Bei der Bewirtschaftung der Hiltenburghütte ist wohl nicht alles „eitel Sonnenschein“ gewesen. Foto: privat

Weil wohl jahrzehntelang Geld beiseite geschafft worden ist, hat der Bad Ditzenbacher Albverein dem Finanzamt schon mal 15 000 Euro überwiesen. Der Ehrenvorsitzende befürchtet die Pleite und schiebt alle Schuld auf den Whistleblower.

Bad Ditzenbach - Das einzige Problem ist der Herr Darter“ – es klingt wirklich nach ehrlicher Überzeugung, wenn Dieter Hiesserer fehlende vereinsinterne Solidarität beklagt. Hiesserer ist Ehrenvorsitzer der Albvereins-Ortsgruppe Bad Ditzenbach und kennt die Abläufe im Verein aus den Effeff, schließlich war er einst dessen Vorsitzender. Entsprechend weiß er auch genau, welche Kassen es gibt. Und nachdem die Sache durch den vorläufigen Bericht eines vom Verein und dessen Landesverband beauftragten Steuerbüros zumindest vereinsintern bei einer Informationsveranstaltung vergangene Woche aufgeflogen ist, gibt er unumwunden zu, dass es in Ditzenbach tatsächlich schwarze Kassen gibt – schon seit Jahrzehnten.

Dabei geht es offenbar vor allem um den Wirtschaftsbetrieb in der vereinseigenen Hiltenburghütte unterm Ditzenbacher Hausberg (wir berichteten). Dort laden die Albvereinsleute jedes zweite Wochenende zu Geselligkeit, Vesper und Getränk ein. „Wir haben keine Riesensummen am Finanzamt vorbeigeschleust“, sagt der Albvereinssenior zu der jetzt enttarnten schwarzen „Wanderkasse“. Er versteht quasi die gute alte schwäbische Vereinswelt nicht mehr.

15 000 Euro sind bereits ans Finanzamt überwiesen worden

Frank Darter ist wiederum derjenige, der den Stein ins Rollen gebracht hat, der nun die vermeintliche Vorzeige-Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins mit ihren gut 300 Mitgliedern neben gewaltigen Nachzahlungsforderungen zumindest für die vergangenen zehn Steuerjahre nebenbei auch noch die Gemeinnützigkeit kosten könnte. Ursprünglich hatte das Neumitglied im Ditzenbacher Club bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Januar nur Einblick in die Finanzen des Vereins erhalten wollen. Ein vereinsgesetzlich verbrieftes Mitgliedsrecht, das ihm schlicht verweigert wurde. Die desaströse Kassenführung war dann in der nachfolgenden Gerichtsverhandlung um die Einsichtnahme zunächst nur ein Nebenthema. Allerdings hatte im September das Geislinger Amtsgericht den Verein bereits dazu verdonnert, mangels korrekter Protokollführung und diverser anderer Unterlassungen jene Mitgliederversammlung samt aller Beschlüsse zu wiederholen. Ein Punkt war auch, dass der Einblick in das Kassengebaren des Vorstands allen Mitgliedern ermöglicht werden müsse. Der Bericht der Steuerprüfung für die Jahre 2004 bis 2015, so lautete ein Teil der Einigung vor dem Amtsgericht, solle vereinsöffentlich erfolgen.

Jener Termin in der vergangenen Woche, bei dem rund 60 Albvereinsmitglieder dabei waren, hat es nun in sich gehabt. Ja, es gebe schwarze Kassen im Ditzenbacher Albverein war eine Botschaft, berichtete Frank Darter, was auch der Ehrenvorsitzende Hiessinger bestätigt. Deshalb habe der Verein, nachdem das Finanzamt Ermittlungen aufgenommen hat, von sich aus 15 000 Euro für offenkundig drohende Nachzahlungen an das Amt überwiesen. Die aktuelle Summe in der sogenannten Wanderkasse, deren Existenz der Vereinsvorstand nicht nur dem Finanzamt, sondern offenbar auch den meisten Vereinsmitgliedern verschwiegen hat, soll aktuell allerdings lediglich bei etwa 11 000 Euro liegen.

Teilweise sollen die Kassenunterlagen ganzer Jahre fehlen

Drei Jahre lang sei, so habe es der Steuerprüfer berichtet, sogar ein Betrag von 8000 Euro der höheren Zinsen wegen auf einem reinen Privatkonto geparkt gewesen. Das könnte rein juristisch den oder die vereinsintern Verantwortlichen zu allem Übel zusätzlich zur Steuerhinterziehung auch noch in den Ruch der Untreue bringen. Nicht unbedingt vorteilhaft wirkt auch der Rest des Berichts derer, die das Ditzenbacher Kassengebaren professionell unter die Lupe genommen haben.

Offenbar seien wohl quasi automatisch bis zu 350 Euro je Hüttendienst in jene Wanderkasse abgezweigt worden. Was natürlich angesichts des Zeitraumes die Frage aufwerfen dürfte, wo das Geld jenseits der im schwarzen Wanderkässle noch vorhandenen 11 000 Euro geblieben ist. Für unterschiedliche vom Konto abgehobene Beträge zwischen 100 und 400 Euro gibt es offenbar keine Belege und teils fehlen für ganze Jahre die gesamten Kassenunterlagen.

Ganz nebenbei war nicht einmal die Seniorenkasse, über die die Vereinssenioren ihre jährlichen Ausfahrten und Weihnachtsfeiern abrechneten, beim Finanzamt angegeben. Auch sie hat deshalb den Status eines schwarzen Kässles. Der Seniorenwart Manfred Scherrbacher, Darters Schwiegervater, sagt, er sei angesichts dieser Unterlassung des Vorstands fassungslos. Schließlich sei ihm in der jüngsten Mitgliederversammlung von den Kassenprüfern noch die bis zum letzten Cent korrekte Kassenführung attestiert worden.

Außerordentliche Mitgliederversammlung findet Ende November statt

Rainer Maier, der Vorsitzende des Ditzenbacher Albvereins, gibt sich in Sachen des abzusehenden Kassen-Supergaus weiterhin extrem zurückhaltend. „Das ist alles falsch dargestellt“, sagt er am Telefon. Ansonsten will er angesichts des „schwebenden Verfahrens“ keinerlei Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben. Das werde er erst bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung tun, die – entsprechend der gerichtlichen Verfügung – auf Ende November anberaumt ist. Dort wird Maier wohl vor allem auch erklären müssen, warum der Verein – wenn, wie er suggeriert, an allem nichts dran ist – kürzlich jene Summe von 15 000 Euro als Abschlag auf anstehende Nachforderungen an das Finanzamt überwiesen hat.

Der Ehrenvorsitzende Dieter Hiesserer, von dem Rainer Maier angeblich die schwarzen Kassen übernommen hat, räumt dazu unumwunden ein: „Die Steuerberater haben gesagt, dass wir hier was tun sollten.“

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