Foto: Daimler AG

Ein Konzern nach dem anderen schreibt sich den Klimaschutz auf die Fahnen. Kurz nach VW und Bosch setzt sich nun auch der Daimler-Konzern weitreichende Ziele gegen den Klimawandel.

Stuttgart - Der Stuttgarter Daimler-Konzern will bis 2039 nur noch Autos mit einer ausgeglichenen Klimabilanz vom Band laufen lassen, erwartet aber auch Anstrengungen der Politik, um diese Umstellung zu begleiten. In zehn Jahren sollen 50 Prozent der verkauften Autos einen Elektro- oder Plug-in-Hybridantrieb besitzen, erklärte der designierte Konzernchef Ola Källenius in Sindelfingen. Plug-in-Fahrzeuge kombinieren einen von außen aufladbaren Elektroantrieb mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor. Bereits im Jahr 2022 soll zudem europaweit die Produktion in den Werken auf Klimaneutralität umgestellt werden, vor allem durch die Nutzung von erneuerbaren Energien.

Auf Klimaneutralität ausgelegt

Die geplante Factory 56 in Sindelfingen und das Motorenwerk im polnischen Jawor seien von vornherein auf Klimaneutralität ausgelegt worden, was bereits kostengünstiger gewesen sei als eine entsprechende Planung auf der Basis von herkömmlichen Energien.

Um neue Technologien voranzubringen, sei es sehr wichtig, dass die Politik für den notwendigen Ausbau der Infrastruktur sorge. Dazu zählen beim Batterieauto vor allem Ladesäulen, aber auch Stromleitungen, die umweltfreundliche Energie etwa von Windparks in der Ostsee zu diesen Ladesäulen bringen. Auch die Schaffung von Anreizen für den Kauf von E-Autos zählt Källenius zu diesen Aufgaben.

Ola Källenius offen für effektive CO2-Bepreisung

Sympathien zeigt der künftige Daimler-Chef für Überlegungen, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 stärker als bisher kostenpflichtig zu machen. Er sei für die Diskussion über eine „effektive CO2-Bepreisung“, auch in Verbindung mit Anreizen für den Kauf eines E-Autos. Eine Kostenpflicht für CO2-Emissionen soll dazu führen, dass das Treibhausgas vor allem dort reduziert wird, wo die dafür entstehenden Aufwendungen geringer sind als der Preis des Ausstoßes. Gesamtwirtschaftlich soll der Klimaschutz dadurch möglichst kostengünstig erfolgen. Zu den Kaufanreizen könne auch die Unterstützung der Einrichtung einer sogenannten Wallbox gehören, die es ermöglicht, ein E-Auto in der heimischen Garage aufzuladen und dadurch das Netz an öffentlichen Ladesäulen zu entlasten.

Auch wenn Daimler nun unter der neuen Marke EQ eine Reihe von batteriebetriebenen E-Autos auf den Markt bringen will, setzt der Konzern längerfristig auf eine ganze Reihe von Technologien. So sieht der künftige Konzernchef für die Brennstoffzelle, bei der aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom gewonnen wird, nicht nur beim Bus Anwendungsmöglichkeiten, sondern auch beim Auto. Auch synthetische Kraftstoffe, die von Diesel-, Benzin- und Gasmotoren genutzt werden und klimaneutral sein können, sieht Källenius weiter im Rennen, obwohl sie bisher praktisch nicht genutzt werden. Diese seien heute noch nicht wirtschaftlich; das könne sich aber ändern, wenn diese einmal auf breiterer Basis genutzt werden, etwa in Flugzeugen. Bei der Verbrennung klimaneutraler synthetischer Kraftstoffe wird zwar wie bei fast allen Verbrennungsprozessen CO2 freigesetzt; da bei der Produktion dieser Kraftstoffe aber CO2 gebunden wird, werden die Fahrzeuge unter dem Strich ohne Ausstoß von Treibhausgas betrieben.

Dieselmotor ist nicht abgeschrieben

Nicht abschreiben will der designierte Daimler-Chef Källenius auch den Dieselmotor, der im Zuge des Skandals um manipulierte Abgaswerte und einen überhöhten Ausstoß von Stickoxiden stark unter Druck geraten ist und weiter an Beliebtheit verliert. Der Diesel mit seiner Technologie gemäß der Abgasnorm Euro 6d stoße rund 20 Prozent weniger CO2 aus als ein entsprechender Benziner und werde noch für „viele Jahre“ Teil der CO2-Strategie bleiben. Für wie wichtig Daimler den Diesel hält, zeigt sich auch darin, dass der Konzern als einer von wenigen Herstellern Hybridfahrzeuge mit Dieselmotor produziert. Deren Käufer zahlen dann nicht nur für einen teuren E-Antrieb, sondern auch noch für die vergleichsweise teure Variante des Verbrennungsmotors, der zudem nur zur Unterstützung des Elektroantriebs genutzt wird.

Auch wenn die Daimler-Kunden für saubere Technologien viel Geld in die Hand nehmen, bereiten die Kosten der Elektromobilität dem Konzern noch einiges Kopfzerbrechen. Bis die Kosten des E-Autos die des Verbrennungsmotors erreichen oder unterschreiten, werde es noch zwei bis drei Jahre dauern, so Källenius. Es sei aber zu erwarten, dass die Kosten durch bessere Technologien sinken; so sei es bereits gelungen, den Bedarf an teuren Rohstoffen wie Kobalt in der Batterie stark zu verringern.

Kaufanreize wären laut Källenius hilfreich

Hilfreich wäre aus seiner Sicht allerdings auch, durch Kaufanreize die Kosten für die Käufer zu senken. Dadurch werde dann die Stückzahl steigen, die dann auch ohne weitere Anreize zu fallenden Kosten führen.

Erst vor wenigen Tagen hatte Bosch angekündigt, bereits im kommenden Jahr an allen 400 Standorten weltweit klimaneutral zu arbeiten. Ola Källenius sagte dazu, er begrüße es, wenn auch andere Unternehmen das Ziel verfolgten, unter dem Strich keine CO2-Emissionen mehr zu verursachen.

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