Der ausgewählte Entwurf: Staffelbauten mit Sichtbetonoptik. Foto: Visualisierung: Burger Rudacs Architekten

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart wollen an den Fassaden 900.000 Euro einsparen. Die Architekten pochen allerdings auf ihre Planung.

Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart wollen an den Fassaden 900.000 Euro einsparen. Die Architekten pochen allerdings auf ihre Planung.

Stuttgart - Die schöne Aussicht, dass die John-Cranko-Schule 2016 einen Neubau zwischen dem Urbansplatz und der Wera­straße beziehen kann, hat sich eingetrübt. Der Grund: Das Land und die Stadt Stuttgart wollen die Baukosten senken und dafür auch die geplanten Fassaden verändern, was allein schon 900.000 Euro erbringen soll – die Architekten Stefan Burger und Birgit Rudacs verteidigen aber die Sichtbetonfassade mit einem Dämmkern als charakteristisches Element ihres Entwurfs und legten ihr Veto ein. Nun wollen Finanzstaatssekretär Ingo Rust und die Planer eine Einigung versuchen – möglichst bis Weihnachten. Gelingt das nicht, wären das weitere Verfahren und die zeitlichen Folgen offen.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass ein Preisgericht den Entwurf aus München für das schwierig zu bebauende Hanggrundstück auswählte. Die Kosten wurden damals auf 35 Millionen Euro geschätzt. Später änderten sich manche Anforderungen an die künftige Heimat der staatlichen Ballettakademie und Ballettschule der Stuttgarter Staatstheater – und die Kostenprognosen auch. Erst vor knapp drei Monaten verkündeten Ministerpräsident ­Kretschmann und Kunstministerin Theresia Bauer (beide Grüne) sowie Ingo Rust (SPD) einen Erfolg, der den Weg für den Neubau ebne: Die von einem Gutachter auf 50,2 Millionen Euro taxierten Kosten seien auf maximal 44,9 Millionen gesenkt worden. Ein Ergebnis, mit dem sich auch Stuttgarts Stadtspitze abfinden wollte, die lange gegen die drastischen Kostenerhöhungen opponiert hatte. Die Lösung sei mit allen Beteiligten abgestimmt, soll Rust gesagt haben – im Fall der Architekten galt das offenbar nur bedingt. Sie hatten an Kostensenkungen im Gebäudekomplex im Umfang von fünf Millionen mitgewirkt. Eine preisgünstigere Fassadenkonstruktion lehnten sie jedoch ab.

Fassaden müssten früher saniert werden

Äußern wollen sich Burger und Rudacs dazu heute nicht, weil sie nicht gegen ihre Treuhänderpflicht aus dem Vertragsverhältnis mit dem Land als Bauherren verstoßen dürfen. Es ist jedoch bekannt, dass das Architekturbüro nicht nur um die Sichtbetonoptik kämpft, die von den Brettern der Schalung geprägt sein soll. Die Architekten zweifeln auch die Nachhaltigkeit von wärmedämmenden Verbundplatten über dünneren Betonwänden an. Sprich: Die Fassaden müssten früher saniert werden, die Abbruchmaterialien entsorgt werden. Ein Argument, das Experten als vernünftig gilt.

Der Staatssekretär vertrete in den Gesprächen auch die Interessen der Steuerzahler, sagt ein Sprecher des Finanz- und Wirtschaftsministeriums. „Die Vorgehensweise ist mit uns abgesprochen und von uns gebilligt“, bestätigt Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll (CDU). Man wolle nicht andere Architekten aus dem vergangenen Wettbewerb beauftragen oder gar einen neuen Wettbewerb auflegen und so Zeitverzug in Kauf nehmen, sagte Föll, „die Frage ist aber, ob wir dazu gezwungen werden“.

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