Das Thema der Ausstellung lautet „Texturen“. Foto: factum/Bach

Der Kultur- und Kunstverein stellt Werke einer seiner Malgruppen in der Städtischen Galerie aus. Das Thema lautet „Texturen“. Mit einer Sache hätte man dabei aber nicht gerechnet.

Ditzingen - Wenn der örtliche Kultur- und Kunstverein Werke einer seiner Malgruppen ausstellt, dürfte man mit einer Sache wohl am wenigsten gerechnet haben: eine Baggerschaufel mit einem goldenen Zahn, mit Baustellenband abgesperrt. Die Installation in der Städtischen Galerie in Ditzingen ist gleichzeitig eine Irritation. Und sie zeigt, dass es den sieben Mitgliedern der Malgruppe, die seit Sonntag ihre Werke dort präsentieren, um mehr geht als nur darum, zu zeigen, was sie innerhalb eines Jahres auf Leinwand beziehungsweise auf Papier gebracht haben. Es soll eine ganzheitliche Darstellung der Position des Künstlers werden. Der Maler wird in dieser Ausstellung zu seinem eigenen Kuratoren.

Es ist die erste öffentliche Ausstellung dieser Malgruppe des Kultur- und Kunstvereins. Sechs Frauen und ein Mann zeigen ihre Werke, die größtenteils mit Acryl gemalt wurden. Mit dieser Substanz ist die Bandbreite der künstlerischen Gestaltung am größten. Manche Werke bestechen durch zart gehauchte Farben, fast wie Aquarell. So beispielsweise die Gemälde von Iris Maier, die in ihren Werken Abstrakta wie „Investition“, „Antwort“ oder „Kommunikation“ darzustellen versucht.

Wie Aquarell gehauchte Farben oder wuchtige Kleckse in Öl

Andere wiederum klotzen richtig ran und tragen farbenfrohe Kleckse derart großzügig auf, dass die Gemälde ein Relief entwickeln. So bekommen beispielsweise die Werke von Sonja Knittel eine bunte Opulenz.

Die Malgruppe existiert seit 2005. Jeden Mittwoch trifft sie sich abends in den Räumen des Glemsaue-Gymnasiums – außer in den Schulferien. Die Idee zu einer Ausstellung mit dem Titel „Texturen“ hatte der Leiter der Gruppe, der Stuttgarter Künstler Rainer Schall. Er interpretiert den weit gefassten Begriff doppelt: Einmal mit Bezug zur Sprache im Sinne von Text. Und einmal als haptische Qualität im Sinne von greifbaren Textilien. Durch den offenen Begriff war es jedem Teilnehmer der Malgruppe möglich, eigene Positionen zu entwickeln und zu schärfen.

Während so beispielsweise Rudolf Faisst in Farbradierungen den Prozess des Denkens visualisiert, beschäftigt sich Gerda Moser in ihren materialreichen Collagen mit dem Thema Traum.

Ziel des Gruppenleiters: Selbstständiges Künstlertum

Dem Leiter Rainer Schall geht es darum, die Mitglieder seiner Gruppe zum selbstständigen Künstlertum zu befähigen. „Ich möchte den Malprozess nicht angehen als Erlernen von Techniken, sondern als ergebnisoffenes, waches Gestalten“, sagt der 55-Jährige. Das sei zwar anfangs ein mühsamerer Weg, weil mehr Durchhaltevermögen gefordert ist. Dafür sähen dann die Ergebnisse der Teilnehmer auch viel unterschiedlicher aus.

Die Ausstellungseröffnung am Sonntag hatte noch einen weiteren Protagonisten: die Galerie selbst. Die war nämlich zuvor aufwändig renoviert worden: ein neuer, weißer Anstrich und neue Lichter ließen die Räume frisch erstrahlen. Eine vierstellige Summe habe die Stadt dafür ausgegeben, sagte der Vorsitzende des Kultur- und Kunstkreises, Dieter Schnabel. Die genaue Summe nannte er in seiner Ansprache nicht. Man munkelt, dass mancher Stadtrat die Renovierung gerne auch etwas günstiger gehabt hätte. Für Schnabel war jedoch klar: „Die Galerie der Stadt Ditzingen hat dadurch gewonnen. Man sieht, die Stadt tut etwas für Ditzingen als Kulturstadt.“

Die Ausstellung „Texturen“ ist vom 2. bis zum 30. September in der Städtischen Galerie in Ditzingen zu besichtigen. Sie hat dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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