Hybrid-Fahrzeuge verkaufen sich nach den Angaben von Toyota gut. Foto: Toyota

Bei Importfahrzeugen ist der Anteil der Benziner höher. Doch Schadenfreude über die Probleme der deutschen Hersteller kommt bei den Anbietern aus dem Ausland nicht auf.

Stuttgart - „Das Vertrauen der Verbraucher wird weiter geschwächt“, sagt ein Sprecher des französischen Autobauers PSA mit seinen Marken Peugeot und Citroën zu den jüngsten Vermutungen über ein Kartell der deutschen HerstellerDaimler, BMW, Volkswagen und Audi. Dass die deutschen Kunden sich deshalb aber nun eher den Fahrzeugen von jenseits des Rheins zuwenden, weil ihr durch den Diesel-Skandal erschüttertes Vertrauen in die deutschen Hersteller nun noch weiter zurückgegangen sein könnten, glaubt er nicht: „Da hat keiner etwas davon“, meint der PSA-Sprecher und fügt vorsichtshalber gleich noch hinzu: „Wir sind nicht die Profiteure“ – schließlich will man sich auch nicht hämisch über die Probleme der Konkurrenz freuen. Eines aber sagt er deutlich: „Wir haben mit dem Kartell nichts zu tun“. Und noch etwas soll noch bekannter werden: „Wir sind der einzige Hersteller, der dem Verbraucher transparente Daten über die tatsächlichen Emissionen anbietet“. Bis 2020, so ist in einer Broschüre nachzulesen, soll etwa der Ausstoß an Kohlendioxid auf 91 Gramm pro Kilometer sinken. Damit liege der Konzern „deutlich unter der europäischen Zielsetzung“ von 95 Gramm pro gefahrenem Kilometer.

Im ersten Halbjahr sinkt der Dieselverkauf

PSA gehört wie etwa Fiat, Honda, Toyota und viele andere ausländische Autobauer dem VDIK an, dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Auch dieser kann noch keine direkten Reaktionen auf das vermutete Kartell der deutschen Konkurrenten feststellen. Und natürlich muss sich der Verband auch etwas zurückhalten – schließlich sind Seat und Skoda, die ausländischen Töchter des VW-Konzerns, ebenfalls Mitglieder. Wohl aber kann niemand dem Verband den Blick auf seine Zahlen für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres verwehren: „Wenn man die Halbjahreszahlen unserer Mitglieder anschaut sieht man, dass wir gut zugelegt haben“, meint ein Sprecher des VDIK. Insgesamt konnten die ausländischen Autobauer ihren Marktanteil bei den Verkäufen an private Kunden deutlich steigern: Von 43,4 auf 46 Prozent – fast jedes zweite an Private verkaufte Fahrzeug stammt also aus dem Ausland. Beim Absatz an Firmen dagegen liegen die inländischen Hersteller klar vorne, kommen doch von ihnen in der Regel auch die größeren Wagen, auch eher die Diesel.

Ausländer bieten mehr Benziner an

„Wir sind beim Diesel nicht so stark vertreten“, erklärt der Verbandssprecher. Gerade aber deshalb liegt man eher im Trend: Bei Privatleuten wuchs der Anteil von Modellen mit Benzinantrieb auf 72 Prozent, dagegen ging der Dieselanteil auf etwas mehr als 24 Prozent zurück. Die ausländischen Hersteller seien deshalb von der Zurückhaltung im Dieselbereich „weniger betroffen“, meint VDIK-Präsident Reinhard Zirpel. Mit einer Prognose für die zweite Jahreshälfte hält sich der Verband zwar zurück, eine vorsichtige Andeutung macht dessen Sprecher aber gleichwohl: „Der Übergang vom Diesel zum Benziner könnte vielen unserer Mitglieder entgegenkommen.“

Bei Toyota ist der Hybrid der Hit

So mancher ausländische Hersteller gibt sich bei der Frage, ob ihm die Kratzer am Lack der deutschen Autobauer nützten, bedeckt: „Das kommentieren wir nicht“, heißt es nicht nur einmal. Schadenfreude, so wird wohl zu Recht vermutet, käme wohl bei potenziellen Kunden nicht gut an. Doch dass der Hinweis auf eigenes löbliches Treiben gerade in der jetzigen Situation verkaufsfördernd sein könnte, ist auch bekannt. „Bei uns sinkt der Anteil des Diesels rasant“, sagt ein Sprecher der Toyota Deutschland GmbH in Köln, „weniger als acht Prozent der Kunden entscheiden sich noch für einen Diesel“. Seit 20 Jahren bereits haben die Japaner Fahrzeuge mit Hybridantrieb im Abgebot, also Autos mit Verbrennungsmotor und Elektromotor. Der lange Atem könnte sich nun auszahlen: „Wenn wir von einem bestimmten Modell einen Hybrid im Angebot haben, entscheidet sich jeder zweite Kunde für einen Hybrid“, heißt es in der Kölner Toyotazentrale, „bei höherwertigen Fahrzeugen sind es sogar mehr als 90 Prozent“. Auch bei Kleinwagen stellt Toyota inzwischen einen deutlichen Trend zu Fahrzeugen mit zwei Motoren fest: „Die Leute kommen in den Showroom und fragen, was ein Hybrid ist und wie der funktioniert“, sagt der Sprecher. Über das ramponierte Ansehen der deutschen Konkurrenten freut sich – zumindest öffentlich – keiner der ausländischen Hersteller. Manche gehen auf Tauchstation, als wären sie selbst auf frischer Tat ertappt worden – andere aber nutzen die Chance, des eigene Angebot zu loben und zu preisen.

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