Claudia Tebben bereitet ihre Ausstellung in Ditzingen vor. Foto: factum/Granville

Langweilige Landschaften mit Blümchenwiese sind nicht ihres, sagt die Künstlerin Claudia Tebben aus Gelsenkirchen. Das sieht man: Ihre Bilder haben Power und Energie – zu sehen sind die nun in Ditzingen.

Ditzingen - Wenn man Claudia Tebben zuhört, dann merkt man sofort: Diese Frau brennt für ihre Kunst. Sie ist nicht laut oder extrovertiert, wenn sie erzählt; es sind eher die leisen, nachdenklichen Töne. Und doch ist da eine Kraft zu spüren und die Liebe zu dem, was sie tut, dass man dem Kultur- und Kunstkreis Ditzingen unter Barbara Fauser nur mal wieder gratulieren kann zu der Entscheidung, der Künstlerin Claudia Tebben eine Ausstellung in der Galerie zu widmen.

Kräftige Farben dominieren

Die 51-Jährige ist viel in der Natur unterwegs – eigentlich fast meistens, wie sie erzählt. „Ich bin jeden Tag draußen und fange die Stimmungen ein, das Licht, die Atmosphäre“, erzählt die Künstlerin aus dem nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen. Mitten aus dem Ruhrpott kommt sie also, doch ihren Bildern sieht man das nicht an. Im Gegenteil. Denn wenn man etwa erwarten würde, flache Landschaften zu sehen – wie dies ja im Ruhrgebiet durchaus der Fall ist – dann wird man schnell eines Besseren belehrt. Auf den kraftvollen, energiegeladenen Bildern dominieren Dunkelblau und Schwarz, tiefes Rot und sattes Grün. Dort hängt eines, das fast an eine Steppenlandschaft in Afrika erinnert, das Bild daneben könnte eine Landschaft aus den verschneiten Bergen darstellen. Und immer sind ihre Bilder abstrakt und ohne feste Details, Gebäude, Bäume oder etwa Menschen darin sucht man vergebens. Etwaige kleine Details wie einen Stein oder Felsen umkreist sie lediglich mit einem lockeren, feinen Strich, den man als Betrachter allerdings kaum wahrnimmt.

Sie gibt nur Fantasienamen

Es käme häufiger vor, dass drei Leute vor ihren Werken stünden und alle unabhängig voneinander etwas jeweils völlig anderes darin sähen, erzählt Claudia Tebben. Sie gibt ihren Bildern daher auch keine Namen; es sind lediglich Bezeichnungen, Fantasiewörter, die dann darunter stehen. „Naspato“ und „Rikala“ ist dann dort zu lesen, oder auch „Reese“, Dulemi“ und „Gabal“. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, um den Betrachtern alle Freiheiten zu geben.

Die Freiheiten nimmt sie sich auch beim Malen. Es sei nämlich ganz und gar nicht so, dass sie nach einem Spaziergang nach Hause käme und ihre Seh-Erfahrung dann gleich in Öl und Acryl auf die Leinwand banne. „Es sind keine konkreten Momente oder Landschaften, die ich dann festhalte. Es ist eher so, dass ich durch das Malen versuche zu begreifen, was ich da draußen gesehen habe“, sagt sie. „Wissenschaftliche Auseinandersetzung“ nennt sie das, und obgleich sich das fremd anhören könnte, wird man beim Betrachten ihrer Bilder direkt gefangen genommen vom ganz und gar nicht wissenschaftlichen Ausdruck.

Sie hängt das auf, was der Raum braucht

Seit Ende ihres Studiums an der Folkwang-Hochschule in Essen arbeitet sie als freiberufliche Künstlerin – und zwar stets und schon immer mit Acryl und Leinöl. „Andere Materialien interessieren mich nicht. Ich bleibe bei diesen beiden, damit ich mich auf meine künstlerische Weiterentwicklung konzentrieren kann“, betont sie. Nach Ditzingen sei sie eher zufällig gekommen, und sie freue sich sehr, dass sie kurz nach ihrer Bewerbung um eine Ausstellung schon den Zuschlag erhalten habe. 24 Bilder zum Preis zwischen 390 und 5300 Euro hängen nun hier, es sind allerdings nicht alle ihre Lieblingsbilder. „Ich schaue mir zuerst den Raum an und schaue, was er braucht. Als Künstlerin nehme ich mich dann immer zurück, um den Betrachter nicht zu überfrachten.“

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