B 14 in Stuttgart Stadt plant neuen Blitzer am Neckartor

Von Josef Schunder 

Zwischen Heilmannstraße und Neckartor geben Autofahrer in Richtung City (rechte Fahrbahn) oft kräftig Gas. Nicht weit davon ist die Luftmessstelle (unten links). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Zwischen Heilmannstraße und Neckartor geben Autofahrer in Richtung City (rechte Fahrbahn) oft kräftig Gas . Nicht weit davon ist die Luftmessstelle (unten links). Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Just bei der Schadstoffmessstation am Brennpunkt Neckartor neigen die Autofahrer offenbar zu starkem Beschleunigen. Daher wollen die Stadt Stuttgart und Mitarbeiter der Firma Bosch sie zu sensiblerem Umgang mit dem Gaspedal veranlassen.

Stuttgart - Auf der Bundesstraße 14 in Stuttgart wird sich für die Autofahrer zwischen dem Schwanenplatztunnel und der Willy-Brandt-Straße in Kürze wieder einiges ändern. Sie werden es mit einem neuen Blitzer für Tempokontrollen zu tun bekommen – im Interesse von besserer Luft. Zudem will die Stadt auf der Cannstatter Straße zwischen der Villastraße und der Heilmannstraße in Kürze eine Busspur schaffen, die der neuen Schnellbuslinie X1 dienen soll, die am 15. Oktober an den Start geht.

Auf weiten Teilen der B 14 zwischen dem Neckar und dem Österreichischem Platz werden die Autofahrer von der Straßenverkehrsbehörde in der Regel schon heute zu einer gleichmäßigen Fahrweise im niedrigen Geschwindkeitsbereich angehalten. Tempo 40 – oder in der Cannstatter Straße manchmal auch Tempo 30 – soll den Schadstoffausstoß der Kraftfahrzeuge senken und Staus abbauen. Manchmal bekommt man auf der Cannstatter Straße, wo es zwei stationäre Blitzer gibt, auch noch 50 angezeigt. Doch ausgerechnet nach der Luftmessstelle am Schadstoff-Brennpunkt Neckartor rollt der stadteinwärtige Verkehr noch nicht so gleichmäßig wie gewünscht. Das Problem: Stadteinwärts müssen die Autos häufig an der Ampel an der Schwabengarage in Höhe der Heilmannstraße halten. Wenn sie Grün bekommen, beschleunigen die Fahrer oft stark, aber schon am Beginn der folgenden S-Kurve in Höhe der ADAC-Zentrale müssen sie wieder Tempo rausnehmen und an der nächsten Ampel oftmals stoppen.

Nach starkem Beschleunigen wird oft abrupt gebremst

So zumindest stellt sich die Situation für einige Mitarbeiter von Bosch dar, die sich im Konzernauftrag um die Verringerung von Schadstoffausstoß durch passendere Fahrweise und in einer Firmenneugründung um eine effektivere Verkehrslenkung in Stuttgart kümmern. Mit Testautos, die nach dem Zufallsprinzip im Stadtgebiet unterwegs waren, hat Bosch ermittelt, wo es besonders viele Beschleunigungsvorgänge gibt. Nun möchte man diese Spitzen kappen und prüfen, ob es sich an der Messstelle auswirkt.

Ralf Thomas, Leiter der Integrierten Verkehrsleitzentrale (IVLZ) der Stadt, sprach im städtischen Ausschuss für Umwelt und Technik vom „Faktor Mensch“, der sich hier auswirke: „Die Leute geben oft viel zu viel Gas und fahren mit Tempo 50 auf die nächste Ampel zu“, die an der Einmündung der Neckarstraße in die Willy-Brandt-Straße steht. In Richtung Stadtzentrum könne man beim ADAC wegen der Fahrbeziehungen und Ampeltaktungen aber keine grüne Welle bei 50 Stundenkilometern programmieren wie stadtauswärts. Da sei Tempo 40 angesagt.

Geblitzt wird probeweise wahrscheinlich drei Monate lang

Damit dieses Gebot ernst genommen wird, soll geblitzt werden – wahrscheinlich während der kompletten dreimonatigen Versuchsdauer, sagt Ralf Thomas. Sobald der „halbstationäre“ Blitzer zur Verfügung stehe, könne es losgehen. Vor der S-Kurve gebe es bereits flexibel bespielbare Anzeigetafeln aus einem früheren Verkehrsprojekt.

Die Projektbeteiligten, darunter auch die Uni Stuttgart und das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS), wollen Zug um Zug noch andere emissionskritische Straßenabschnitte in Stuttgart bearbeiten. Vorgemerkt sind Teile der B 27/Weinsteige in Degerloch und Teile der B 295 in Feuerbach.

Verkehrsinformationen sollen passgerecht werden

Bei einem zweiten Vorhaben geht es darum, Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern mehr nützliche Verkehrsinformationen, etwa über aktuelle Umfahrungsstrecken, auf die Smartphones zu schicken – und zwar das, was ihnen persönlich zum jeweiligen Zeitpunkt an ihrem Ort hilfreich ist. Dazu wollen sich die IVLZ und die Projektpartner mit diversen einschlägigen Apps vernetzen. Das sei zeitgemäßer und für jüngere Leute passender als die teuren Anzeigetafeln, auf denen die IVLZ an wenigen Standorten Informationen aufleuchten lässt.

Von Juli bis Ende August sollen bis zu 1000 Testteilnehmer die Sache erproben, und zwar Mitarbeiter von Bosch und der Stadtverwaltung. Letzten Endes diene das auch der Vorbereitung des autonomen Fahrens, erfuhren die Stadträte.

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