Eberspächer-Miteigentümer Martin Peters sitzt auch im Vorstand von Südwestmetall. Foto: Eberspächer

Beim dem Esslinger Autozulieferer rumort es, weil nicht alles Gesellschaften tarifgebunden sind – Clinch gibt es auch in den USA.

Esslingen - Eberspächer-Mitarbeiter in Torgelow/Mecklenburg-Vorpommern – eine Kleinstadt unweit der polnischen Grenze – kämpfen für einen Tarifvertrag und mehr Geld und sind deshalb schon mehrfach zum Warnstreik vors Werkstor gezogen. Die Eberspächer-Beschäftigten bekämen dort je nach Entgeltgruppe mit 9,44 Euro beziehungsweise 10,45 Euro durchschnittlich ungefähr die Hälfte dessen, was Mitarbeiter im gewerblichen Bereich in Esslingen pro Stunde verdienten, sagt der dortige IG-Metall-Vertreter Guido Fröschke und hält das „für nicht hinnehmbar“. In Torgelow geht es um rund 90 Mitarbeiter im Bereich Fahrzeugheizungen. Mittlerweile zeichnet sich im Tarifstreit eine Einigung ab. Am Dienstag hat sich das dortige Management mit Betriebsrat und IG Metall auf Eckpunkte geeinigt. Details seien ausgearbeitet, bestätigt eine Eberspächer-Sprecherin in Esslingen. So plane man unter anderem eine stufenweise Anpassung der Grundentgelte – über drei Jahre bis zum Jahr 2020 seien das rund acht Prozent. Zudem sollen noch die Vereinbarungen aus der aktuellen Tarifrunde draufgesattelt werden. „Wir bezahlen überdurchschnittlich für die Region, angelehnt an den Tarif-Bezirk Küste – über Mindestlohn“, sagt sie weiter.

Das Unternehmen zahle unter Tarif, sagt dagegen IG Metaller Fröschke spricht aber dennoch von einem Verhandlungserfolg, weil die Mitarbeiter in den nächsten drei Jahren eine „ordentliche Lohnerhöhung“ bekommen sollen. Lag der Monatsverdienst in der unteren Entgeltgruppe bislang bei 1640 Euro soll er bis 2020 auf rund 2000 Euro steigen, rechnet er vor. Zudem sollen Tariferhöhungen weitergeben werden. Das Verhandlungsergebnis müsse noch von der Mitgliederversammlung der IG Metall Anfang Dezember abgesegnet werden. Der Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie gilt aber nach wie vor nicht.

Eberspächer-Miteigentümer Martin Peters handelt Tarifverträge aus,in Teilen des eigenen Unternehmens gilt der Tarifvertrag aber nicht

Das ist nicht der einzige Eberspächer-Standort ohne Tarifbindung. Auch Gesellschaften unter anderem in Landau, Herxheim, Hermsdorf und Renningen sind nicht tarifgebunden – einzig der große Abgaswerk Neunkirchen und der Heizungsstandort Esslingen sind in der Tarifbindung. Jürgen Groß von der IG Metall Esslingen hält das für ein „Unding“, denn für ihn passt das mit dem Engagement von Eberspächer-Miteigentümer Martin Peters im Arbeitgeberlager nicht zusammen. Peters, der Finanzchef und neben Heinrich Baumann einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Familienunternehmens ist, sitzt immerhin im engeren Vorstand von Südwestmetall – dem Arbeitgeberverband, der mit der Gewerkschaft IG Metall die Tarifverträge aushandelt – und ist Vorsitzender der Bezirksgruppe Neckar-Fils. In etlichen Gesellschaften des eigenen Unternehmens gilt aber der Metalltarifvertrag nicht.

In Sachen Außenwirkung sei das kein gutes Signal, findet auch Fatih Demirkol, Betriebsratsvorsitzender bei Eberspächer in Esslingen. Eberspächer-Miteigentümer Peters will sich auf Anfrage dazu konkret nicht äußern, ebenso wenig zu dem bisherigen Clinch um eine gewerkschaftliche Vertretung in den USA.

