Soll versteigert werden: Das größte Banksy-Gemälde auf Leinwand Foto: dpa/Steve Parsons

1,7 Millionen Euro soll Banksys Gemälde „Devolved Parliament“ bei einer Versteigerung Anfang Oktober in London einspielen. Vor einem Jahr hatte der Streetart-Künstler bei einer Auktion für einen Kunst-Coup gesorgt, als sich ein Werk nach dem Verkauf zerstörte.

Stuttgart - Ein riesiges Leinwand-Gemälde des berühmten Streetart-Künstlers Banksy, das das britische Unterhaus voller Schimpansen zeigt, soll Anfang Oktober in London versteigert werden. Das 2009 entstandene Werk mit dem Titel „Devolved Parliament“ („Dezentralisiertes Parlament“) könnte mehr als 1,5 Millionen Pfund (rund 1,7 Millionen Euro) einbringen, teilte das Auktionshaus Sotheby’s mit. Das Werk gilt mit einer Breite von 4,5 Metern und einer Höhe von fast 2,8 Metern als das größte bekannte Leinwandgemälde Banksys.

Der Verkauf ist für den 3. Oktober geplant – rund ein Jahr, nachdem Banksy selbst in eine Sotheby’s-Auktion in London eingegriffen hatte, indem er sein Gemälde „Girl with a Balloon“ per Schredder zerstörte; und nur wenige Wochen vor dem geplanten Brexit-Termin Ende Oktober. Dieses Mal sei gesichert, dass kein Schredder in dem Gemälde installiert sei, teilte das Auktionshaus „Euronews“ mit.

Banksy hatte das „Affen-Gemälde“ vor zehn Jahren laut BBC für das Bristol Museum geschaffen. Der anonyme Eigentümer des Werks lieh es dem Museum Anfang des Jahres – zum einen, um den zehnten Jahrestag der Ausstellung in dem Museum zu würdigen, zum anderen, um an den ursprünglich für den 29. März geplanten EU-Austritt Großbritanniens zu erinnern.

Das Bild ist aktueller denn je

„Unabhängig davon, auf welcher Seite man in der Brexit-Debatte steht, gibt es keinen Zweifel, dass dieses Werk heute relevanter ist als jemals zuvor“, erklärte Sotheby’s laut BBC. Alex Branczik von Sotheby’s sagte, Banksy sei den „brennenden Problemen des Tages“ entgegengetreten. Er habe die „kompliziertesten politischen Situationen der Gesellschaft in nur ein einziges, täuschend einfaches Bild destilliert, das in unserer Zeit schnell in den sozialen Medien zu teilen ist“.

Vielfach geteilt ist auch das vor einem Jahr geschredderte Werk Banksys: Das Bild, das seit seiner Zerstörung „Love is in the bin“ heißt, hatte eine anonyme Käuferin für 1,18 Millionen Euro erworben und der Staatsgalerie Stuttgart als Dauerleihgabe überlassen. In der ständigen Ausstellung des Museums wanderte das Werk seit März 2019 an unterschiedliche Stellen in der Sammlung, um grundlegende Fragen zu beleuchten – wie jüngst neben Claude Monets „Felder im Frühling“ die Frage: „Was macht ein Bild zu einem Skandal?“

An diesem Freitag lässt Banksys Schredderbild den Kontext der Impressionisten hinter sich und wird neben Lucio Fontanas „Concetto spaziale“ präsentiert. Der Italiener hatte schon lange vor dem britischen Streetart-Künstler durch den Akt der Zerstörung für Empörung gesorgt. Sein Kunstwerk aus den 1960er-Jahren erschüttert die Grundmanifesten der Malerei durch einen einfachen Schnitt, der sich senkrecht über die Leinwand zieht. Eine völlig neue Methode Dreidimensionalität nicht mehr nur durch Techniken der Malerei illusionistisch zu erzeugen.

Performance zur neuen Präsentation

In diesem neuen Kontext wird die Frage aufgeworfen, ob Zerstörung Kunst sein kann. Banksy behauptete nach dem Schreddern seines „Ballonmädchens“, dass er die Leinwand komplett vernichten wollte. Konfrontiert mit Lucio Fontanas zerschnittener Leinwand aus dem Jahr 1966 wird der Schnitt zum Konzept. Ist nicht gerade das Relikt der Aktion als das eigentliche künstlerische Werk zu sehen?

Im Rahmen der neuen Präsentation bittet die Staatsgalerie an diesem Freitag, 20. September, von 19 bis 24 Uhr zum „Weekend Warm-up“. Es gibt eine Stunde Radioperformance „What‘s really in the Bin?“, für die Christian Müller vom Citizen.KANE.Kollektiv mit Gästen über Kapital und Fetisch diskutiert. Banksys Bild verschiebt den Fokus; der Widerspruch zwischen scheinbar abgehobenem Kunstmarkt und einem durchschnittlichen Kunstverständnis ist das Thema der Stunde. Die Performance wird live im Freien Radio für Stuttgart übertragen. Daniel T. Geiger lässt sich zuschauen beim interaktiven Malen und Sprayen für die Streetart Installation „Wheel of Art“, moderiert von Omid Javanshad. Außerdem finden Kurzführungen mit Diskussion zu Banksy statt. Die Beats kommen von Kommissar Popo & Louis XIV // Delinquent Network.

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