Mit einem großen Kran wird die Bodenplatte für die Aussichtsterrasse in die Weinberge am Wasserhäusle oberhalb von Großheppach transportiert. Das erste Gartenschauprojekt in Weinstadt nimmt Gestalt an. Foto: Gottfried Stoppel

Projektpläne, die über den Haufen geworfen wurden, nachdem Bürger dagegen aufbegehrten, dazu wenig Finanzspielraum: Bei der Gartenschauplanung war bisher einiger Sand im Getriebe. Doch nun nähert sich das erste Projekt seiner Fertigstellung.

Weinstadt - Das erste Weinstädter Gartenschauprojekt steht kurz vor dem Abschluss: Am Dienstagmorgen hat ein Autokran die Bodenplatte für die Aussichtsterrasse am oberen Wasserhäusle in den Weinbergen oberhalb von Großheppach auf die bereits fertige Unterkonstruktion gehievt. Damit seien die meisten Arbeiten an der „Luitenbächer Höhe“ erledigt, erklärt der Erste Bürgermeister, Thomas Deißler, auf Nachfrage. Lediglich der Belag der nach vorne über den Wasserhochbehälter auskragenden Terrasse und die dahinter geplante Pergola mit Sitzbank müssten dann noch angebracht sowie das Gelände begrünt werden.

Wenn die Luitenbächer Höhe fertig ist, werde sie die Anmutung einer Weinkiste haben, sagt Deißler. Dazu ist der Hochbehälter mit Holz verkleidet worden. Zudem wird das Thema Wein auch von einer Skulptur aufgegriffen, welche die Bildhauerin Manuela Tirler geschaffen hat. Durch den Skulpturenrundweg „Köpfe am Korber Kopf“, bei dem aktuell auch eine Stahlplastik der Künstlerin aus Wiernsheim (Enzkreis) zu sehen ist, sei man auf sie aufmerksam geworden, berichtet Deißler. Die Installation der mehrere Meter hohen Skulptur, die ein Bündel abgeschnittener Weinreben darstellt, markierte vergangenen Sommer den Baustart des ersten Weinstädter Projekts für die Interkommunale Gartenschau, die 2019 stattfinden soll.

Wein-Thema ist das zentrale Element

Dass die Wein-Thematik bei der Gestaltung das zentrale Element ist, kommt nicht von ungefähr. Das von Martin Bühler vom Architekturbüro Wolfshof erstellte Konzept für die Luitenbächer Höhe sei im Dialog mit Weinstädter Weingütern entstanden, erläutert der Bürgermeister. Diese sollen den Aussichtspunkt dann auch mit Veranstaltungen beleben. Die für die Bewirtung nötige Servicestation steht bereits.

Mit 380 000 Euro werden die Kosten des Projekts kalkuliert, inklusive der Skulptur, für welche die Stadt eine Spende erhalten hat. Zudem bezuschusst der Verband Region Stuttgart das Projekt mit 180 000 Euro, und die Stadtwerke übernehmen einen Teil der Abdichtungsarbeiten am Dach des Wasserhochbehälters, die ohnehin notwendig gewesen wären.

Im Mai soll die Luitenbächer Höhe eingeweiht werden. „Es ist richtig schön, dass nach langwierigen Planungen nun eines der Gartenschauprojekte fertig wird“, sagt Deißler, der sich davon „einen positiven Impuls“ für die weiteren Vorhaben verspricht. Denn die Luitenbächer Höhe ist nur einer von mehreren geplanten Hochpunkten in den Weinbergen, welche den angedachten Bürgerpark flankieren sollen, der als „Grünes T“ die fünf Teilorte miteinander und mit der Rems verbinden soll.

Das nächste Projekt ist die Burgruine Kappelberg

Der zweite Hochpunkt, den man sich vornehmen will, ist die Burgruine Kappelberg. Laut den aktuellen Plänen sollen die Mauerreste mit einer Platte abgedeckt werden, um sie als Terrasse begehbar zu machen. Der darunter entstehende Raum könnte zum Gedenken an die historische Bedeutung genutzt werden. Denn zum einen gilt der Kappelberg als Wiege Württembergs, da einst Luitgard von Beutelsbach, die Stammmutter des Hauses Württemberg, in der Burg lebte. Zum anderen nahm der Aufstand des Armen Konrad dort seinen Anfang und sein Ende. Ins Gedächtnis gerufen werden soll zudem die Kapelle, die auf der Anhöhe über Beutelsbach stand und an die heute nur noch der Name Kappelberg erinnert. Ihre Grundrisse sollen durch Grabungen ermitteln und mit Metallbändern im Boden sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus soll ein fünfeckiger Glockenturm, angelehnt an die Architektur der Stauferzeit, errichtet werden – Kosten: gut eine Million Euro.

Ob all das jedoch so auch umgesetzt wird, ist offen. Der Verband Region Stuttgart fördert das Projekt zwar mit 275 000 Euro, doch hatte man in Weinstadt auf den Maximalzuschuss von 500 000 Euro gehofft. „Jetzt besteht eine Finanzlücke, und wir müssen entscheiden, was wir nun tun“, sagt Deißler. Dabei könnte es im Gemeinderat zu heißen Diskussionen kommen. Denn das Projekt ist nicht bei allen Gremiumsmitgliedern beliebt. Zu den Kritikern gehörte zu seinen Stadtrat-Zeiten unter anderem auch der neue Oberbürgermeister Michael Scharmann.

Remstalkino mit ehrenamtlicher Unterstützung

Zupass kommt der Stadt angesichts ihrer begrenzten finanziellen Mittel eine Idee von dem CDU-Stadtrat Volker Gaupp. Er schlägt vor, auf dem dritten Hochpunkt bei den Drei Riesen ein „Remstalkino“ einzurichten. Dazu sollen auf dem Felsvorsprung in den Weinbergen oberhalb von Beutelsbach Stuhlreihen wie in einem Kinosaal installiert werden. Die Leinwand bildet die grandiose Aussicht ins Remstal, die man von dort oben genießen kann. Das Interesse seitens der Bevölkerung sei riesig, berichtet Gaupp: „Ich habe nur positives Feedback bekommen.“ Für 23 der 25 Stühle, die mittels Patenschaften finanziert werden sollen, gebe es bereits Interessenten. Zudem habe er einen Vermessungsfachmann und einen Planer gefunden, die mit ihm gemeinsam einen Bauantrag vorbereiten könnten, den es beim Landratsamt zu stellen gilt. Denn weil der Fels in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, hat auch die Kreisbehörde ein Wörtchen mitzureden.

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