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Drei von vier Abiturienten, die nach der Schule auf ein Studium verzichten, machen Finanzprobleme dafür verantwortlich. Die Bundesbildungsministerin will das Bafög nun zum 1. Oktober erhöhen.

Berlin - Drei von vier Abiturienten, die nach der Schule auf ein Studium verzichten, machen Finanzprobleme dafür verantwortlich. Und jeder fünfte Studienabbrecher nennt laut Studie Geldnot als Grund für sein Scheitern. Die Bundesbildungsministerin will das Bafög nun zum 1. Oktober erhöhen - aber bescheiden.

Die Zahl der Bafög-Empfänger steigt wieder. Nachdem die Zahl in den Jahren 2006 und 2007 gesunken war, stieg sie 2008 auf 333.000. Das geht aus dem Bericht zum Bundesausbildungsförderungsgesetz hervor, den Bildungsministerin Annette Schavan dem Kabinett vorlegte. Zugleich erhöhte sich die durchschnittliche monatliche Förderung von 375 auf 398 Euro. Der Höchstfördersatz beträgt derzeit 648 Euro.

In dem Zeitraum des Berichts sind zwei Entwicklungen auffällig: Die Zahl der im Ausland Geförderten hat sich um 43 Prozent erhöht und liegt bei 28.000 Personen. Gleichzeitig erhielten 47.000 Auszubildende und Studenten mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Deutschland staatliche Hilfe - eine Steigerung um elf Prozent.

Die Ministerin sieht in den Zahlen eine Trendwende und kündigte eine weitere Verbesserung der Förderung an. Schavan will zügig einen Gesetzentwurf vorlegen, der ab Oktober eine weitere Anpassung der Fördersätze festschreibt. So sollen die Bedarfssätze um zwei Prozent angehoben werden. Die Freibeträge für die Eltern, bis zu denen der Höchstsatz ausgezahlt wird, sollen um drei Prozent steigen. Nach Berechnungen des Studentenwerks verursacht die Anhebung der Förderung sowie der Freibeträge pro Prozentpunkt Mehrkosten von jeweils 15 Millionen Euro.

Damit verbunden sind andere Verbesserungen: So soll auch derjenige durch Bafög gefördert werden können, der erst im Alter von 35 Jahren ein Masterstudium aufnimmt. Bislang wurde nur bis zum 30. Lebensjahr gefördert. Damit sollen Studierende ermutigt werden, den früheren Bachelor-Abschluss für den Berufseinstieg zu nutzen, ohne die Chance auf Förderung eines späteren Masterstudiums zu verlieren.

Hintergrund der Rufe nach einer Ausweitung der Bafög-Förderung ist die Tatsache, dass immer mehr Abiturienten auf ein Studium verzichten wollen. Zwar haben sich zu diesem Wintersemester so viele junge Menschen wie noch nie zuvor für ein Studium neu eingeschrieben. Doch der Anfängerrekord ist allein eine Folge der extrem geburtenstarken Abgängerjahrgänge und der doppelten Abiturjahrgänge infolge der Schulzeitverkürzung am Gymnasium.

Schavan betonte, dass der im Koalitionsvertrag vereinbarte Aufbau eines nationalen Stipendien-Programms nicht zulasten des Bafög gehen soll. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, künftig zehn Prozent der leistungsstärksten Studenten unabhängig vom Elterneinkommen mit 300 Euro im Monat zu unterstützen. Für die Hälfte dieses Betrags sollen Sponsoren aus der Wirtschaft gefunden werden.

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