Der Junge hat viel Glück: Der Biss einer australischen Trichternetzspinne ist potenziell tödlich. Foto: AFP

Normalerweise kann der Biss einer Trichternetzspinne tödlich enden. Ein zehnjähriger Junge aus Australien hat dank der Rekordmenge von zwölf Dosen des Gegengifts überlebt.

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Sydney - Mit viel Glück hat ein zehnjähriger australischer Junge den Biss einer potenziell tödlichen Trichternetzspinne überlebt. Matthew Mitchell sei die Rekordmenge von zwölf Dosen Gegengift verabreicht worden, berichteten örtliche Medien.

Demnach hatte der Junge seinem Vater dabei geholfen, den Schuppen des Familienhauses nördlich von Sydney zu entrümpeln, als er von der Spinne in den Finger gebissen wurde. „Sie hat sich irgendwie mit allen Beinen an mich gekrallt und ich konnte sie nicht von meinem Finger abschütteln“, berichtete Matthew der Zeitung „Daily Telegraph“.

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Seine Eltern machten ihm aus seinem T-Shirt eine Art Druckverband, damit das Gift der Spinne sich langsamer im Körper verbreitet und rasten mit ihm ins Krankenhaus. Der Junge wurde zwar von Krämpfen geschüttelt, überlebte jedoch dank des Gegengifts. Die Menge sei ein Rekord in Australien, hieß es in den Medienberichten. Die Spinne wurde gefangen und in den Australischen Reptilienpark gebracht. Dort wird das Tier „gemolken“, um sein Gift für die Herstellung von Gegengift zu nutzen.

Video - tödliche Trichternetzspinne:

Sydney-Trichternetzspinne Steckbrief:

Name: Sydney Trichternetzspinne (Sydney Funnel Web Spider)

Größe: Die männlichen Trichternetzspinnen können bis zu 50 Millimeter lang werden und die Weibchen bis zu 40 Millimeter.

Lebensraum: Die Sydney-Trichternetzspinne trägt ihren Namen aufgrund ihrer trichterförmigen Netze und lebt in einem Umfeld von etwa 160 Kilometern rund um Sydney. Trichternetzspinnen bauen ihre Netze gerne bei Häusern und in Vorgärten nahe am Boden. Im Erdboden legen die Spinnen oft mit Netzen ausgekleidete Tunnel an, welche an das Trichternetz anschließen. Nicht selten fühlt sich die Sydney-Trichternetzspinne aber auch in Gebüschen wohl. Die Sydney-Trichternetzspinne verbringt die meiste Zeit ihres Lebens tief in ihrem Netz und den dazugehörigen Wohntunneln. Gerade zur Paarungszeit findet man aber vor allem die männlichen Trichternetzspinnen auch vermehrt außerhalb von ihrem Netz. Begegnungen mit dem Menschen sind dann nicht selten. Dringt Wasser in die Trichter ein, verlassen die Spinnen ihre Netze, um neuen Schutz zu suchen. Nicht selten trifft man die flüchtenden Trichternetzspinnen dann sogar auch in Häusern an. Das war auch beim Wetterchaos mit den heftigen Regenfällen nach den Buschbränden Anfang 2020 in Australien der Fall.

Beute: In das Beuteschema der Trichternetzspinne fallen vorwiegend andere Gliederfüßer, wie Insekten oder Spinnen. Auch kleine Wirbeltiere wie Amphibien oder Reptilien können zur Beute der Trichternetzspinne werden.

Feinde: Trotz ihrer Giftigkeit hat die Trichternetzspinne auch natürliche Feinde. Das liegt vor allem daran, dass viele Tiere gegen das Gift der Spinne immun sind. Hunden und Katzen zum Beispiel machen die Bisse der Spinne nichts aus. Für manche Eidechsen, Vögel und Nasenbeutler ist die Trichternetzspinne sogar eine willkommene Beute.

Verhalten: Die Sydney-Trichternetzspinne gilt als besonders aggressiv. Grade die männlichen Spinnen können während der Paarungszeit, wenn sie auf der Suche nach Weibchen sind, auch schnell den Menschen angreifen.

Gift der Trichternetzspinne (Biss und Symptome):

Die Trichternetzspinne zählt zu den wenigen Spinnen auf der Welt, deren Biss einen erwachsenen Menschen töten können. Dennoch erfordert nur jeder zehnte Bissvorfall eine Behandlung mit dem Gegengift. Auch vor der Herstellung des ersten Gegengiftes (Antivenin) im Jahr 1981 gab es in über 50 Jahren nur 13 Todesfälle, die der Trichternetzspinne zugeschrieben wurden. Zu den giftigsten Spinnen der Welt zählen neben der Sydney-Trichternetzspinne, die Schwarze Witwe und die brasilianische Wanderspinne. Das Gift der Trichternetzspinne kann zwar innerhalb von 15 Minuten zum Tode führen, jedoch ist die tödliche (letale) Wirkung stark abhängig von der injizierten Dosis des Giftes, welche bei den Bissen der Sydney-Trichternetzspinne stark variieren. Anders als bei anderen Spinnenarten sind die Männchen etwa 6 Mal giftiger als die Weibchen. Das Gift der Trichternetzspinne ist vor allem für Menschen und Primaten giftig. Vielen anderen Tierarten, wie zum Beispiel Hunden und Katzen, machen die Bisse nichts aus.

Symptome von schweren Bissen mit letaler Dosis:

• 10 - 15 Minuten nach dem Biss: Bei einem Biss schmerzt als Erstes die Bissstelle. Dazu können Schwitzen, Gänsehaut und Muskelzuckungen vor allem im Gesicht auftreten. Schnell beginnt ein unkontrollierter Speichelfluss des Opfers.

• Ab 15 - 60 Minuten nach dem Biss: Sollte nach 15 Minuten keine Erstversorgung stattgefunden haben, setzen Übelkeit, Bauchkrämpfe und Erbrechen ein. Die Spasmen verschlimmern sich. Die Augen fangen an zu tränen und die Pupillen weiten sich.

• Ab 60 Minuten bis 6 Tage nach dem Biss: Im Falle eines schweren Bisses der Trichternetzspinne kann es zur Ohnmacht, Koma und Herzstillstand des Opfers kommen. Grade bei Kindern ist ein Biss verhängnisvoll, da der Tod bereits nach 15 Minuten einsetzen kann.

Was tun bei einem Biss der Trichternetzspinne (Erste Hilfe):

Da sich das Gift der Trichternetzspinne innerhalb weniger Minuten im Körper verteilt, muss schnell gehandelt und Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen eingeleitet werden. Bei einem Biss sollte ein Druckverband oberhalb der Bisswunde angelegt und das betroffene Körperteil ruhiggestellt werden, um die Verteilung des Giftes im Körper zu verlangsamen.

Herstellung Gegengift:

Ein marktreifes Gegengift wurde zum ersten Mal 1981 hergestellt. Seitdem gab es keine Todesfälle mehr, die der Trichternetzspinne zugeschrieben werden können. Für die Herstellung einer Dosis Gegengift muss eine Trichternetzspinne etwa 70 Mal gemolken werden. Das Gegengengift wird aus dem Blut von immunisierten Tieren gewonnen.

Quellen und interessante Links:

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