Vorwurf: antigewerkschaftliche Kampagnendes Eberspächer-Managements in den USA

Denn auch in den USA eckt Eberspächer mit der Gewerkschaft an. Im US-Abgastechnikwerk Brighton in Michigan haben es die Beschäftigten gerade gegen Widerstände des Managements geschafft, sich gewerkschaftlich in der US-Automobilgewerkschaft UAW zu organisieren. In dem Werk sind gut 370 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gewerkschaft spricht dort von systematischen antigewerkschaftlichen Kampagnen, die nicht nur vom US-Management ausgingen, sondern auch von den Firmeneigentümern Heinrich Baumann und Martin Peters unterstützt wurden. In einem Schreiben an Mitarbeiter in Brighton hatten sie Anfang November angekündigt, dass sie eine gewerkschaftliche Organisierung mit allen rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen würden und haben vielmehr dafür geworben, gewerkschaftsfrei zu bleiben. Das Eberspächer-Management setzte so genannte Union Buster im US-Werk ein. Laut UAW sind das auf die Bekämpfung von Gewerkschaften spezialisierte Anwaltskanzleien, die bis zur Abstimmung im Betrieb blieben, um die Beschäftigten gegen die Gewerkschaft einzustimmen. Das Eberspächer-Management dagegen schreibt von „Experten mit großer Erfahrung in Gewerkschaftsangelegenheiten“ und nennt es in dem Schreiben an die Mitarbeiter einen Wettbewerbsvorteil, gewerkschaftsfrei zu sein.

Eberspächer setzt auf werksspezifische Ansätze zu Arbeitszeitmodellen und Vergütung

Während die US-Gewerkschaft dem Eberspächer-Management Einschüchterungskampagnen vorwirft, äußert sich Eberspächer-Manager Peters auf Anfrage nur sehr allgmein und gibt zu Torgelow und Brighton folgendes Statement ab: „Die Eberspächer Gruppe pflegt eine aktive Kommunikation mit den Mitarbeitern und vertritt Unternehmensziele und -ansichten offen. Eberspächer nutzt nach länderspezifischen Regelungen weltweit Betriebsräte oder ähnliche Mitarbeitervertretungsorgane, um die Interessen unserer Mitarbeiter und die unserer Unternehmen vertrauensvoll und zielgerichtet auszubalancieren. Deshalb haben fast alle Standorte der Eberspächer Gruppe spezifische Vereinbarungen mit ihren Mitarbeitern. Denn für wettbewerbs- und zukunftsfähige Standorte sowie sichere Arbeitsplätze sind werksspezifische Ansätze zu Arbeitszeitmodellen und Vergütung besser, als Industrie- und überregionale Flächenvereinbarungen.“

Die Mitarbeiter sehen es offenbar anders. In Brighton hatten die Beschäftigten mit 223 zu 98 Stimmen mit großer Mehrheit für die US-Gewerkschaft UAW gestimmt. Im Übrigen hatten sich auch einige US-Mitarbeiter mit den Mitarbeitern in Torgelow beim Arbeitskampf solidarisiert. Entsprechend sprachen die Arbeitnehmervertreter in den USA auch „von einer geschlossenen Mannschaftsleistung dies- und jenseits des Atlantiks.“

Eberspächer auf einen Blick

Bei dem Autozulieferer mit insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro Umsatz (2016) entfallen rund 85 Prozent auf die Abgastechnik – ein Bereich, der noch überproportional wächst. Wegen des Umbruchs zur E-Mobilität muss der Zulieferer aber langfristig umsteuern. E-Autos haben keine Abgasanlage.

Das Geschäft mit Heizung und Klimatisierung (Climate Control Systems) – dazu gehören kraftstoffbetriebene Standheizungen, elektrische Zusatzheizungen, Bus-Klimaanlagen und Klimatisierungslösungen für Spezialfahrzeuge – steuert rund 500 Millionen Euro zum Umsatz bei. Der noch junge Geschäftsbereich Automotive Controls (komplexe Elektroniksysteme für die Automobilindustrie), der als Wachstumsträger gilt, macht gut 100 Millionen Euro Umsatz.

Weltweit beschäftigt Eberspächer rund 9000 Mitarbeiter, etwa 46 Prozent davon in Deutschland. Am Stammsitz Esslingen sind es mehr als 1300.

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