So sahen autofreie Sonntage in den 1970er Jahren aus. Foto: IVB-Report

Die Älteren erinnern sich noch an die Bilder von Spaziergängern auf Autobahnen während der Ölkrise in den 1970er Jahren. Am 22. September gibt es nun in Stuttgart wieder einen autofreien Sonntag – wenn auch nur auf einer Straße.

Stuttgart - Am 22. September wird es in Stuttgart erstmals seit Jahrzehnten wieder einen autofreien Sonntag geben – allerdings nicht flächendeckend. An diesem Tag wird vielmehr die Theodor-Heuss-Straße für Autos gesperrt. Das hat der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats am Mittwoch einstimmig beschlossen. Auf der städtischen Vergnügungsmeile sollen an diesem Tag unter dem Motto Kunst, Kultur und Klimaschutz zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, auf der neben Unterhaltung auch Informationen zur umweltfreundlichen Mobilität und zu nachhaltigem Bauen angeboten werden.

Der autofreie Sonntag findet im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche 2019 statt, in zahlreichen europäischen Großstädten finden aus diesem Anlass autofreie Sonntage statt. In der Landeshauptstadt freilich habe der Tag doch eher den Charakter eines Straßenfestes, bemängelte der Fraktionschef von SÖS/Linke-plus, Hannes Rockenbauch: „Das entspricht nicht unserer Intention.“ Rockenbauch erinnerte daran, dass er schon als Einzelstadtrat 2005 den Antrag gestellt hatte, die Innenstadt am 22. September jedes Jahr für den Autoverkehr zu sperren. Rockenbauch: „So kriegen wir den Klimawandel jedenfalls nicht gewuppt.“

Verwaltung sieht keine rechtlichen Grundlagen für die Sperrung der Innenstadt

SPD, CDU und Grüne plädierten dafür, den Bürgern an diesem Tag die kostenlose Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ermöglichen. Entsprechende Gespräche mit dem Verkehrsverbund Stuttgart dazu seien im Gang, so Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU). Fuhrmann und sein Parteifreund, Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, wiesen übereinstimmend darauf hin, dass es für eine Sperrung der gesamten Innenstadt keine rechtlichen Grundlagen gebe.

Die Einbeziehung der ohnehin von zahlreichen Demonstrationen immer wieder lahmgelegten Bundesstraße 14 etwa sei kontraproduktiv, Staus auf den Zufahrtsstrecken seien die Folge. Nach Schairers Angaben ist der Autoverkehr an Sonntagen bei rund 900 000 Autos täglich lediglich um 30 Prozent geringer als an normalen Werktagen. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz problematisierte dementsprechend auch den Titel der Veranstaltung: Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, als ob sich an diesem Sonntag in Stuttgart kein Rad drehe.

Andreas Winter (Grüne) sagte, der Tag treffe das Anliegen vieler Menschen und mache den Straßenraum anders erlebbar. Bei ihm wecke dies Erinnerungen an die 1970er Jahre, als infolge der Ölkrise die ersten autofreien Tage initiiert worden waren. Das kulturelle Begleitprogramm werte den Tag noch auf: Geplant sind unter anderem Auftritte der Gauthier-Dance-School, des Stuttgarter Balletts und der SWR-Big-Band.

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