Die Stella-Roller sind ein echter Hingucker. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die zwei Unternehmen der Stadt waren sich einig, dass sie gemeinsam 200 statt bisher 100 Leihroller auf Stuttgarts Straßen bringen wollen. Doch plötzlich tut sich für die Stadtwerke und die SSB ein Hindernis auf.

Stuttgart - Eigentlich war der Plan schon ausgetüftelt. Die blauen Stella-Roller, die man mittels einer Handy-App nach Bedarf mieten und anschließend wieder abstellen kann, sollten künftig einmal mit gelben Streifen und dem Logo der Stuttgarter Verkehrsbetriebe SSB im Straßenbild auftauchen. Die Stadtwerke Stuttgart wollten die Flotte nämlich ausbauen, sich aber auch die Investitionslast leichter machen und die elektrischen Mietroller künftig in Partnerschaft mit der SSB auf die Straße schicken. Doch der Aufsichtsrat der SSB hat den Plan vereitelt. Nun ist guter Rat teuer.

Nach Informationen unserer Zeitung hat eine Mehrheit im Aufsichtsrat kurz vor Weihnachten hinter verschlossenen Türen den Wunsch des SSB-Vorstands abgelehnt, mit den Stadtwerken zu verhandeln und einen Kooperationsvertrag abschließen zu dürfen. Das lag erklärtermaßen vor allem an dem Aufwand von 300 000 Euro, den die SSB-Chefs schlimmstenfalls über drei Jahre hinweg in Kauf nehmen wollten – nach Abzug einer Beteiligung an zusätzlichen Einnahmen, die man sich durch die Expansion erhoffe.

Fäll hat SSB strengen Sparkurs verordnet

300 000 Euro seien sehr viel Geld, sollen die Kritiker im Aufsichtsrat eingewendet haben. Wenn man bedenke, dass bei den SSB manches Wünschenswerte aus finanziellen Gründen auf der Strecke bleibe, halte man diese Investition für verfehlt. Zumal der Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) den SSB einen strengen Sparkurs auf vielerlei Feldern verordnet habe, damit die Verkehrsbetriebe den politisch gewollten und auch praktisch notwendigen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs stemmen können. Dieses Ergebnis im Aufsichtsrat soll dann aber auch Föll überrascht haben.

In dem Gremium sei die Beschlussvorlage vom Vorstand für ziemlich dünn befunden worden, heißt es. Ob die Stella-Roller jemals Gewinn einfahren werden, stehe in den Sternen. Im Moment seien die Roller in erster Linie Werbeträger für den Betreiber.

Nein zu neuen Rollern eine Retourkutsche?

Manche Beobachter beschlich das Gefühl, dass die Ablehnung auch noch andere Gründe haben könnte. Ist sie vielleicht eine Retourkutsche der Arbeitnehmerseite, nach längeren Auseinandersetzungen um die Höhe von Gehältern und Überstundenentgelte für Betriebsratsmitglieder? Darüber war es sogar zu Streit vor dem Arbeitsgericht Stuttgart gekommen. Allerdings haben nicht nur Arbeitnehmervertreter den Roller-Plan abgelehnt. Auch die Stadträte im Aufsichtsgremium stimmten nicht einheitlich ab.

Mit den Rollern hatte der SSB-Vorstand Großes vor. Statt der bisher rund 100 Fahrzeuge, die in der Innenstadt sowie in Bad Cannstatt und einigen weiteren Stadtteilen genutzt werden können, wollten die SSB-Spitze und die Stadtwerke nunmehr 200 Fahrzeuge auf die Straße bringen, was möglicherweise auch die Kundenzahl von mehr als 10 000 auf gut 20 000 steigern könnte. Die SSB sollte so ihre Funktion als umfassende Dienstleisterin auf dem Gebiet der Mobilität schärfen, sich mit einer neuen Form von Mobilität profilieren – und die verschiedenen Angebote des öffentlichen Nahverkehrs verzahnen und vernetzen. SSB-Fahrgäste sollten Sonderkonditonen für die Rollermiete erhalten. Die SSB-Angebote wollte man auch über die Buchungs-App für die Stella-Roller publik machen.

Alles warten auf ein Signal

Wie es nach dem Veto einer Aufsichtsratsmehrheit bei der SSB nun weitergeht, ist offen. Wird man womöglich kooperieren, ohne dass die Verkehrsbetriebe die 300 000 Euro investieren? Oder wird das Thema im Rathaus neu aufgelegt, wenn im Laufe des Jahres der nächste Haushaltsplan für die Landeshauptstadt und die Wirtschaftspläne für ihre Unternehmen aufgestellt werden? Suchen die Stadtwerke einen anderen Partner? Darüber sind im Rathaus im Moment noch keine Ansagen bekannt. Bei den Stadtwerken sagte die Sprecherin Caroline von Graevenitz am Donnerstag, man sei weiter in Gesprächen über das Thema und man werde noch Vorschläge machen.

Im Grunde warten diverse Beteiligte aber auf ein neues Signal des Finanz- und Beteiligungsbürgermeisters Föll, der nicht nur dem SSB-Aufsichtsrat angehört, sondern bei den Stadtwerken stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates ist.

Sicher ist bisher nur: Die zusätzlichen Roller sind bestellt. Der Stückpreis soll etwa 5000 Euro betragen.

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