Das Plateau auf dem Grafenberg wurde für die Remstal-Gartenschau neu gestaltet. Von dort reicht der Blick auf die Höhen des Schurwals und bis zu den Kaiserbergen. Foto:  

Sven Ellwanger baut am Schorndorfer Grafenberg Riesling und Co an. Der Wengerter schätzt die ganz besondere Lage am steilsten Weinberg des Remstals – und den Blick über die schwäbische Toskana.

Schorndorf - Der Grafenberg ist sicherlich nicht der majestätischste Weinberg im Remstal. Es gibt höhere, es gibt breitere, es gibt bekanntere Lagen mit viel mehr Rebfläche. Aber der 361 Meter hohe Hügel sticht trotzdem hervor. Schon optisch: Nirgendwo sonst im Tal stehen so herrschaftlich anmutende Weinberghäuser. Im größten kann seit einigen Jahren sogar standesamtlich geheiratet werden.

Dass es dieses besondere Flair mit den hübschen Häuschen samt Sandsteinmauern noch gibt, hat auch damit zu tun, dass es am Grafenberg anders als an den allermeisten Stellen im Remstal keine Rebflurbereinigung gab. Was nicht heißen soll, dass dort kein guter Wein wächst. Im Gegenteil: „Er ist ein besonderer Berg“, sagt Sven Ellwanger, der 4,5 der insgesamt zwölf Hektar Rebfläche am Grafenberg bewirtschaftet und den Berg seit seiner Kindheit kennt.

Der Grafenberg ist der vorletzte und steilste Weinberg im Remstal

Oma und Opa waren Schorndorfer, deswegen hat das eigentlich in Weinstadt beheimatete Weingut Bernhard Ellwanger so viel Fläche in der Daimlerstadt. Die war laut Ellwanger einmal die größte Weinbaugemeinde Württembergs, mittlerweile sind nur Rebflächen am Grafenberg und Sünchen übrig. Was den vorletzten Weinberg im Remstal auszeichnet? „Er ist der steilste Berg im Remstal, deswegen haben wir eine sehr gute Sonneneinstrahlung“, erläutert Ellwanger, der mit Schwester Yvonne das Familienweingut führt.

Die steile Südlage kompensiere auch, dass es in diesem engeren Talabschnitt manchmal etwas kühler sei. Sven Ellwanger schätzt das Kleinklima am Grafenberg, der allerdings nicht ganz einfach zu bewirtschaften ist. „Der steilste Abschnitt hat 60 Prozent Steigung“, erzählt der 44-Jährige. Bei feuchtem Untergrund könne man da mit dem Traktor gar nicht durchfahren, und auch bei trockenem Wetter sei jede Menge Konzentration gefragt.

Der erste Remstäler Muskattrollinger wurde am Grafenberg angebaut

Der Lohn der Mühen: ausdrucksstarke, fruchtintensive Weine. Riesling, Grauburgunder und Spätburgunder bauen Ellwangers an. Und der Grafenberg war der erste Weinberg im Remstal, auf dem 1979 Muskattrollinger-Reben angepflanzt wurden. „Mein Vater hat die Traube als Erster hierhergebracht“, erzählt Sven Ellwanger. Mittlerweile sei der Muskattrollinger nicht mehr aus dem Programm der Weingüter wegzudenken. Wer diesen Wein und andere Sorten vom Grafenberg probieren möchte, kann dies unter anderem beim Schorndorfer Weinmarkt tun, der immer am letzten Augustwochenende auf dem Marktplatz stattfindet.

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Mindest ein- bis zweimal in der Woche ist Sven Ellwanger zum Arbeiten am Grafenberg unterwegs. Seit 20 Jahren ist er im Familienweingut dabei, langweilig wird ihm trotzdem nicht: „In welchem Beruf gibt es das noch, dass man ein Produkt vom Anfang bis zum Schluss begleiten kann“, schwärmt er. Das Rauschen der Bundesstraße 29, die unterhalb vorbeiführt, nimmt er beim Rebenschneiden oder der Traubenlese nicht mehr wahr. Die Aussicht über Schorndorf, auf die Höhen des Schurwalds und in Richtung der Kaiserberge hingegen schon. „Die Landschaft ist so schön, da muss man nicht unbedingt in den Urlaub fahren“, sagt er.

Die Architekturstation Prisma bietet neue Ausblicke

Umgeben von seinen Reben steht auf mittlerer Höhe des Grafenbergs ein neuer Aussichtspunkt: Das sogenannte Prisma wurde im Zuge des Gartenschau-Architekturprojekts „16 Stationen“ für die Landmarke geplant. Sven Ellwanger findet das Projekt sehr gelungen: „Die Menschen brauchen solche Aussichtspunkte, um ihre Heimat mit anderen Augen zu sehen.“

Tatsächlich seien seit Beginn der Gartenschau und der Eröffnung des Aussichtspunkts spürbar mehr Menschen am Grafenberg unterwegs. Für Sven Ellwanger sind die Spaziergänger ein erfreulicher Anblick: „Ich glaube, dass man unseren Produkten auch mehr Wertschätzung entgegenbringt, wenn man sieht, wie und wo sie wachsen. Dass der Wein aus dem Remstal so einen guten Namen hat, macht uns sehr zufrieden.“

Die Anfahrt mit dem VVS:

Schorndorf – Grafenberg

Die Aussichtspunkte präsentieren wir Ihnen in Zusammenarbeit mit dem VVS und der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus Gesellschaft.

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