Diverse Barbies: dunkelhäutige, blonde, brünette, normalgewichtige, im Rohlstuhl oder mit Beinprothese. Der Spielzeugwarenhersteller Mattel versucht, sich dem Zahn der Zeit anzupassen und setzt auf „politisch korrekte“ Puppen. Foto: AP

Geliebt, gehasst, gesammelt: Kaum ein Spielzeug verkörpert gestrige Rollenklischees und Schönheitsideale mehr als die Barbie. Dabei hat sich die Plastikpuppe stets dem Zeitgeist angepasst.

Stuttgart - Spinnenbeinige Magersüchtige, Trash-Tussi, Porno-Puppe – die Barbie musste sich viel anhören in den vergangenen 60 Jahren. Stets war sie Zielscheibe feministischer und pädagogischer Kritik: zu dünn, zu schön, zu klischeehaft. Dabei hat sich der Hersteller Mattel stets darum bemüht, die 29,2 Zentimeter große und 206 Gramm schwere Puppe so modern und vielfältig wie möglich zu gestalten.

1992 kam sogar eine Barbie-Präsidentin auf den Markt.

Dem ersten Modell von 1959 mit Pferdeschwanz und schwarz-weiß gestreiftem Badeanzug folgten unzählige weitere. Mehr als 70 Modedesigner haben sie eingekleidet, es gibt Outfits für mehr als 100 Berufe. Die Puppe hat sich dem Zeitgeist angepasst, seit die Mattel-Gründer Ruth und Elliot Handler sie 1959 auf der Spielwarenmesse in New York vorstellten. Von der idealen Fünfziger-Jahre-Schönheit à la „Mad Men“ über die sonnengebräunte „Malibu-Barbie“ der siebziger Jahre bis zur emanzipierten Barbie der Achtziger und Neunziger, die wahlweise im Outfit einer Ärztin, Astronautin, Feuerwehrfrau oder Managerin frischen Wind in die Kinderzimmer bringen sollte.

1992 kam sogar eine Barbie-Präsidentin auf den Markt. Jedes Jahr werden laut Unternehmenssprecherin Anne Polsak 58 Millionen Exemplare in 150 Ländern verkauft. Ein Grund für ihre Beliebtheit: „Barbie ist immer ein Spiegel ihrer Zeit“, sagt Polsak.

Die Zeiten der gertenschlanken Barbie sind vorbei

Der Umsatz des Konzerns, der neben der Barbie-Puppe unter anderem Matchbox-Autos produziert, war in den vergangenen Jahren beständig zurückgegangen. 2018 erholte er sich leicht. In den vergangenen Jahren rückte der Fokus bei Mattel noch stärker in Richtung „Diversity“, das heißt Vielfalt. Es wirkt so, als wolle das Unternehmen endlich den Ruf loswerden, Kindern ein falsches Körper- und Rollenbild zu vermitteln und sein Image aufpolieren.

2016 kam die „Curvy“ Barbie auf den Markt, eine angeblich kurvigere Puppe mit normalen Maßen, was auch immer das heißt, jedenfalls nicht mehr klapperdürr. Die Zeiten, in denen Barbie nur als gertenschlanke Blondine oder Brünette mit Wespentaille, extrem langen Beinen und mit High-Heels-genormten Füßen daherkam, sind vorbei.

Am liebsten werden die Originale gekauft

„Ich kann mir vorstellen, dass das als eine Art ‚social washing‘ funktionieren soll“, sagte die Geschäftsführerin der feministischen Protestorganisation Pinkstinks, Stevie Schmiedel, damals im Interview mit unserer Zeitung, also reine Imagepflege ohne echte Veränderung. Die Genderforscherin prangert geschlechtsspezifisches Spielzeug an, weil es negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern habe. Sie sagte voraus, dass sich die Barbie mit Normalmaßen nicht rentieren würde. „Wir wissen von deutschen Spielzeugherstellern, dass das Kaufverhalten hierzulande noch sehr traditionell ist“, so Schmiedel. Am liebsten würden nach wie vor die schlanken Originalfiguren gekauft werden. „Wenn die Menschen die Augen schließen und an Barbie denken, sehen sie einen bestimmten Körper. Wenn dieser Körper sich ändert, könnte Barbie an Status verlieren“, schrieb das „Time“-Magazin 2016. „Schlimmer noch: Einige Kunden mögen die neue Version vielleicht nicht.“

Vollständig sein wird die Barbie-Kollektion wohl nie

Nichtsdestotrotz warf Mattel neben der „Curvy“ Barbie noch diverse andere „politisch korrekte“ Barbies auf den Markt – auch eine mit muslimischem ­Kopftuch.

Eine Barbie nach Vorbild des Models Winnie Harlow, das trotz oder gerade wegen ihrer Hautpigmentkrankheit Vitiligo erfolgreich ist, gibt es ebenso wie neuerdings eine Barbie im Rollstuhl und eine mit Beinprothese. Vollständig sein wird die Barbie-Kollektion wohl nie. Heute fehlen aus Sicht von Kritikern beispielsweise eine Transgender-Barbie und ein schwules Paar.

Gertenschlank, curvy oder mit Beinprothese: Barbie ist ein Kultobjekt, Generationen von Mädchen teilen ihre Kindheitserinnerungen an die Pfirsichblüten-, Aerobic- oder Traumhaar-Barbie. Der männliche Part, Ken, spielt bemerkenswerterweise schon immer eine Nebenrolle, nach dessen Körpermaßen kein Hahn kräht.

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