Ruth Finke (links) und Barbara Fauser sind stolz auf ihre Ausstellung. Foto: factum/Bach

Landschaften, Portraits in Blei und Kohle, Stühle auf blauem Grund: Seit Sonntag stellen Barbara Fauser und Ruth Finke einen Querschnitt ihres Schaffens in Ditzingen aus.

Ditzingen - Es sind keine Unbekannten, deren Bilder derzeit in der Städtischen Galerie in Ditzingen hängen: Die 70 Jahre alte Barbara Fauser und die zehn Jahre ältere Ruth Finke leben seit Jahrzehnten in der Stadt und machen immer wieder mit ihrer Kunst auf sich aufmerksam. Barbara Fauser ist zudem die zweite Vorsitzende des Kultur- und Kunstkreises Ditzingen und organisiert pro Jahr mehrere Ausstellungen in der Galerie Am Laien.

Die runden Geburtstage waren Anlass für die Ausstellung

Weshalb aber nun diese Doppel-Ausstellung? „Ich glaube, unsere beiden runden Geburtstage in diesem Jahr waren der Anlass für die gemeinsame Schau“, erklärt Barbara Fauser. Seit 30 Jahren treffen sich die beiden mit anderen Laien-Künstlern, um in Gesellschaft ihrem Hobby zu frönen. Etwa 80 Werke hängen nun in dem windschiefen Fachwerkhaus, und was darauf zu sehen ist, ist durchaus beachtlich. Beide haben einen Querschnitt ihres Schaffens zusammengestellt, und so muss man den Rundgang durch die Ausstellung streng genommen im Nebenraum rechts des Eingangs beginnen. Dort hängen einige Bleistift-Zeichnungen von Ruth Finke aus den ersten Jahren ihres Wirkens; eine Hand, eine Tasse auf einem Teller, zwei über 80 Jahre alte Modelle, die dem Betrachter runzlig entgegenblicken, ein liegendes, weibliches Aktmodell. „Jeder Künstler fängt zunächst mit der Zeichnung an, das ist das Grundgerüst der Kunst“, erklärt Ruth Finke. Für sie, die auch als Dozentin an einer Volkshochschule lehrt, sei es immer wichtig, auch ihren Schülern klar zu machen: ihr müsst sehen lernen, und zwar innerhalb kürzester Zeit. So könne und müsse eine Zeichnung innerhalb von Minuten entstehen. „Im Studium lernt man, innerhalb von fünf Minuten mehrere Posen zu zeichnen“, betont sie.

Stühle und Gesichter sind Barbara Fausers Thema

Beherrsche man diese Art der Malerei, gehe es weiter mit Kreide, Kohle, Acryl und Aquarell. Auch solcherlei Bilder sind nun in Ditzingen zu sehen, und obgleich man die Vorliebe beider Damen zu den kräftigen Farben erkennt, sieht man doch sofort, dass beide unterschiedliche Schwerpunkte setzen. „Mein Thema waren schon immer Stühle und Gesichter“, sagt Barbara Fauser und zeigt auf ein Bild, auf dem mehrere weiße Stühle durcheinandergewürfelt auf kräftigen Blautönen zu sehen sind. Daneben die beiden Bauarbeiter, die sich erschöpft ausruhen – ob sie die Stuhl-Collage gerade zusammengewürfelt haben oder sie gleich wieder abbauen werden, bleibe dem Betrachter überlassen, sagt Fauser.

Auch Klassiker finden sich in der Ausstellung: eine herbstliche Landschaft, ein Blick von einem Felsen auf der Schwäbischen Alb hinunter ins Tal, ein blühendes Mohnblumenfeld, ein kahler Baum oder Spätburgunder-Reben, in Blei gezeichnet. Auch das Schloss Solitude findet hier seinen Platz und ist ob seiner Abstraktheit nicht sofort erkennbar. Doch genau so soll es nach Ansicht der Künstlerinnen auch sein: nicht immer gleich das Offensichtliche zu sehen, sondern die Fantasie spielen zu lassen. Denn – und darin sind sich beide einig – dies gelte auch für einen Künstler. „Als Künstler muss man offen sein und Zufälle akzeptieren.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: