Auf dem Ebnisee war am Wochenende schon reichlich Verkehr. Foto: Edgar Layher

Die Ausflugsziele im Schwäbischen Wald sind vielfältig. Lassen sich Schwabenpark, Ebnisee und Co. an nur einem einzigen Tag besichtigen? Wir haben den Selbstversuch gewagt.

Kaisersbach/Welzheim - Eine Erkenntnis vorweg: Wer sich an nur einem Tag mehrere Ausflugsziele im Schwäbischen Wald vornimmt, sollte ordentlich Durchhaltevermögen mitbringen. Denn die Möglichkeiten, sich die Zeit quasi direkt vor der Haustür zu vertreiben, sind so vielfältig, dass ein eng geschnürter Zeitrahmen das Ausflugshopping schnell zu einer Stressveranstaltung geraten lassen kann.

Die Perle des Schwäbischen Waldes

Diese Einsicht lässt sich beim Start an einem Klassiker der Naherholung noch euphorisch verdrängen: Am Ebnisee, von Schwärmern gerne als die „Perle des Schwäbischen Waldes“ bezeichnet, ist rundum kein Parkplatz frei. Der Geheimtipp hat sich wohl rumgesprochen, insbesondere bei Motorradfahrern: Denn nachdem tatsächlich ein – zugegeben halblegaler – Parkplatz am Rande eines Waldwegs gefunden ist, verhindern Millionen von Bikerkolonnen ein Queren der Straße.

Irgendwann aber steht man dann doch und tatsächlich unbeschadet vor dem idyllisch gelegenen See und sagt sich, dass man das Nass auch zu Fuß umrunden kann anstatt für das Tretbootfahren anzustehen. Schließlich steht ja noch mehr auf dem Programm – weshalb wir auch die Einkehrmöglichkeiten in einem der drei Biergärten großzügig ignorieren.

Die überschaubare Alternative zum Cannstatter Wasen

Der Schwabenpark in Kaisersbach-Gmeinweiler wartet – aber offenkundig leider nicht nur auf uns. Auch diese sonst eher überschaubare Alternative zum Frühlingsfest auf dem Wasen inmitten grüner Natur scheint sich bei einem größeren Publikum herumgesprochen zu haben. Und so gerät die Erkundung der neuen Attraktionen ein bisschen zur Geduldsprobe.

Neu ist zum Beispiel die Wilde Hilde. Die Achterbahn ist, wie der Veranstalter betont, so neuartig, dass es sie bisher noch nirgends gegeben hat. Doch keine Angst: der Tüv hat die Anlage abgenommen, und sie ist freigegeben ab einem Alter von sechs Jahren. Und schlecht wird einem nur, wenn man den murmelbahnähnlichen Zickzack-Kurs aus 25 Metern Höhe mit 46 Jahren mehr auf dem Buckel absolviert.

Deutlich besser geeignet ist für Alters- und Schwindel-Leidensgenossen die zweite neue Attraktion, das Schwarzlicht-Minigolf – oder noch magenfreundlicher: der Wasserspielplatz mit insgesamt 40 Elementen. Spielfreudige Erwachsene sollten sich dazu allerdings ein Kind ihres Vertrauens mitnehmen, ansonsten könnte es sein, dass man beim Matschen komisch angeschaut wird. Die Zeit vergeht im Schwabenpark jedenfalls wie im Flug.

Römerzeit und Riesenbäume

Gut, dass man im knapp fünf Kilometer entfernten Welzheim für die dort gerühmte Champagnerluft nicht anstehen muss. Allerdings muss auch ein flüchtiger Blick aus der Ferne auf das Ostkastell reichen, um in die Römerzeit einzutauchen, und es reicht auch, wenn man im örtlichen Tannwald auf einen der imposanten Mammutbäume gestoßen ist. Die literarischen Ergüsse im Poetenpfad im Stadtpark können bestenfalls angelesen werden, Minigolf muss leider ausfallen, ebenso – noch bedauernswerter – der Biergarten.

Zu spät für alle Sinne

Zwar ist das Erfahrungsfeld der Sinne nur fünf Minuten mit dem Auto entfernt, doch es sind auch nur noch 15 Minuten, bis das Eins + Alles schließt. „Überall dürfen Sie riechen, hören, tasten, balancieren, experimentieren und staunen, wozu Ihre Sinne in der Lage sind“, verspricht die von der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle als Werkstatt für behinderte Menschen betriebene Einrichtung. Doch bei der Ankunft wird uns klar, dass gerade mal zehn Minuten dem nicht gerecht werden können, auch wenn der erste Eindruck die Gewissheit schafft: das muss nachgeholt werden.

Überhaupt werden wir alles ganz sicher noch einmal machen, denn jedes der angesteuerten Ziele ist absolut zu empfehlen. Mit zwei entscheidenden Einschränkungen: den Zeitrahmen haben wir eingangs schon erwähnt, aber auch der Zeitpunkt sollte mit Bedacht gewählt werden. Wenn es irgend geht, sollte es kein Ostersonntag bei strahlendem Sonnenschein sein.

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