welt um ihn alleine dreht. Egal, ob er, wie in seinen besten Zeiten, auch mal 80 Punkte pro Spiel warf und sein Team zur Meisterschaft führte oder ob er, wie jetzt, als Schatten seiner selbst über den Platz schleicht. Es gab nur einen Mann, der es schaffte, Kobe Bryants Ego einigermaßen zu zügeln und sein überragendes Talent zum Wohle des Teams zu kanalisieren. Alleine der Meistertrainer Phil Jackson vermochte es, Bryant zu managen und mit viel Fingerspitzengefühl sowie endloser Geduld, ein produktives Zusammenspiel mit seinen Mannschaftskameraden zu ermöglichen.

So kam die legendäre Partnerschaft zwischen Kobe Bryant und Shaquille O’Neal zustande, die den Lakers zwischen 1999 und 2002 drei Titel in Folge bescherte. Bryant als schneller agiler Mann auf dem Feld und O’Neal als Fels unter dem Korb schienen unbesiegbar. Doch die Kombination war brüchig. Unter der Oberfläche brodelten die Spannungen zwischen O’Neal und Bryant, die immer stärker zutage traten und schließlich dazu führten, dass O’Neal nach Miami abwanderte.

Eine der größten Egoshooter der NBA

O’Neal war nicht der letzte Spieler, den der Versuch, mit Kobe Bryant zusammen zu arbeiten, zutiefst frustrierte. So sagte der gewöhnlich besonnene und ruhige Steve Nash in einem Interview: „Es wäre schön, wenn es einen Mittelweg geben würde zwischen Freiheiten für Kobe und einem mannschaftlichen Zusammenspiel, das tatsächlich funktioniert.“ Doch das gab es bei den Lakers nie. Es gab nur ein System und das hieß – alles dreht sich um Kobe Bryant. In den vergangenen zwei Jahren wurde diese Dynamik für die Lakers zum Verhängnis. Ein alternder Kobe konnte eine Mannschaft nicht mehr tragen. Für erstklassige Nebenspieler fehlte nicht nur das Geld. Es fand sich schlicht niemand mehr, der sich Kobe Bryant hätte unterwerfen wollen.

So wird eine der schillerndsten, aber auch eine der kompliziertesten Figuren des Sports in den Ruhestand treten. „Wenn Kobe weg ist“, schrieb die „New York Times“, „wird in der NBA in vielerlei Hinsicht die Lautstärke herunter gefahren.“ Damit spielt die Times auch darauf an, dass die Ära von Persönlichkeiten wie Kobe Bryant vorbei ist. Der Stil im Sport hat sich verändert. Mannschaften werden nicht mehr auf einen Mann zugeschnitten, der alles alleine macht. Und selbst wenn es Superstars gibt, wie den jungen Stephen Curry, dann ist ihr Tonfall und ihr Auftreten ein ganz anderes.

Curry wird mit so schmeichelhaften Adjektiven wie „nett“ und „bescheiden“ überhäuft, wann immer er einen großen Sieg einfährt, bedankt er sich zu allererst bei seinen Mannschaftskameraden und der Teambelegschaft – so etwas wäre Kobe Bryant nie eingefallen. „Er hat gerne gewonnen“, sagte ein ehemaliger Mannschaftskamerad, der anonym bleiben wollte, über ihn. „Aber wichtiger noch war, dass er der Grund für den Sieg war.“

So wird er am Mittwochabend von seinen Fans für seine außergewöhnliche Karriereleistung sicher viel Applaus bekommen. Doch viele werden auch froh sein, dass die Kobe-Show zu Ende ist.

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