Altes kann man im Badischen Landesmuseum neu entdecken. Foto: Bad. Landesmuseum

Das Badischen Landesmuseum Karlsruhe feiert Jubiläum und setzt in seiner Sammlung auf Digitalisierung und Teilhabe. Die Zukunft heißt „Expothek“.

Karlsruhe - 100 Jahre Geschichte liegen hinter dem Badische Landesmuseum in Karlsruhe, die Zukunft des Museums ist aber, wie könnte es anders sein, digital. Das zumindest eine der Botschaften der neuen Schausammlung und der neuartigen Sammlungspräsentation mit dem Titel „Archäologie in Baden - Expothek“. Der dreiteilige Parcours wartet mit 13 „Highlight-Stationen“ auf, die ohne die übliche Beschriftung auskommen. Das Spotlight in dem abgedunkelten Raum fällt allein auf die ausgewählten Fundstücke, sodass sich das Auge ganz auf sie konzentrieren kann. Erläuterungen holt sich der Besucher mit Hilfe des Nutzerausweises aufs Display am oberen Vitrinenrand. Der Vorteil: Hier lässt sich beliebig viel Text – in Deutsch, Englisch oder einer für Kinder geeigneten Form – unterbringen, ohne dass Bleiwüsten vom Objekt ablenken.

Zu den Glanzstücken der Stationen mit Objekten von der Altsteinzeit bis ins 6. Jahrhundert nach Christus zählt ein bei Heidelberg gefundener, rund 650 000 Jahre alter fossiler menschlicher Unterkiefer eines Vertreters von Homo heidelbergensis. Der kunstvoll in eine Bronzeblechmanschette gefasste Eberzahn einer anderen Vitrine wurde wohl als Opfergabe im Rhein versenkt; er dokumentiert die hohe Qualität der Metallverarbeitung in der späten Bronzezeit. Drei Zierscheiben eines Pferdegeschirrs, die als Grabbeigabe eines jungen Mannes der Merowingerzeit um das Jahr 600 in Hüfingen entdeckt wurden, enthalten die ältesten je in Süddeutschland gefundenen christlichen Darstellungen.

Informationen kommen auf das Expo-Phone

Für den zweiten Bereich der Präsentation, die Expothek, bewaffnet sich der Besucher mit einem Expo-Phone. Mitten in dem hell erleuchteten Raum mit Laboranmutung stehen drei Medientische mit Touchscreens, über die sich multimedial aufbereitete Geschichten aufrufen, in Quizfragen das eigene Wissen unter Beweis stellen oder auch Recherche-Tools anwenden lassen. Die Vitrinen an den beiden Längsseiten – auch sie ohne Beschriftung – enthalten Keramik in chronologischer Anordnung. Nähere Informationen holt man sich hier über Augmented Reality auf das Expo-Phone. Die Bedienung von Expo-Phone und Medientischen ist kinderleicht. Der letzte große Bereich, das Expo-Lab, bietet neben ausgewählten Fundstücken in Vitrinen Hightech zu unterschiedlichen Themen: Virtual Reality-Brillen entführen den Besucher in 360-Grad-Panorama-Szenen in antike und frühmittelalterliche Lebenswelten.

Die Zukunft des Museums, lernen wir, ist also einerseits digital und medial. Darüber hinaus ist sie aber zugleich in bisher unbekannter Weise analog und partizipativ. Denn das Herzstück des neuen Konzepts und die eigentliche Sensation ist dies: Im ExpoLab kann sich der Besucher von ihm selbst ausgewählte Objekte vorlegen lassen und näher in Augenschein nehmen. Er kann sie sogar in die (behandschuhten) Hände nehmen und ihr Gewicht, ihre Materialität und Oberflächenbeschaffenheit prüfen. Archäologie zum Anfassen: Laut Museumsdirektor Eckart Köhne ist die neue Präsentationsform nur der Testlauf für die entsprechende Umgestaltung auch der übrigen Sammlungspräsentationen des Museums.

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