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Ausstellung "Das fremde Abendland" in Karlsruhe zeigt Europa in der orientalischen Kultur.

Karlsruhe - Welche Bilder haben sich die Orientalen über Europäer gemacht? Dem geht die Sonderausstellung "Das fremde Abendland? Orient begegnet Okzident von 1800 bis heute" im Badischen Landesmuseum Karlsruhe nach. Wir sprachen mit der Kuratorin Schoole Mostafawy.

Frau Mostafawy, war es schwierig, die Exponate für diesen zumindest hier unüblichen Blick zusammenzubekommen?

Was die Sammlungen der Museen und Institutionen im europäischen Raum betrifft, war es sehr schwierig. Naheliegenderweise wird dort das Exotische aus dem Blickwinkel des Europäers gesucht und nicht umgekehrt. Man hat also weniger das Exotische im Eigenen gesucht. Das heißt, wir waren auf viele private Leihgaben und auf Feldforschung vor Ort angewiesen. Mein Kollege Jakob Möller und ich kennen uns sehr gut im Iran aus, wir sind auch nach Tunesien, in die Türkei und nach Syrien gereist. Aber der Schwerpunkt unserer Ausstellung liegt eindeutig auf dem Iran. Das liegt zum einen am direkten Zugang durch meine Herkunft. Zum anderen daran, dass der Iran zum schiitischen Islam gehört, in dem die Bilderwelt bei weitem stärker ausgeprägt ist als im sunnitischen Islam.

Aber dem Islam wird generell eine Bilderfeindlichkeit nachgesagt. Hat das Ihre Arbeit erschwert?

Dieses Vorurteil ist richtig und falsch zugleich. Denken Sie allein an die vielen Herrscherporträts, die in der islamischen Welt zu Propagandazwecken verstreut sind. Allerdings kann man beim wahabitischen Ritus in Saudi-Arabien davon ausgehen, dass eine regelrechte Bilderfeindlichkeit existiert. Ich glaube auch, dass die Europäer vor allem Nordafrika vor Augen haben, wenn sie von der Bilderfeindlichkeit des Islam sprechen, denn dort ist in der Tat eine stärkere Bilderskepsis zu beobachten als in den Ländern, auf die wir unseren Fokus gerichtet haben - also das Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reichs, den Iran und Indien.

Wie haben Sie den Begriff des Orients definiert?

Wir haben den Orient von der heutigen Zeit aus gesehen und somit vornehmlich als die islamische Welt definiert. Indien haben wir einbezogen, weil dieses Land eine wichtige Vermittlerrolle spielt. Den Sudan haben wir uns nicht angesehen, auch nicht die arabische Halbinsel, obwohl beide zur islamischen Welt gehören. Unser Fokus liegt auf Ländern, die den direkten Kontakt zu Europa gesucht und ihn forciert haben. Das geschah durch eigene Reisen, eigene Reformen, etwa durch Atatürk in der Türkei, und in den Kolonien. Auch christliche Minderheiten, etwa die Armenier, haben eine entscheidende Rolle gespielt.

Wann hat dieser Orient begonnen, sich für Europa zu interessieren? Ich vermute mal im 19. Jahrhundert.

Dazu kann ich nur entschieden Nein sagen. Es gibt viel frühere Kontakte und Reiseaktivitäten etwa von Künstlern, die den Auftrag hatten, sich europäische Errungenschaften anzueignen. Gleichwohl liegt unser Schwerpunkt auf dem Beginn des 19. Jahrhunderts, weil hier eine neue Ära beginnt, die von der Industrialisierung, der daraus resultierenden Mobilität auf beiden Seiten geprägt ist.

Inwiefern?

Kontakte zwischen Orient und Okzident gibt es seit der Antike, seit dem frühen Mittelalter sind die Beziehungen sehr stark, was sich vor allem in der höfischen Kunst zeigt. Denken Sie nur an die Andalusier oder die Sarazenen. Entscheidend ist das Jahr 1683, als die Türken vor Wien gestoppt wurden. Bis dahin wurde die orientalische Kultur als die stärkere gesehen, erst im 17. Jahrhundert kehrte sich das Verhältnis um.

Bis 9. Januar. Di bis Do 10 bis 17 Uhr, Fr bis So und an Feiertagen 10-18 Uhr.

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