Wie man Energie spart, ohne dass die Lichter ausgehen, hat die Stadt Plochingen vorgemacht. Foto: Rudel/Regenscheit

Die Stadt gibt 2,7 Millionen Euro weniger für Energie aus. Das war dem Umweltministerium ein Zertifikat wert.

Plochingen - Vom Klimaschutz wird in vielen Kommunen Baden-Württembergs geredet. Gehandelt wird hingegen in der Stadt Plochingen, wo man inzwischen mehr als 600 Tonnen CO2 jährlich einspart. Finanziell lohnt sich das auch. Seitdem sich die Stadt auf den CO2-Prüfstand gestellt hat, gibt Plochingen jährlich etwa 2,7 Millionen Euro weniger für Energie aus. Deswegen hat sie zusammen mit drei weiteren Körperschaften in Baden-Württemberg kürzlich das Zertifikat „Kommune mit ausgezeichnetem Energiemanagement“ erhalten. Am 17. September kommt der Landes-Umweltminister Franz Untersteller um 18 Uhr ins Plochinger Rathaus, um das Zertifikat zu überreichen, das Plochingen zusammen mit Walldorf, Markdorf und dem Landkreis Rottweil errungen hat.

Sogar ein Blockheizkraftwerk wurde gebaut

Um das Zertifikat zu bekommen, hat sichPlochingen lange methodisch vorbereitet. Schnell war klar, dass es ohne einen Energiemanager nicht gehen würde, der ein Auge auf den Energieverbrauch der insgesamt 17 städtischen Gebäude haben würde. Anschließend hat die Stadt ihre Fühler nach einem Partner ausgestreckt und die Klimaschutz- und Energieagentur (KEA) Baden-Württemberg gefunden, die das Management aller städtischen Gebäude übernahm. Hier ging es nicht nur um Isolierungen und energetische Optimierung, sondern auch um eine neue Heizungs- und Klimatechnik, sogar ein Blockheizkraftwerk wurde errichtet.

Dabei hat die KEA das Energie-Management komplett übernommen. „Wenn die Pumpe einer Heizungsanlage defekt ist“, sagt der Plochinger Energiemanager Thomas Silberhorn, „dann kümmert sich die KEA um Ersatz“. Natürlich gebe die Stadt so ein Stück weit ihre Souveränität über ihre Gebäudetechnik auf, berichtet Thomas Silberhorn. Aber die Einsparungen an Energiekosten sind halt immens.

Nicht vergessen darf man, dass diesen Einsparungen hohe Investitionskosten entgegenstehen. Dennoch haben die Stadt und die Energieagentur ausgerechnet, dass sich die Investitionen nach etwa 10,5 Jahren wieder amortisiert haben – ein überschaubarer Zeitraum für eine Gemeinde.

Viele Kommunen wollen das Gebäudemanagement nicht aus der Hand geben

Der Plochinger Bürgermeister Frank Buß ist sich ziemlich sicher, dass die Stadt in Eigenregie eine solche Summe und ein solches Maß an CO2 nur schwerlich hätten einsparen können. Die Frage ist, warum nicht auch andere Kommunen die Dienste der KEA in Anspruch nehmen. Die Antwort gibt Thomas Silberhorn. „Viele Kommunen wollen die energetische Hoheit ihrer Gebäude nicht aus den Händen geben“, sagt der Energiemanager, „außerdem gibt es dafür keine Fördergelder.“ Der Bürgermeister Frank Buß indessen ist von dem Konzept überzeugt. Er hat verschiedentlich schon seine Kollegen darauf hingewiesen, dass das Energie-Einspar-Management der KEA ein interessantes Objekt für Kommunen sei. Für Plochingen jedenfalls bezeichnet er das Konzept als „finanzielle und ökologische Erfolgsgeschichte“.

Zum Vertrauen in die Energieagentur trägt sicherlich bei, dass sie nicht nur in diesem Jahr ihr 25. Firmenjubiläum gefeiert hat, sondern eine Gesellschaft ist, die zu 100 Prozent dem Land gehört. Als Landesunternehmen bezeichnet sich die KEA als „neutral, unabhängig und dem Klimaschutz verpflichtet“. Ihre Kompetenzen decken ein breites Spektrum in den Themenfeldern Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien ab.

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